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Geistliche Impulse

Inhalt:

„… aber der Arbeiter sind wenige“
Abschied nehmen
Angst vor Hilflosigkeit
„Arm, um euch reich zu machen”
„Das Kreuz steht, während der Erdkreis sich dreht”
Ein Herz für andere
Ein Herz für Christus in den Kranken
Einst und heute
„Erschienen ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“
„Gib mir zu trinken!“
Gott lieben?
Der Heilige Geist und seine Gaben im Dienst an den Kranken.
Heilt die Kranken …
In Gottes ärztlicher Sprechstunde    ««   ««   «« neu
„Ja zum Kreuz“
„Jesus, ich liebe dich!“
Keine Berührungsängste!
Meditation b. Begräbnis v. P. M.Th. Kummer (v. P. Dorner)
Nicht vertrösten, sondern trösten
Blindenapostolat Bischof Dr. Wilhelm Egger (†)
Tod Christi am Kreuz
Unheilbar krank?
Viele Wohnungen …
Von Krankenbett und Krippe
Wie dem Kranken helfen?
Wiege und Kreuz
 


Der hl. Kamillus empfiehlt die kranken und alten Menschen aus dem
Pflegeheim in Wien-Lainz dem Schutz der Gottesmutter.
Rechts der Kirchenpatron Karl Borromäus
(Gemälde von Maria Schöffmann aus dem Jahr 1924 im Kamillianerkloster Lainz).

In Gottes ärztlicher Sprechstunde

Meditation von † P. Anton Gots

Wie sehen Gottes Therapien für unsere Heilung aus? Wie und womit hilft er uns, wenn wir in leiblicher oder seelischer Not zu ihm kommen?

Seine Hilfen, die allesamt zu unserer Heilung führen können, sind sehr vielfältig und leicht zu bekommen. Wenn wir sie im Folgenden in Erinnerung rufen, dann wollen wir damit ermuntern, dieselben gegebenenfalls für uns selber und für unsere kranken Mitmenschen von Gott abzuholen.

— Gott hilft uns durch die Güter der Natur und durch die menschliche Gemeinschaft. Was Gott uns durch die Pflanzen- und Tierwelt gibt, durch die Medizin und die übrigen sozialen Wissenschaften, das ist seine Hilfe zum Leben und Überleben und zum Gesundwerden, wenn wir krank sind.

— Gott hilft uns durch unsere Mitmenschen, sei es durch Einzelne, sei es in gesellschaftlichen Formen. Wir bitten, dass die uns umgebende Gesellschaft eine heilende und liebende Gemeinschaft sei.

— Gott hilft uns durch die Gemeinschaft der Kirche. Sie ist der von Gott bestellte Anwalt in unserem Leid. Schon im ältesten Brief des Neuen Testamentes, im 1. Thessalonicherbrief, steht der lapidare Satz: „Nehmt euch der Schwachen und Kranken an.“ In den so genannten „Aussendungsbefehlen“ des Herrn finden wir neben dem Auftrag der Verkündigung des Heiles im Wort den Auftrag der Heilung der Kranken. Ja, Jesus selbst ist das Urbild des „göttlichen Arztes“. Zahlreich sind die Belegstellen, die ihn im Einsatz für die Kranken zeigen. Er hat seine Sorge für die Kranken seiner Kirche übertragen. Er hat sie für diesen Dienst an den Kranken auch ausgerüstet.

Seine Therapien werden im konkreten Dienst der Kirche greifbar und abrufbar. Stichwortartig seien sie im Folgenden aufgeführt:

Das Gebet, der Gebetsdienst der Kirche, ist gerade in unserer Zeit sehr signifikant. Jesus hat der Kirche ein eigenes, heiliges Sakrament für die Heilung der Kranken übergeben, die Krankensalbung. Er ist dabei der eigentliche Spender. Er richtet in diesem Sakrament den Kranken seelisch und auch körperlich auf, bringt ihn in den Zustand der Sündelosigkeit und tieferen Einheit mit Gott. Auch die hl. Eucharistie und die Beichte sind ein eminenter Beitrag Gottes zu unserer Heilung. In jeder Messe sind wir in der „Sprechstunde Gottes“. Bei jeder hl. Kommunion empfangen wir Jesus selbst, das stärkste „Medicamentum“, das Heilmittel Gottes. In jeder hl. Messe wird unser Leid und Kreuz in den Opfertod des Herrn hinein genommen und erhält seine tiefste Sinngebung.

Und die hl. Beichte, das Sakrament der Versöhnung mit Gott, mit unserer Mitwelt und mit uns selbst? Gott allein weiß, wie viel Segen, Heil und Heilung von diesem Gnadenmittel schon ausgegangen ist in das Leben des Einzelnen, seiner Familie, in die gesamte Umwelt!

Noch einmal: Wir sind eingeladen, diese „Therapien Gottes“ für unsere Heilung für uns selbst aufzugreifen. Wir sind dazu auch berufen, diese Heilmittel zu vermitteln.

„Einen Arzt gibt es, Jesus Christus, unseren Herrn“
Ignatius von Antiochien († ca. 117)

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„Stat Crux, dum volvitur Orbis —
Das Kreuz steht, während der Erdkreis sich dreht“

Im letzten Halbjahr hat sich buchstäblich der „Erdkreis“ unseres religiös-kirchlichen Lebens „gedreht“:
— Ein Papst tritt von seinem Hirtenamt zurück.
— Ein neuer Hirte übernimmt Amt und Hirtenstab in der Kirche.
— Die Ordensleitung (der Kamillianer) vollzieht eine Wende, nicht nur durch Änderung des Führungsstabs beim Generalkapitel.
— Am Horizont scheint eine neue Rechtsstruktur der österreichischen Ordensfamilie auf — vom hergebrachten Provinzschema weg hin zu einer anderen Form der juridischen Gestalt unserer Gemeinschaft.

