Kamillianer

zur Themenübersicht ] - Trauer um Mathilde Weidinger - 'Kamillus Heute' September 2022

Trauer um Mathilde Weidinger, die „Mutter der Armen“

Am 6. Juli 2022 starb im 85.Lebensjahr Mathilde Weidinger, Mitglied des Säkularinstituts „Ancillae Christi Regis Österreich“, Gründerin der ACR Gruppe Ungarn und engagierte Mitarbeiterin des sozialen Hilfsprojekts von P. Anton Gots in Ungarn. Bei der Auferstehungsmesse am 16. Juli 2022 in der Pfarrkirche Maria Laach hielt P. Leonhard Gregotsch die Ansprache und dankte im Namen des Ordens für Mathildes Leben und Wirken:

Liebe Angehörige und Verwandte, liebe Trauergemeinde!

„Trauert nicht wie andere, die keine Hoffnung haben“, sagt der Apostel Paulus. Er sagt es uns auch heute. An uns als Gläubige ist es wie ein Aufruf, wie eine Ermunterung. Aber trotzdem bedrückt uns das Todeslos und erfüllt uns mit Trauer und auch mit so mancher Frage. Der Tod ist für alle dunkel und geheimnisvoll und die Last des Kreuzes drückt uns alle.

„Trauert nicht wie andere, die keine Hoffnung haben“, denn unsere Sr. Hilde hat ihr Leben in Gott vollendet. Der allmächtige Gott hat sie heimgerufen in das Reich seiner Liebe.


Ein Geschenk für die Armen und für die Kamillianer

Sr. Hilde war ein Gottesgeschenk für ihre Eltern und für die Familie, sie war ein Geschenk für die Kamillianer und ein Geschenk für die Armen und Kranken, denen sie zu jeder Zeit ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte.

Mathilde Weidinger wurde am 29. Mai 1938 in Wolfern als viertes von sechs Kindern geboren. Ihre Kindheit und Pflichtschulzeit verbrachte sie in Losensteinleiten. Nach Abschluss der Hauswirtschaftsschule in Altmünster ging sie in die Schweiz, um in Zürich-Schlieren als Hauswirtschafterin zu arbeiten. Einige Jahre später fasste sie den Entschluss, eine Ausbildung zur Operationsschwester anzutreten und übersiedelte daher zum Erlernen der französischen Sprache nach Genf. Nach elf Jahren in der Schweiz kehrte sie nach Österreich zurück und arbeitete zunächst im Linzer Kinderspital und danach als OP-Schwester im Spital der Barmherzigen Brüder. Stets stand Hilde Menschen bei, die ihre Hilfe brauchten. 1974 trat sie dem österreichischen Säkularinstitut „Dienerinnen Christi des Königs – Ancillae Christi Regis“ (kurz auch ACR genannt) bei.

Als Mitglied des Säkularinstitutes gründete sie später auch eine Gemeinschaft der ACR-Schwestern in Ungarn.

Nach ihrer Pensionierung wurde sie vom Orden der Kamillianer ersucht, Pater Dr. Anton Gots, der nach einem Verkehrsunfall Hilfe benötigte, zu betreuen und in seinem Werk zu unterstützen. Diesen Dienst erfüllte sie mit Hingabe und in großer Treue. Mit P. Gots ging sie 1995 nach Nyíregyháza in Ost-Ungarn. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wurden schlussendlich 16 Jahre, in denen sie sich beinahe rund um die Uhr um notleidende Menschen gekümmert hat.


Dienst mit großer Hingabe und Treue

P. Gots und Sr. Hilde bauten mit vielen Helferinnen und Helfern ein mehr als beachtliches Hilfswerk für die Armen in Ungarn und den benachbarten Ländern auf. Nahezu wöchentlich erreichten große Transporte das Kloster in Nyíregyháza, die die in Österreich gesammelten Hilfsgüter aller Art lieferten. Viele, viele freiwillige Helferinnen und Helfer aus verschiedenen Pfarren in Oberösterreich und Niederösterreich sowie Mitglieder der Kamillianischen Familien aus der Heimat haben das Hilfswerk unterstützt.

Diese unzähligen Warenlieferungen mit Tonnen von Hilfsgütern aus Österreich wurden vor der Verteilung im Kloster gelagert. Sr. Hilde hat die Lagerung und Verteilung der Hilfsgüter mit einem enormen Arbeitsaufwand und Arbeitseifer beaufsichtigt, organisiert und tatkräftigt mitgeholfen.

