Kamillianer

zur Themenübersicht ] - Die „Blindenfreizeiten Pater Lutz“ - 'Kamillus Heute' März 2022


P. Wilfried Lutz, wie ihn viele in Erinnerung haben: fröhlich und gut gelaunt. Foto: privat

Gemeinsam Grenzen überwinden
Die „Blindenfreizeiten Pater Lutz“

Respekt und Sympathie für einen Geistlichen und sein Herzensprojekt schwingen unüberhörbar mit, wenn Christl Raggl von P. Wilfried Lutz erzählt: „Empathisch war er. Zudem weitsichtig, weltoffen und fröhlich. Er war bekannt für seinen unerschütterlichen Humor, sein Markenzeichen war sein ,Jodler‘. Und sich der Anliegen von Blinden, Sehbehinderten und Taubblinden anzunehmen, war ihm enorm wichtig.“ Lange habe der in Tirol geborene Kamillianerpater in der Diözese Linz gearbeitet und sei dort auch Gründer des Blindenapostolates gewesen. „Er hat dort die verschiedensten Angebote für sehbehinderte und blinde Menschen entwickelt. Alles in eine Zeit hinein, in der blinde, sehbehinderte und taubblinde Menschen hauptsächlich zu Hause gesessen sind. Es gab für sie einfach kaum Freizeitangebote. P. Lutz wollte diesen Menschen eine Möglichkeit geben, auch einmal ,rauszukommen‘.“ Das Lebensmotto des Kamillianerpaters sei sein Leben lang gewesen, seine eigene Freude in der Freude des anderen zu finden.


Blinde und Sehende gemeinsam: Das Programmheft der Blindenfreizeiten bietet eine Fülle von Begegnungen und gemeinschaftlichen Reisen an.

Urlaub für alle

1971 schließlich entwickelt er zusätzlich zu allen anderen Angeboten des Blindenapostolates auch noch die „Blindenfreizeiten“ – gemeinsame Urlaubswochen von Blinden, Sehbehinderten und Sehenden. Und begeistert unter anderem auch Christl Raggl und ihre Familie davon. Nach und nach kamen immer mehr dazu und im Laufe der Jahre übernahmen Begeisterte auch die Verantwortung für eigene Veranstaltungen. Unzählige Male begleiteten auch Christl Raggl und ihre Familie die Blindenfreizeiten. Bis heute koordiniert sie die Aktivitäten. „Das Konzept dieser Urlaubswochen war von Anfang an ganz klar und hat sich auch nicht geändert“, erzählt Christl Raggl heute, knapp nachdem die „Blindenfreizeiten“ ihren 50. Geburtstag gefeiert haben: „Es sollte Urlaub für alle sein, alle sollten Freude haben, und alle sollten sich erholen können. Wir Sehenden waren und sind damit keine Betreuerinnen und Betreuer im eigentlichen Sinn, aber durch uns hatten und haben die blinden und sehbehinderten Menschen Möglichkeiten, die sie ohne uns nicht hätten. Es war ein Geben und Nehmen. Immer! Und umgekehrt erfahren wir von den Blinden und Sehbehinderten Dinge, die wir ohne sie nicht erfahren würden. Und ich für mich kann auch sagen: Ich habe anders sehen gelernt, z. B. durch das Ertasten der Blumen, der Felsen, das Beschreiben der Umgebung, das Lauschen auf den Wasserfall, die Vögel, das Pfeifen der Murmeltiere, das Läuten der Glocken. Nicht zuletzt hatten alle dabei immer einen unheimlichen Spaß, es war und ist immer eine tolle Gemeinschaft. Die ,Blindenfreizeiten‘ sind einfach etwas Besonderes.“ Bis heute stehe bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Freizeiten nicht die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern das Gemeinschafts- und Naturerlebnis. „Von anfangs einer Bergwanderwoche sind wir inzwischen auch zum Langlaufen, Schwimmen und Tandemfahren unterwegs. Meistens acht Wochen im Jahr.“ Ganz wichtig ist bei den „Blindenfreizeiten“ natürlich das gegenseitige Vertrauen – der Blinde muss dem Sehenden vertrauen und umgekehrt. 2008 verstarb P. Wilfried Lutz. Die „Blindenfreizeiten“ werden aber in seinem Namen als Privatinitiative weitergeführt.

Nähere Infos: raggl@aon.at oder 05412/63166. ➷ www.blindenfreizeiten.de

Text: Andrea Harringer. Gekürzt aus: Der SONNTAG 2/2022





Pauter Lutz †

zur Themenübersicht ]  - zurück -  [ Aktuelles ] [ Neues auf den Seiten ] [ Das Blindenapostolat Österreich ]

  © Kamillianer 2022Stand 20.03.2022