Vieles in der Kirche „dreht sich“, von der Weltkirche angefangen bis hin zu dem „Ort“, wo wir konkret leben. Altes und Liebgewonnenes wird verdrängt oder fällt gänzlich aus, Neues kommt in Sicht. Zu fragen: „War denn das Bisherige nicht gut genug oder mangelhaft“, oder: „Kommt denn Besseres nach?“, hat keinen Sinn. Vielmehr kommt es auf die große Sicht an, das Leben so zu nehmen, wie es ist, das Positive zu sehen und mit Gelassenheit, Mut und Gottvertrauen in die Zukunft zu schauen.

Fruchtbarer ist der Blick auf das, was „stehen bleibt“: die bleibenden Werte, die Fundamente unseres Glaubens. In unserem Leitgedanken „Das Kreuz steht“ ist für Christen der Anker angezeigt, an dem wir uns festmachen können – und müssen. In Jesu Kreuz und Auferstehung ist uns die Gewissheit gegeben, dass alles Bisherige in Gott für ewig hinterlegt und die Hoffnung auf alles Kommende garantiert ist.

Diese Treue zum Kreuz des Herrn ist einerseits Quelle der Kraft im Alltag, andererseits die sichere Gewissheit, dass wir noch dieselben sind, d. h. in der Nachfolge Jesu stehen. Unser Blick in die Zukunft soll deshalb ein Festhalten am Kreuz des Herrn sein, in dem unsere Auferstehung garantiert ist. Alles Übrige soll sich ruhig „weiterdrehen“. Wir glauben, dass es zum Guten und Besten für die Kirche, für die Ordensfamilie — und auch für uns persönlich sein wird.   g

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„Ja zum Kreuz“

Den Hintergrund zu den Ausführungen des Buches „Ja zum Kreuz“ bildet der Alltag in der Krankheit - einer lebensbedrohenden Krankheit, die den Autor durch viele Monate betroffen hatte.

Man kommt aus einer Krankheit nie wieder so heraus, wie man in sie hineingegangen ist. Sie hinterlässt ihre Spuren und Prägungen für das ganze Leben.

Die erste Konfrontation mit dem eigenen Kreuz ist wohl immer von innerem Aufruhr, von Abwehr, von Flucht und Nicht-Wahrhabenwollen gekennzeichnet. Erst allmählich wird man Schritt für Schritt und durch die harten Tatsachen des Unabwendbaren und Unaufschiebbaren eingeführt in die Gedanken und Pläne, die Gott mit einem vorhat.

Was mich sehr bald erregt, ist die Entdeckung, dass sich mein Leben von dem der anderen fortbewegt, ein eigenes Geleise anläuft und sich sein Eigensein anbahnt. Das festzustellen, fällt nicht leicht. Es führt in die Einsamkeit mit sich selbst; es ist ein Teilvorgang dessen, was wir Selbstwerdung des Menschen nennen - und die ist in ihrem Verlauf immer schmerzhaft. Sie ist in diesen Tagen zudem noch begleitet von einer plötzlich und unvorbereitet aufgezwungenen absoluten „Untätigkeit“.

Die Schrift führt das Wort an Petrus an: „Ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ Wir scheuen uns, hinzugehen, wohin uns ein anderer führt. Das Stehen in der Masse ist viel bequemer. In der Krankheit aber muss man sich begegnen und sein Eigensein annehmen.

Eine zweite Entdeckung mache ich - und sie ist nicht minder herb und unerbittlich. Es ist die immer deutlicher werdende Einsicht, dass ich nicht unersetzlich bin, dass es auch ohne mich gehen muss - und geht!

Das ist die dritte Entdeckung dieser Wochen des Anfangs: die Anwesenheit Gottes auch auf dieser neuen Bahn meines Daseins.

Auch das Kranksein will gelernt sein. Ich habe das Vertrauen, dass dieses Buch vielen Kranken und Leidgeprüften, aber auch allen, die auf der Suche nach Gott sind, eine Hilfe ist.

(aus: Anton Gots, Ja zum Kreuz)

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„Erschienen ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“

„Fest der Liebe“ wird Weihnachten überall genannt: von Christen und Nichtchristen, von Gläubigen und Nichtgläubigen. So schön diese Umschreibung auch ist, so viel konkrete Liebe und erfreuliches Gutsein denn auch tatsächlich zu Weihnachten in abertausend Formen geschieht, so bedauerlich ist es, dass viele Menschen (und auch Christen!) gar nicht (mehr) wissen, was der eigentliche und historische Grund für diese Kennzeichnung des Festes und die weltweite Welle des Guten und Positiven ist.

Dass vor gut zweitausend Jahren in Bethlehem die Liebe Gottes in der Geburt seines Sohnes JESUS VON NAZARETH sichtbar geworden ist, dass Jesus selbst aus großer Liebe zu uns Mensch geworden ist, das ist der tiefste Grund dafür, dass wir von einem „Fest der Liebe“, nämlich in erster Linie der Liebe Gottes und seines Sohnes zu uns, sprechen dürfen. „Erschienen ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“, heißt es im Titusbrief (3,4). Alles Schenken und Freudemachen, jedes Friedenstiften zu Weihnachten, jede Geste der Versöhnung und jedes Neuanfangen im Guten ist eine natürliche Antwort auf die vorausgehende Liebe Gottes zu uns.

Mit all diesen Reaktionen des Guten dürfen und sollen wir Christen die „Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“ gegenwärtig setzen. Das ist unsere große Herausforderung - und auch unsere Berufung. Wir haben jedes Jahr die Chance, Weihnachten zu einem Dauerereignis werden zu lassen, weil wir diese Liebe Gottes für uns persönlich angenommen und zum eigenen Lebensprogramm gemacht haben. Dann wird uns Weihnachten nicht zum lediglich gefühlsmäßigen Aufputz des sonst un-weihnachtlichen Lebens, das morgen wieder weiterläuft wie bisher, sondern ist eine Erneuerung des Lebens aus der Tiefe und Einheit mit Gott, dem Quell aller Güte und Menschenfreundlichkeit.