P. Gots war für diese große Hilfe bei der umfangreichen Sozialarbeit des Klosters Nyíregyháza sehr dankbar und bezeichnete Sr. Hilde als „Mutter der Armen“. Sie versorgte viele Hilfesuchende, die an der Klosterpforte anklopften, mit Hilfsgütern aus Österreich und verteilte bei der wöchentlichen Brotausgabe jeweils rund 180 Kilo Brot und Gebäck an die Armen, die sich in Scharen vor dem Kloster einfanden.

Dank der Kamillianer an Sr. Hilde

Die Kamillianer sind Sr. Hilde zu großem Dank verpflichtet. Ohne ihre Mithilfe wäre diese Sozialarbeit nicht möglich gewesen. Im September 2010 kehrte sie nach Österreich zurück, da P. Gots mehr Pflege benötigte, und zog ins Assista Dorf Altenhof, wo sie noch einige Jahre mitgearbeitet und sich vor allem mit großer Fürsorge um P. Gots gekümmert hat und ihn bis zu dessen Tod im November 2014 gepflegt hat.

Im Jahr 2015 wurde Sr. Hilde von ihrer Schwester Brigitte nach Hause nach Losensteinleiten geholt und von ihr liebevoll bis zu ihrem Tod gepflegt.

In lieber Erinnerung bleibt der Familie besonders ihr liebevolles Wesen, ihr Lachen, das gemeinsame Spaghetti-Kochen und das Basteln mit ihren Nichten und Neffen. Und sicher noch vieles mehr. Am 6. Juli 2022 hat der Herr sie in die ewige Herrlichkeit geholt. Gott möge ihr all das Gute, das sie für andere Menschen getan hat, reichlich lohnen.


Auf Gott gegründetes Leben als Vollendung

„Trauert nicht wie die anderen, die keine Hoffnung haben“. Das Leben und Sterben von Mathilde Weidinger hat eine Botschaft für uns, die wir hören sollten, die uns auf den rechten Weg halten will und die uns helfen kann, diese Botschaft auch zu verstehen: Und diese Botschaft lautet: ein auf den Glauben an Gott gegründetes Leben lässt ein Leben gelingen und lässt das Sterben zur Vollendung werden. Amen

Erna Mair erinnert sich an Mathilde Weidinger:

„Sie war die erste, die aufgestanden ist und die letzte, die zu Bett gegangen ist, oft erst um Mitternacht. Wenn ein Transport in der Nacht angekommen ist, dann hat sie darauf bestanden, dass die Ankommenden das Zimmer beziehen und nicht in der LKW-Kabine schlafen, egal ob es 2 oder 3 Uhr früh war. Ja sie hat sogar noch nachts Essen auf den Tisch gestellt. Für mich war das immer unglaublich, mit wie wenig Schlaf sie ausgekommen ist und was sie alles körperlich geschafft hat.

Sie war sehr gewissenhaft bei ihrer Arbeit. Sie konnte auch liebevoll bestimmt sein. Aber immer war sie von der Liebe durchdrungen und herzlich. Ihre Kraft hat sie aus der Beziehung zur Eucharistie und aus dem Gebet geschöpft. Trotz schier unbewältigbarer Arbeit hat sie nie eine Gebetszeit ausgelassen. Das Gebet war ihre Kraftquelle und ihre Erholung. Nach dem Rosenkranzgebet konnte sie wieder erfrischt an die Arbeit gehen.

In den letzten Jahren wurde sie von ihrer Schwester Brigitte liebevoll betreut. Bei meinen gelegentlichen Besuchen hat sie immer einen Frieden und eine Liebe ausgestrahlt, so wie ich sie immer in Ungarn erlebt habe. Das war ihr Wesen.

Ich wünsche dir, liebe Hilde, die ewige Freude beim Christkönig, dem Du in der Gemeinschaft der Christkönigsschwestern gedient hast. Ich bin überzeugt, dass du für uns schon eine Fürsprecherin bist. Ich freu mich auf ein Wiedersehen mit dir.“


zur Themenübersicht ]  - zurück -  [ Aktuelles ] [ Neues auf den Seiten ] [ zur Seitenübersicht ]

  © Kamillianer 2022Stand 22.09.2022