Kamillianer

zur Themenübersicht ] - Ukraine - 'Kamillus Heute' Juni 2022


Krankenbesuch

Ukraine: Kamillianische Gemeinschaften helfen Kranken und Flüchtlingen

Ein Gemeinschaftsprojekt von P. Alfréd György (Orden der Kamillianer), der Caritas Ungarn und Ukraine und den Kamillianischen Familien der Länder Ukraine, Ungarn, Rumänien und Österreich

Der Krieg in der Ukraine – eine neue Herausforderung

Die Menschheit leidet unter dem Krieg in der Ukraine und die Verletzlichkeit des Lebens wird spürbar. Das Geschehen ist von uns nicht weit weg. Der Krieg ist ganz in der Nähe. Hass, Neid und verschiedene Interessen bringen Not in die Kirche und die Welt. Flüchtlinge werden in Europa aufgenommen, und die Menschen sind alle von Herzen bereit, sich dieser Notleidenden anzunehmen.


Pater Alfréd

Aber:
Was passiert mit den Leuten, die nicht weglaufen können, weil sie zu alt oder zu krank sind?
Was ist mit jenen, die nicht flüchten können, weil sie durch die Krankheit an das Krankenbett oder an den Rollstuhl gebunden sind?
Oder was passiert mit den alten und gebrechlichen Leuten?
Diese Menschen brauchen auch eine Hilfe. Sie brauchen auch eine Gegenwart, eine Präsenz.

Es geht nicht nur um materielle Hilfsgüter wie Grundnahrungsmittel. Es geht auch um seelische Nahrung, um meine Präsenz“, ist P. Alfréd György überzeugt.
Er war im März 2022 zweimal in der Ukraine, um den Kranken und Geflüchteten Trost und Hoffnung zu spenden. Vor allem in der Umgebung von Munkács, Ungvar und Nagyszöllös und anderen Städten von Transkarpatien besuchte er Kranke und verteilte Hilfsgüter.


Hilfstransport

Hilfe für die Notleidenden

Bei seinem Dienst wurde P. Alfréd von der Caritas und den Kamillianischen Familien unterstützt. Mit Spendengeldern aus Österreich und Ungarn wurden Lebensmittel und Windeln für Erwachsene gekauft.
Diese sind in der Ukraine neben vielen anderen Dingen nicht mehr erhältlich. Die Preise der in den Geschäften noch vorhandenen Güter sind doppelt so hoch. Die Menschen können sich das nicht mehr leisten.
Es war mir wichtig, persönlich dort zu sein und einfach zuzuhören, zu beten. Die materielle Hilfe haben wir ganz persönlich übergeben, damit man sicher weiß, dass diese Personen das bekommen und die Dinge nicht in einem Lager Tage und Monate auf eine Aufteilung warten“, erzählt P. Alfréd.


Warenübergabe

„Ich kann vor den Bomben nicht weglaufen!“

Es gibt auch traurige Geschichten und Begegnungen in verschiedenen Ortschaften, wo die Kranken nicht vor den Bomben weglaufen können. Manche wollen einfach beichten und beten. Es gibt behinderte Menschen, die allein und verlassen sind, weil der Mann, der die einzige Unterstützung in der Familie und im Alltag mit dem Rollstuhl ist, durch den Militärdienst weggenommen wurde. Die Leute verlieren alles. Aber die Hoffnung bleibt und das Gebet unterstützt sie“, erzählt P. Alfréd weiter.


P. Alfréd György mit Bischof Miklos und Mitgliedern der Kamillianischen Familie Munkács

Auch der Bischof von Munkács leidet

Ich bin im Krieg so ohnmächtig, wenn ich zusehen muss, wie unschuldige Menschen sterben, wie Familien auseinandergerissen werden, wie die Frauen und Mütter mit den Kindern fliehen müssen und ihre Männer müssen im Krieg bleiben“, so Bischof Miklos. Auch er braucht menschliche Gegenwart, einen Anruf und jemanden, der ihn mitträgt.