Möge uns das „Fest der Liebe“ vor allem in unserem sozialen Einsatz für die Kranken und Leidenden eine Quelle der Kraft und der Freude sein. Ich bete, dass uns dies allen gelingen möge.   g

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„Arm, um euch reich zu machen”
Die Kranken verkünden uns die Frohbotschaft

Für gewöhnlich glaubt man, dass kranke und alte Menschen nur von anderen empfangen können und der christlichen Gemeinde und der Gesellschaft nichts Sinnvolles zu geben im Stande sind. Diese Meinung schiebt alle, die „unproduktiv” sind, an den Rand der Gesellschaft und isoliert sie — eine bittere Konsequenz des Leistungsdenkens unserer modernen Gesellschaft, wo es nur um Profit und Konsum geht.

In Wirklichkeit können kranke und alte Menschen für die Gemeinschaft durchaus einen fruchtbaren und wertvollen Beitrag leisten. Man sieht sie als arm und hilfsbedürftig an, weil sie krank sind und nicht arbeiten können. Aber gerade in ihrem Zustand der Armut und scheinbarer Nutzlosigkeit können sie großartige menschliche und christliche Werte anbieten, verdeutlichen und verbreiten, die einen Reichtum für die soziale und religiöse Gemeinschaft bedeuten. Der hl. Paulus sagt von Jesus: „Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen” (2 Kor 8,9). Dasselbe kann man von den kranken und alten Menschen sagen. Sie machen uns reich durch:

Aus dem Handbuch für die Kamillianische Familie (Kapitel 14 – siehe www.kamillianer.at/kamfam/kfh00.htm).

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Gott lieben?

Warum soll man Gott lieben? Diese Frage hat mir eine junge Frau vorgelegt. Seitdem verfolgt mich diese Frage.

Ohne Zweifel steht in der Bibel das Gebot der Liebe zu Gott an allererster Stelle: Du sollst Jahwe, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen … (Deuteronomium 6,4f.). Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Was sollte uns bewegen, Gott zu lieben? Sicherlich kein Gebot. Liebe ist eine freie Entscheidung.

Hier sind wir, glaube ich, auf der richtigen Spur. Es gibt kein hundertfaches Befehlen der Liebe, sondern ein tausendfaches, täglich neues Anbieten der Liebe. Diese Erkenntnis verdichtet sich im Neuen Testament zu dem Wort: Gott ist die Liebe (Erster Johannesbrief 4,16). Derselbe Johannes sagt: Gott hat uns zuerst geliebt (Erster Johannesbrief 4,19). Und es mag nicht nur ein menschlicher Zug Gottes sein, sondern auch ein göttlicher Zug am Menschen, dass Liebe nicht einseitig bleiben will.

Gerade wer krank ist und an Schmerzen leidet, alt und einsam, fragt mit Recht: Wo ist der mich liebende Gott? Wenn er mich wirklich liebt, dann müsste er doch … Dann rufe ich mir in Erinnerung: Gott, der an Weihnachten Mensch geworden ist, unser Bruder, er ist da, er leidet mit uns, geht mit uns den Kreuzweg. Seine Liebe ist nicht allmächtig, sondern sie erträgt alles (Erster Korintherbrief 13,17) …

Liebe kann man nicht kaufen, man kann sie nicht befehlen und nicht beweisen, es sei denn durch Zuneigung und Nähe.

Wie nennen die alten Israeliten ihren Gott, der auch der Gott Jesu und unser aller Gott ist? Jahwe, der Ich-bin-da (vgl. Exodus 3). Er ist da bei seinem Volk in der Wüste und im Land, das von Milch und Honig fließt, er zieht mit ihm durch alle Höhen und Tiefen. Er ist da bei Jesus als liebender Vater; er ist da, wenn Jesus vor seinem Sterben am Kreuz betet: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Psalm 22).

Die Auferweckung Jesu als größtes Zeichen der Liebe Gottes ist für uns sterbliche Menschen ein Zeichen der Liebe! Und „wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt” (Erste Johannesbrief 4,16).

Pater Martin Th. Kummer(†)

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Wiege und Kreuz

Wiege und Kreuz gehören untrennbar zusammen. So wollen wir im heurigen Jahr der Familie die Wiege im Schatten des Kreuzes betrachten. Denn Licht und Kreuz gehören zusammen.

Wir brauchen schon in der Kindheit starke Glaubenserfahrungen, um im späteren Leben Kreuze ertragen zu können.

Die Familiensituation hat sich total verändert. Es gibt heute fast keine Großfamilien mehr, in denen Erfahrungen von Geburt, schwerer Krankheit und Tod möglich sind. Alle diese Lebenssituationen werden in Krankenhäuser und Altenheime ausgelagert. Die Gefühle bei Geburt und Tod werden in Einsamkeit durchlebt und nicht in einer Familie.

Die Menschwerdung Jesu Christi geht bis ans Kreuz. Karfreitag - Karsamstag - Ostersonntag, Auferstehung. Seine letzte Stunde ist geprägt von der menschlichen Sorge um seine Mutter. Über alle physischen und seelischen Leiden hat Jesus seine Beziehung zu seiner Mutter gestellt.

