Kamillianer

zur Themenübersicht ] - 40 J. Kamillianische Familie Südtirol - 'Kamillus Heute' Dez. 2021


Ein engagiertes Team: P. Matthias Hierlinger (links), P. Paul Haschek und Mariedl Fischnaller.
Foto: Kamillianische Familie Südtirol

40 Jahre Kamillianische Familie Südtirol
Ein Bericht von Franz Platter

Nach einer Begegnung zwischen Mariedl Fischnaller und P. Paul Haschek 1980 suchte Mariedl eine Gelegenheit, das Modell Kamillianische Familie in Südtirol umzusetzen. Diese Gelegenheit bot sich 1981. Da wurde ein „Internationales Jahr der Behinderten“ ausgerufen, das Mariedl zum Anlass nahm, Kontakt auch mit Körperbehinderten aufzunehmen. Das Blindenzentrum, ganz neu eröffnet, bot dazu den idealen Rahmen, weil es damals schon mit dem Rollstuhl gut erreichbar war. Mariedl organisierte schon bald darauf eine Wallfahrt nach Maria Weißenstein, an der sehr viele Blinde, Körperbehinderte und deren Begleiter teilnahmen, und sie wurde dadurch ermutigt, weitere Treffen zu organisieren. Im Buch „Kamillus lebt“ von P. Paul Haschek liest man: Am 25. Juni 1981 werden in einem Rundschreiben alle Bekannten von Mariedl informiert und für einen Einkehrtag zusammen mit Blinden und Körperbehinderten eingeladen. Am 8. Juli 1981 hält P. Paul Haschek einen Einkehrtag im Blindenzentrum in Bozen. 15 Interessenten nehmen daran teil. Diese kleine Gruppe wird über Sinn, Ziel und Organisation der Kamillianischen Familie informiert, begeistert sich für dieses Apostolat und bittet den Redner, sie systematisch einzuführen und zu begleiten.

Diesen 8. Juli 1981 können wir wohl als unseren Gründungstag bezeichnen, denn es gibt keine offizielle Gründung unserer Kamillianischen Familie, da wir in das Blindenapostolat Südtirol eingebettet sind und das hat es schon viel früher gegeben.

Die Einkehrtage

Die Vorsehung wollte es, dass P. Haschek damals Provinzial der Kamillianer in Österreich wurde und er sich die Zeit einteilen konnte, zu Einkehrtagen und später zu Seminaren nach Bozen zu kommen. Er nahm immer wieder Bekannte mit und so entstand ein wertvoller Kontakt zu Blinden, Körperbehinderten und Mitgliedern der österreichischen Kamillianischen Familien, die etwa zur gleichen Zeit von P. Anton Gots gegründet wurden.

Mariedl schickte öfters eine Einladung an die Arbeitsgemeinschaft für Behinderte und da rief der Vorsitzende Leo Schweitzer mich an und meinte: „Franz, da musst du hin, das glaube ich ist etwas Religiöses.“ Das war mein Einstieg in die kommenden 40 Jahre. Wie im Buch nachzulesen, fand im November ein weiteres Treffen statt und die Zwischenzeit nutzten wir, Mariedl im Blindenapostolat und ich in der Arbeitsgemeinschaft für Behinderte, unsere religiös interessierten Mitglieder und Bekannten einzuladen. Mariedl mit ihrem „sanften Druck“ mit mehr Erfolg.

So entstanden die ungefähr zweimonatlichen Treffen, natürlich damals wie auch heute nicht immer möglich. P. Haschek machte uns bei diesen Einkehrtagen ausführlich mit Leben und Spiritualität des hl. Kamillus vertraut. Auf persönliches Gebet legte er großen Wert, für uns war das eine ganz neue Art des Betens. Des Weiteren hatten wir Gelegenheit, verschiedene Kamillianer aus Österreich und Italien kennen zu lernen, darunter auch die Generaloberen Brusco und Monks, die eigens aus Rom zu uns kamen. Nach der Erkrankung von P. Haschek blieben wir mehrere Jahre ohne geistlichen Assistenten und so mussten zu den Einkehrtagen verschiedene Referenten gesucht werden; kein leichtes Unterfangen und doch spannend. P. Paul Haschek starb nach langer Krankheit im November 2011. Die letzten Jahre verbrachte er in der Pflegestation im Blindenzentrum und nahm, wenn möglich, an unseren Treffen teil. Mariedl suchte verzweifelt nach Referenten und wieder war es ihre Hartnäckigkeit, die zum Erfolg führte. So haben wir seit 2013 in Prof. Hansjörg Rigger einen kompetenten Bibelwissenschaftler für unsere Einkehrtage, er versteht es hervorragend, Bibeltexte mit der Spiritualität des hl. Kamillus in Verbindung zu bringen.

Die Seminare

Im Februar 1983 begannen wir mit dem ersten Seminar im Hotel Weinegg in Girlan. Eine bunte Gruppe von Blinden, Körperbehinderten und deren Begleiter aus dem In- und Ausland, an die 40 Interessierte, meldete sich. Das ermutigte uns, jedes Jahr ein 4-tägiges Seminar anzubieten, die an verschiedenen Orten stattfanden, vor allem in der Lichtenburg. Bis etwa im Jahr 2000 unter der Leitung von P. Paul Haschek. Später mussten, wie zu den Einkehrtagen, verschiedene Referenten gefunden werden. Diese Seminare trugen nicht nur zur religiösen Weiterbildung bei, sondern führten auch zu wertvollen Freundschaften im gesamten deutschen Sprachraum. Seit dem Jahr 2013 finden sie unter der Leitung von Prof. Hansjörg Rigger statt. Nur Corona konnte letztes Jahr und heuer diese lange Serie von Seminaren unterbrechen. Unvergesslich bleibt das Seminar vom Mai 2014. Dieser 10. Mai sollte der Höhepunkt des Kamillus Gedächtnisjahres werden. Damals ein Schock für alle, als beim Morgenlob von Hansjörg die Nachricht kam: Mariedl liegt tot im Bett. Im Nachhinein betrachtet hatte sie doch alle ihre Lieben um sich geschart: Kamillianische Schwestern, Vertreter des Blindenapostolats aus dem In- und Ausland, uns als Kamillianische Familie. Ihre Fürsprache bei Gott begleitet uns sicher heute noch, denn ihr Bruder Nikolaus Fischnaller hat mit einem kleinen Team die Kamillianische Familie lückenlos weitergeführt.

Die Pilgerfahrten

Zum Programm unserer Kamillianischen Familie gehörten auch die jährlichen ausgedehnten Pilgerfahrten. 1986 wandelten wir auf den Spuren des hl. Kamillus über Assisi nach Rom und Bucchianico. Weitere Wallfahrten waren: Medjugorje, Griechenland, Frankreich, Polen, Slowenien, in die Schweiz und sogar bis Russland. Ein Höhepunkt war wohl 1994 die Pilgerreise nach Israel zum Thema: „Auf den Spuren Jesu ins Hl. Land“.


Eine gut gelaunte Gruppe auf Pilgerfahrt nach Rom. Foto: Kamillianische Familie Südtirol


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