Die Ängste und Traurigkeit mittragen

Die Menschen fragen nicht mehr, wie es dem anderen geht. Sie sind zu schwach um die Ängste oder die Traurigkeit des Krieges zu ertragen. „Deswegen ist es auch sehr wichtig, dass wir mit ihnen sind, dass wir zuhören, dass wir mittragen können“, betont P. Alfréd. Er hörte ihnen zu, wie sie über ihre Ängste und Nöte sprachen.
Er betete mit den Kranken und spendete das Sakrament der Beichte und die Kommunion. Allein in Munkács waren es 15 bettlägerige Menschen.


P. Alfréd im Gespräch

Eine Art des Mittragens ist das Gebet

Wenn wir das Leiden von Menschen ertragen wollen, dann ist uns das Gebet eine Hilfe dabei. P. Alfréd bittet uns: „Deswegen ruf ich auf, ein ganz persönliches Gebet für die Familien und die Kranken, die dort geblieben sind, zu sprechen.“
Wichtig ist, dass wir täglich an eine bestimmte Familie oder Person denken und dies auch zum Ausdruck bringen. Ein tägliches Gebet kann ein Vater unser, ein Gegrüßet seist du Maria, ein Rosenkranzgebet, Maria Hilf oder Jesus ich vertraue auf dich sein. Wer für eine Familie oder Person beten möchte, wird aufgeschrieben und die Gebetszusage wird persönlich überbracht, um den Menschen dort Mut zu geben. Das Gebet kann für einige Monate, ein Jahr oder bis zum Ende des Krieges sein. So entsteht eine geistige Verbundenheit mit diesen Menschen. Ungefähr hundert Menschen beten schon für jene, die in den Kriegsgebieten geblieben sind oder für die, die aus der Heimat fliehen mussten, weil die eigene Wohnung bombardiert wurde.

Eine Brücke vom Krieg zum Frieden

Wenn die Menschen in der Ukraine ein Gebet bekommen, gibt das viel Kraft und Mut. Jede Person, die ein Gebet bekam, sagte: „Ich bete auch für diese Familie, die für mich betet.“
P. Alfréd hat ein schönes Bild: „Hier wird eine Brücke aufgebaut, eine Brücke des Gebetes von zwei Seiten, von der Seite des Krieges und von der Seite des Friedens. Und so können wir diesen Frieden schaffen. Man kann alles bombardieren. Man kann Nationen und Länder vernichten, aber das Reich Gottes, das in uns durch das Gebet geworden ist, kann nicht vernichtet und nicht bombardiert werden. Von einer Person an eine Person, von Seele zu Seele können wir uns im Himmel durch das Gebet treffen.“ Und weiter erzählt er: „Eine Frau, der ich begegnet bin, hatte eine sehr interessante Erscheinung. Sie sah die Muttergottes in schwarzer Kleidung mit Sternen, eine leidende Mutter, die um ihre eigenen Kinder trauert. Sowohl die Russen als auch die Ukrainer sind Kinder Gottes und Kinder Mariens. Beide Völker sind tiefe Marienverehrer. Trotzdem sterben viele durch Krieg und Bomben. Die Muttergottes leidet mit uns, weint mit uns. Durch unser Gebet können wir helfen, diesen Frieden im Herzen wieder herzustellen. Die Muttergottes hilft uns, diesen Frieden zu bekommen.“

Dem leidenden Christus die Hand reichen

Wir sind als kamillianische Gemeinschaft und als Kirche da. Und wir können sagen: Ich bin mit dir. In den leidenden Augen der Kinder und Mütter und der Kranken habe ich erlebt, dass es Jesus selbst ist, der da leidet. Der leidende Christus ist in der leidenden Menschheit gegenwärtig. Wir sollen dem leidenden Christus einfach die Hand reichen, bei ihm sein, in der Nähe sein. Das ist unsere Aufgabe. Das ist unsere Berufung: Christus zu sehen, zu erleben, zu erfahren und auch Christus zu sein. Eine Berufung, die Hoffnung schenken, Zuversicht geben kann.
Christus, der in uns lebt, kann durch Begegnung innere Heilung schenken
.“

P. Alfréd György


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