„Beim Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala” (Joh 19,25). Die so genannten Starken, die Männer, halten nicht aus, was die schwachen Frauen aushalten. Sie bringen und sichern das Leben und bewahren es. Betrachten wir die letzte Beziehungsgeschichte Jesu mit seiner Mutter, so dürfen wir im Lichte des Kreuzes schwach sein. Die Stärke kommt allein von Gott …

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich” (Joh 19,26-27). In der Todesstunde suchen wir, welchem von unseren Angehörigen wir uns anvertrauen können. „Frau, siehe, dein Sohn!” Der hl. Kamillus hat uns gelehrt, die Kranken so anzuschauen wie eine liebende Mutter ihr Kind. - Jeder verlassene Sohn, jede verlassene Tochter gehört zu dir, Gott. Wir wollen ihn dir anvertrauen und ihn ganz in unseren Lebensraum aufnehmen.

Pater Alfréd György

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Ein Herz für Christus in den Kranken

„Von ganzem Herzen …, Herzlich willkommen …, Herzensgut …“ Fast schon selbstverständlich ist für uns die Symbolik des Herzens als Ausdruck der Liebe. Aber Liebe ist noch viel mehr. Unsere Beziehungen beruhen nicht nur auf einem Gefühl und einer Sehnsucht, sondern auch auf einer Entscheidung: Ich habe dich in meinem Leben getroffen und darum sage ich Ja zu dir. So trifft sich mein Herz mit deinem.

Gott will mir in der Einfalt und Tiefe meines Herzens begegnen. Aus Barmherzigkeit hat er ja schon längst Ja zu mir gesagt. Er hat sich berühren lassen durch meine tiefe Wahrheit, durch mein Herz.

Auf dem Weg zu Christus und zu unseren Mitmenschen haben wir den hl. Kamillus als Begleiter. Ein kampferprobter Soldat und doch mit einem mütterlichen Herzen. Das Leben hatte ihn geprägt: seine Mutter Kamilla, die Begegnung mit dem barmherzigen Christus. Hinzu kam die Erfahrung eigenen Leids, seine unheilbare Fußwunde. „Legt mehr Herz, mehr Seele in eure Hände!“, ermunterte er immer wieder. In den Leidenden erkannte er das „Antlitz und das Herz Gottes“. Ein Herz, das für alle schlug, besonders aber für die Kranken. „Ich hätte gern hundert Hände, damit ich noch mehr Menschen erreichen kann“, klagte er seinen Mitbrüdern.

Hundert Hände und noch mehr Herzen haben - das liegt bei uns, wenn wir Zeugnis geben wollen von der barmherzigen Liebe Gottes. Dafür brauchen wir auf unserem Glaubensweg lebendige Zeichen, damit dieser Weg zu einem „Herzens-Weg“ wird. Wenn wir die Herz-Reliquie des hl. Kamillus betrachten, gibt uns das Kraft und Zuversicht. Gott schenkt uns auf unserem Lebensweg Menschen, die uns begleiten. Das mütterliche Herz des Kamillus möge wie ein Sonnenstrahl sein, der uns in unserem Dienst wärmt und erleuchtet.

Herz-Reliquiar des hl. Kamillus
Das Herz-Reliquiar des hl. Kamillus in seinem Sterbezimmer in der Maddalena in Rom.

Wir danken dir, Christus, für deinen Diener Kamillus, den du für den Krankendienst ausgewählt hast! Heiliger Kamillus, schenke uns deine Liebe zu den Kranken!

Pater Alfréd György

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„Gib mir zu trinken!“

So bittet die Frau am Jakobsbrunnen Jesus (Johannesevangelium 4,1-26). So wie Jesus auf die Samariterin, eine Ausländerin, zuging, können wir im Geiste des heiligen Kamillus den kranken Menschen begegnen.

Jesus verlässt Judäa und geht nach Galiläa. Er legt einen Weg zurück. - Auch wir müssen uns auf den Weg machen zu den anderen. Ein Stück auf seinem Weg gehen in eine Gegend und einen Kulturkreis, wo ich vielleicht nicht zu Hause bin. Jesus als Mensch geht hinein in eine fremde Gegend. - Wir haben oft verschiedene Vorurteile und Gott ruft uns nach Samarien. Wir fürchten Schwierigkeiten, mit anderen ins Gespräch zu kommen, Widerstände, Aggressionen, Gestank, Ablehnung …

Jesus hat seine Methode. Er setzt sich an den Brunnen. - Bin auch ich fähig, wie Jesus Ruhe zu finden, wo ich Widerstand und Ablehnung fühle?

Der Brunnen ist beim Evangelisten Johannes die Quelle des Lebens. - Kann ich dort meine Ruhe finden? Dort, wo ich fremd bin? - Wir können den Weg nicht zurück gehen. Wir müssen Ruhe finden.

Die Begegnung Jesu mit der Samariterin fand in der sechsten Stunde statt. Es ist dies die Stunde der Erlösung, die Stunde Jesu am Kreuz.

Das ist unsere Berufung: Wir haben den Weg zurück gelegt, wollen endlich Ruhe finden, da kommt die samaritische Frau. Sie will Wasser schöpfen, das ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir sollen so wie Jesus dort sein, wo Menschen erschöpft sind und einen Brunnen suchen. Die Frau hat Übung im Wasser-Schöpfen. - Jesus sagt zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Jesus nimmt diesen elementaren Dienst eines Menschen an. - Wir gehen als Helfer hin zu den Kranken. Wenn ich da bin, wenn ich müde bin, dann brauche ich dein Wasser, deine Hilfe. Das ist unser Lernen von Kranken und Leidenden bei der Begegnung mit ihnen. -

Eine nonverbale Begegnung zuerst, ein freundlicher Blick, ein Lächeln. Wir müssen zuerst annehmen, was uns der Kranke anbietet …

Pater Alfréd György

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Von Krankenbett und Krippe

In der Zeit vor Weihnachten denkt man mehr als sonst an seine Freunde, schreibt Weihnachtsgrüße und nimmt sich Zeit, einander zu treffen. Überall gibt es viel Leben, viele Begegnungen und viel Freude. Vielleicht klingt das alles nicht so stimmungsvoll für Sie, weil Sie krank sind oder einen nahestehenden Menschen verloren haben. Ihr jetziges Gefühl ist mehr Trauer als Freude, mehr Angst als Mut, mehr Einsamkeit als „Leben“.

Ein paar Tage vor dem vergangenen Weihnachtsfest habe ich bei meinen Krankenbesuchen eine Patientin getroffen, die auf eine schwere Operation wartete. Sie war sehr ängstlich. Als letzte Vorbereitung wollte sie die Krankensalbung empfangen. Sie hat über ihre Lebenspläne, Wünsche und Ängste gesprochen. Und sie hat sich gewünscht, dass ich sie nach der Operation wieder besuche. Als ich dann wieder bei ihr war, sagte sie: „Wissen Sie, es war das beste Weihnachten meines Lebens. Mir wurde ein neues Leben geschenkt. Ich habe erfahren, wie kostbar das Leben ist, wie kostbar eine Beziehung ist, wie wichtig es ist, im Leben Gottvertrauen zu haben. Nach der Operation bin ich ein neuer Mensch geworden. Ich habe mich entschlossen, freundlicher und friedvoller zu bleiben und nie das Gottvertrauen zu verlieren.“

Weihnachten gibt Antwort. Die Menschwerdung Gottes sagt, dass Gott das Schreien der Menschen nach Hilfe schon gehört hat, dass Gott die Angst und Not der Menschen ernst nimmt, dass Gott auf Seiten derer steht, die sich schwach und hilflos fühlen.

Seit der Menschwerdung Christi schickt er uns Menschen, die durch Worte und Taten, durch Freundlichkeit und Zuneigung diese frohe Botschaft des Friedens und der Hoffnung bringen. Er schenkt uns Situationen, wo wir seine Nähe hautnah spüren können. Manchmal kann ein Krankenbett zur Krippe werden, wo neues Leben geboren wird - wiedergeboren wird. Ich wünsche Ihnen die wärmende Liebe des Mensch gewordenen Christus, des Erlösers, nicht nur zu Weihnachten, sondern für Ihr ganzes Leben!

Pater Joshy Kanjirathamkunnnel

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„Jesus, ich liebe dich!“

Ein geistlicher Impuls des Generaloberen Pater Dr. Renato Salvatore

Aus der Spiritualität des Kamillianerbruders Pietro Vecoli leben

Am 26. Februar 1975 starb im Alter von 42 Jahren Bruder Pietro Vecoli. Er lebte die ersten 18 Jahre bei seinen Eltern in der Provinz Lucca (Capezzano Pianore). Die folgenden sechs Jahre verbrachte er im Ausbildungshaus (Imperia) und den Rest seines Lebens, 18 Jahre, in der Klinik San Camillo in Forte dei Marmi (Lucca).

Ich will nicht versuchen, eine Lebensbeschreibung von Bruder Pietro zu geben. Das wäre hier zu viel und vor allem habe ich nicht die Kompetenz dafür. Ich wäre aber schon damit zufrieden, wenn es mir gelingen würde, in manchem Ordensmann einen gesunden Stolz darauf zu wecken, dass wir von Gott sowohl einen solchen Mitbruder als auch selbst unsere kamillianische Berufung erhalten haben.

Sein Leben war kurz und von einer zur Invalidität führenden Krankheit gezeichnet. Sie hinderte ihn aber nicht daran, ein großartiges Apostolat zu entfalten. Er hat gezeigt, dass man, auch wenn man gezwungen ist, im Zimmer zu bleiben und viele Stunden im Bett zu verbringen, den Herrn lieben kann und auch andere Menschen dazu bewegen kann, ihn zu lieben. Es ist möglich, auch auf solche Weise das Leben eines vollkommenen Sohnes des hl. Kamillus zu führen.

„Suche das Leid nicht, aber nimm es an!“

In seiner „Einfachheit“ gelang es ihm gut, die tiefe Bedeutung des Leidens zu erfassen und seinen Wert auf bestmögliche Weise zu verwirklichen. Wegen seines vergrößerten Herzens, das sogar Schwierigkeiten hatte, im Brustkorb Platz zu finden, hatte Bruder Pietro äußerst viel zu leiden. Und trotzdem erinnert sich niemand daran, dass er sich auch nur ein einziges Mal über seine Krankheit beklagt hätte. Der tiefe Grund für ein solches Verhalten wird im Lichte seiner Idee von der „Jungfräulichkeit“ des Leidens besser verständlich: „Erinnern Sie sich, dass es die Jungfräulichkeit des Leidens gibt. Sie besteht darin, sich nicht bei den Geschöpfen zu beklagen, um Verständnis zu erlangen, sondern es einzig Jesus zu sagen. Er allein versteht uns, tröstet uns und liebt uns unendlich … Was würden Sie denn sagen, wenn ich Ihnen eine Rose schenken würde, an der ich vorher zehn Personen riechen ließ? … So verhält es sich mit dem Leiden: Wenn wir jedem davon erzählen, verliert es viel von seinem Wert … Es verliert alles (oder zumindest viel) von seiner Reinheit und wir verlieren unsere Belohnung … Ich wiederhole es Ihnen: Bieten Sie ‚die duftende Rose’ des Leidens nur Jesus an: Darin besteht die ‚Jungfräulichkeit’ des Leidens!“

Diese Worte kamen nicht von einer Person, die das Leid „suchte“ oder andere Personen dazu aufrief, es sich zu wünschen. Das ist die Überzeugung, die er oft auch in seinen vielen Briefen zum Ausdruck bringt: „Suche niemals das Leid, aber nimm es an, wenn der Herr erlaubt, dass du es hast … Es handelt sich um Worte Jesu. Auch er suchte die Passion nicht, sondern nahm sie an, er erlitt sie. Er ging in den Garten, um zu beten, und nicht zu den Priestern des Tempels, um sich verhaften zu lassen und gekreuzigt zu werden.“

Es ist deutlich, dass er sich der heilbringenden Bedeutung des Leidens bewusst war. Deshalb wollte er den besten Gebrauch von ihm machen und spornte dazu so viele leidende Menschen an, die sich an ihn wandten: „Auf Erden gibt es nichts Wertvolleres als das Leiden, wenn wir es mit Ergebung annehmen und Jesus anbieten. Es scheint absurd zu sein, das zu sagen, aber denkt man daran, wie der himmlische Vater erlaubt hat, dass sein geliebtester Sohn in seinem Lebens, besonders in seiner Passion behandelt wurde, dann verstehen wir …“

Einer kranken Ordensfrau schrieb er: „Auf Erden werden Sie nicht das Gute, das Sie mittels Ihres Leidens wirken, sehen können, aber im Himmel werden sie es sehen. Sie werden erstaunt, verwundert und hingerissen sein. Sie werden überaus glücklich sein, dass sie Jesus geholfen haben, Seelen zu retten, dass sie selbst retten konnten und nicht nur gerettet wurden …“ Und er war nicht ohne Zärtlichkeit gegenüber seinem geliebten Jesus, wenn er schreibt: „Wenn Sie leiden, dann ruht sich Jesus aus, weil Sie ihm das Kreuz von den Schultern nehmen und es tragen.“

Bruder Pietro erkannte die Kraft menschlichen Leidens, wenn es sich mit dem Leiden Christi verbindet: „Es ist Sühne, Läuterung, Erneuerung, Erlösung, Liebe, die den Tod überwindet: All das kann zu den verborgenen Schätzen des menschlichen Leidens gehören. Und während es eine tägliche Quelle von Verdiensten ist, ist es außerdem ein wirksames Medikament, das uns nicht an uns selbst, an den geschaffenen Wesen und an wertlosen Dingen dieser Welt haften lässt.“

Das Leiden ist auf jedem Fall eine existenzielle Frage: „Es ist wie ein bitterer Mandelkern. Sie werfen ihn weg und glauben, dass er auf der kalten Erde ein Ende gefunden hat. Dennoch, wenn Sie an dieser Stelle nach einigen Jahren wieder vorbeikommen, werden Sie einen schönen blühenden Mandelbaum vorfinden … Es ist schwierig zu lächeln, wenn man leidet.“

„Je mehr man liebt, um so leichter erträgt man das Leid.“

Wie ist es ihm gelungen, seine schwere Krankheit in solch beispielgebender Weise anzunehmen? Das Geheimnis verrät er uns selbst: „Je mehr man liebt, um so leichter erträgt man das Leid. Nichts fällt dem schwer, der viel liebt … Wenn man damit anfängt zu lieben, wird man keinen Tag in Resignation verbringen, sondern in Dankbarkeit, weil die Liebe zu allem fähig macht und alles umwandelt. Sie bewirkt, dass die Verschreckten, die Kleinmütigen, die erbärmlichen Menschen zu Helden Christi werden.“ Diese Einstellung, die seine Spiritualität am besten kennzeichnet und sein heiligmäßiges Leben erklärt, findet man in dem einfachen Satz „Jesus, ich liebe dich.“ Er versandte viele kleine Kärtchen mit diesem Satz. Um eine Vorstellung zu geben, beim letzten Versand kurz vor seinem Tod waren es 400.000 derartige Kärtchen!

Was gibt es Wesentlicheres, Zentraleres, Fundamentaleres in unserem Leben und im heiligen Evangelium als die menschlich-göttliche Liebe? Bruder Pietro pflegte unendlich oft zu wiederholen: „Jesus, ich liebe dich“ - eingedenk der bewegenden Bitte Jesu an den Apostel Petrus: „Liebst du mich?“ Auf diese Weise machte er sein Leben zu einem unaufhörlichen Gesang der Liebe, zu dem er durch sein „Apostolat“ viele andere Personen dazuholte, so viele er nur konnte. In einer Antwort schrieb er einmal: „Um Seelen zu retten, benötigt Jesus nicht Deine Arbeit, sondern Deine Liebe.“

Man könnte einwenden, was diese kurze Anrufung mit der Liebe zu Jesus zu tun hat. Der Satz „Jesus, ich liebe dich“ ist kein gewöhnlicher Gebetstext oder irgendein Stoßgebet, sondern ein authentischer Akt der Liebe, weil er mit folgenden Vorzügen ausgestattet ist: vom Verstand, der daran DENKT zu lieben; vom Willen, der lieben WILL; und vom Herzen, das LIEBT. Sagen Sie die Worte ‚Jesus, ich liebe dich’ nicht wie ein gewöhnliches Stossgebet, sondern mit der Absicht, einen wirklichen Akt der Liebe zu setzen … Jedes Ihrer ‚Jesus, ich liebe dich’ schenkt dem guten Herzen Jesu so große Freude und vermehrt in Ihnen selbst die Liebe, indem sie sie immer großzügiger, gewissenhafter, eifriger, leidenschaftlicher und glühender macht. Denn die Liebe ist Stärke, Leben, Licht, Heldentum und nichts ist stärker als die Liebe.“

Im Zentrum des Evangeliums

Unser Mitbruder hat sich direkt am Zentrum des Evangeliums orientiert: an der Liebe. „Es gibt nur eine einzige Straße, die uns zu Gott führt: die Liebe. Glauben Sie: Es gibt keine andere! Es ist nämlich die Liebe, wenn Sie das Gesetz des Herrn befolgen; es ist die Liebe, wenn Sie sich in einer Bergeshöhle absondern, um Buße zu tun; es ist die Liebe, wenn Sie den Armen Almosen geben; es ist auch die Liebe, wenn Sie Ihre Schüler unterrichten usw.“

In dieser Perspektive muss seine „einfache“ Anrufung verstanden werden: „Jedes ‚Jesus ich liebe dich’ ist ein riesiger Schritt zum Himmel, ein rasend schneller Lauf zur Glückseligkeit, ein rasanter, kräftiger, schneller Abflug mit den Flügeln der Liebe, Begegnung mit dem König der Liebe, dem Friedensfürsten, dem König der ewigen und unsterblichen Herrlichkeit.“

Bruder Pietro verweist uns auf einen „einfachen“, „kleinen“ Weg des Herzens, der leicht von allen gegangen werden kann: „Ich weiß, dass Sie viele Aufgaben haben und dass Sie vom Morgen bis zum Abend zu tun haben. Aber da die Geste der Liebe sehr kurz ist, ist es leicht, diese auch während der Arbeit zu verrichten. Zum Beispiel können Sie, während Sie aufstehen und sich ankleiden oder unterwegs sind, damit beginnen: ‚Jesus, ich liebe dich’ zu sagen … Im Tagesverlauf können Sie tausende Bezeugungen Ihrer Liebe verrichten.“

Lieber Leser, wir sind zu einem Ende gelangt: Ich als Schreiber dieses kurzen Artikels und du mit dessen Lektüre. Vielleicht hätten wir auch auf andere Weise unsere Zeit verwenden können. Ich denke, dass wir die Zeit nicht ganz verloren haben, wenn wir jetzt die Worte des lieben Bruders Pietro „Jesus, ich liebe dich“ wiederholen - mit dem Wunsch, dass sich dabei nicht nur die Lippen bewegen, sondern dass sie aus unserem liebenden Herzen kommen.

Pater Dr. Renato Salvatore (April 2009)

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Der Tod Christi am Kreuz

Aus einer Meditation des Generaloberen Pater Dr. Renato Salvatore:

Jesus ist nicht sosehr aufgrund der erlittenen Foltern gestorben, sondern weil er die totale Trennung vom Vater erlebt und gelebt hat!

Nach dem Schrei Jesu: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, empfahl er seinen Geist dem Vater und starb. Nur er selbst konnte sein Leben herschenken und er hat es dahingegeben aus Liebe zum Vater und zum Heil der Menschen …

Jesus hat in den Augen des Vaters sich selbst zur Sünde gemacht und konnte sich deshalb in diesem Zustand nicht in Gemeinschaft mit Ihm befinden. Darin liegt die schreckliche Erfahrung am Kreuz: vollständig von Gott verlassen zu sein! Deshalb stirbt er! Er stirbt, weil er freiwillig diese Lage der Menschen auf sich nimmt. Er stirbt, weil Er sich dem Vater schenken will für die Menschheit. Er stirbt, weil er von der Quelle des Lebens und der Liebe getrennt ist! Wir können sagen, dass er gestorben ist, weil er die Liebe nicht mehr gespürt hat …

Das Leben Jesu ist eine ständige und totale Beziehung der Liebe zum Vater. In dem Augenblick, in dem ihm diese aufgrund seines „Sünde-Seins“ fehlt, kann nichts anderes passieren als die totale „Trennung“ von der Quelle des Lebens. Und so stirbt Jesus: gänzlich und fürchterlich allein, aber mit der Zuversicht, dass sein Vater das Ja zu ihm erneuert, indem er ihn von den Toten auferweckt und ihn zu seiner Rechten stellt als den Herrn der Lebenden und der Toten.

Pater Dr. Renato Salvatore

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Viele Wohnungen …

Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, die Blätter fallen – ein Bild der Vergänglichkeit. Herbst, Allerseelenstimmung, der Mensch stirbt. Kein Papst, kein König, kein Politiker, kein Künstler – mochten sie noch so reich, gebildet, wertvoll und scheinbar „unersetzlich“ sein –, sie alle mussten eines Tages von der Weltbühne abtreten.

In Österreich sterben täglich 250 Menschen. Mehr als die Hälfte davon im Krankenhaus, in Alters- und Pflegeheimen, nicht wenige am Arbeitsplatz oder auf der Straße. Eine geringe Anzahl daheim im Kreise der Familie. Der Gedanke, irgendwann gehöre auch ich zu den 250, macht nachdenklich.

Die Ungewissheit bewirkt Unruhe. Wann wird es sein? Wo wird es sein? Wie wird es sein? Wie sehr wir uns wünschen, vorbereitet zu sein, dem Herrn in den Sakramenten zu begegnen, daheim im Kreise unserer Lieben einmal sterben zu dürfen, müssen wir doch auch damit rechnen, in fremder Umgebung aus diesem Leben zu scheiden.

Das Sterben im Krankenhaus oder Pflegeheim war lange Zeit mit negativen Erfahrungen verbunden. Man dachte an den sterbenden Kranken, der in den Baderaum abgeschoben wurde. Hat da noch jemand Zeit, Sterbebeistand zu leisten?

„Ich war immer so erleichtert“, sagte mir ein Schwerkranker, „dass ich mit ihnen über alles, auch über mein bevorstehendes Ende sprechen konnte.“ Der Mann war von Beruf Steinmetz. Er erkrankte an einem Gehirntumor. Trotz Operation bildeten sich Metastasen. Als sich sein Zustand stark verschlechterte, kam er nicht in das Sterbezimmer, sondern in ein Zweibett-Zimmer, wo er von den Ärzten und Schwestern liebevoll betreut und gepflegt wurde. Seine Frau konnte ihn zu jeder Zeit besuchen, saß an seinem Bett, wischte ihm den Schweiß von der Stirn und gab ihm das Gefühl der Geborgenheit.

Er starb im Kreise einer „Spitalsfamilie“, im Vertrauen auf das Wort des Herrn: „Euer Herz sei ohne Angst! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.“

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Ein Herz für andere

Wilhelm Hauff schrieb das Märchen: „Das steinerne Herz.“ Es erzählt von einem Menschen, der unter allen Umständen reich werden wollte. Eines Tages erhält er ein Angebot: Sein Wunsch wird erfüllt, wenn er sein lebendiges Herz gegen ein steinernes Herz eintauscht. Er geht auf den Handel ein, wird reich, hat Geld und Besitz, aber sein Leben ist gänzlich verwandelt. Er spürt keine Freude, keine Liebe, kein Glück. Er kann weder weinen noch lachen. „Was nützt aller Reichtum“, sagt er sich und setzt alles daran, sein Herz wieder zu bekommen, sein einfühlendes, liebendes Menschenherz. Nur ein Märchen, aber eine kernige Aussage, die nachdenklich stimmt.

Am 3. Dezember 1967 hat Dr. Christiaan Barnard zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ein Herz transplantiert. Jubel und Euphorie in Presse, Funk und Fernsehen ließen den Gedanken aufkommen, bis zur menschlichen Unsterblichkeit wäre es nur mehr ein kurzer Weg. Viele Menschen tragen heute ein fremdes Herz in ihrer Brust und sind dankbar für das geschenkte Weiterleben. Aber die Frage bleibt, ob unserem Leben nicht natürliche Grenzen gesetzt sind, die respektiert werden müssen, und ob der Mensch wirklich alles darf und tun soll, was er kann.

Das Herz, so sagen wir, ist Symbol der Liebe. Wir sagen auch, wenn wir über die Güte eines Menschen urteilen: „Der hat ein gutes Herz oder dieser Mensch ist hartherzig, hat ein versteinertes Herz.“

Jesus hatte ein gutes Herz, offen für alle. Er konnte nicht vorbeigehen an den Blinden, den Lahmen, den Aussätzigen, die oft am Wegrand lagerten und nach Menschlichkeit Ausschau hielten.

Wenn wir in diesem Monat das Herz Jesu verehren, anbeten und preisen, dann tun wir es aus Dankbarkeit der Liebe gegenüber, die uns zuerst geliebt hat, wie es bei dem Apostel Johannes heißt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16).

Gipfelpunkte seiner Liebe: die Krippe, das Kreuz und der Altar. Durch seine Menschwerdung ist für alle, besonders für die Kranken, eine neue Zeit angebrochen. Er ist die Antwort auf die Frage nach dem „Warum gerade ich?“ Das Kreuz und der Altar sind die Zusammenfassung seiner Liebe. Sie schenkt ohne Maß. „Redeamus ad cor“, hat der hl. Augustinus vor 1.600 Jahren in die Welt gerufen, „kehren wir zurück zum Herzen“, und meint damit die Rückkehr zum Herzen unseres Herrn Jesus.

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Keine Berührungsängste!

Sie suchen dich. Wen suchen sie? - Christus. Warum suchen sie ihn? - Weil er die Kranken heilte und ihnen Perspektiven aufgezeigt hat, wie sie mit ihren Krankheiten und Schicksalsschlägen umgehen können. Die Schwiegermutter des Petrus, so wird berichtet, nahm er an der Hand, richtete sie auf und heilte sie von ihrem Fieber. Ein Tagesgespräch, das über Kafarnaum hinaus ging. So kamen von überall her die Menschen mit ihren Krankheiten und Leiden und er heilte sie.

Jesus ein Wunderdoktor? Nein. Das wollte er nicht sein. Er wollte vielmehr diesen Menschen ihre Würde wiedergeben. Nicht diskriminieren, nicht abqualifizieren als von Gott wegen ihrer Sünden Gezeichnete und von der Gesellschaft Gemiedene, ausgegrenzt, verachtet, als unwertes Leben behandelt.

Durch Jesus von Nazareth sollte sich ihre Hoffnung erfüllen, dass auch für sie eine neue Zeit angebrochen ist und sie ein Recht haben, menschenwürdig behandelt zu werden.

Weil Jesus keine Berührungsängste hatte, legte er ihnen die Hände auf, den Blinden, den Lahmen, den Aussätzigen. Er dokumentierte damit seine Nähe, seine Einfühlsamkeit, seine Empathie.

Auch heute brauchen wir solche Menschen, die keine Berührungsängste haben, die den Kranken und Leidenden, den Alten und Sterbenden die Hände auflegen, menschliche Nähe vermitteln, dass sie trotz aller Hinfälligkeit und Gebrechlichkeit ihre Würde und ihren Wert haben.

Es ist daher falsch und unmenschlich, bei den Kranken den Sparstift anzusetzen, weil sie das Budget belasten, und der aktiven Sterbehilfe das Wort zu reden. Das wäre falsches Mitleid, ein Irrweg unserer Zeit.

Die Kirche wird immer an dem gemessen, was sie für die Kranken und Leidenden tut. Die caritativen Orden, insbesondere der Kamillianerorden, sind gefordert, sich nach dem Vorbild Jesu und dem Beispiel des hl. Kamillus auszurichten, „nicht nur mit Worten, sondern in der Tat und Wahrheit“.

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Nicht vertrösten, sondern trösten

Der Mensch in Krise und Leid ist Gottes Anliegen. Dieser Grundsatz zieht sich wie ein roter Faden durch die Schriften des Alten und des Neuen Testamentes. Jahwe hat das Volk Israel aus tiefster Krise immer wieder herausgeführt. Er hatte ein offenes Auge, ein Ohr und ein Herz für die Not des Volkes. Sein ganzes Trachten geht dahin, die Unterdrückten, die Deprimierten, die Verkrümmten, die Geplagten und Kranken wieder aufzurichten. Man darf in ihm den Arzt sehen, der von allen Krisen, Krankheiten und Leiden heilen will.

In Jesus hat Gottes heilende Grundgesinnung Gestalt angenommen. An ihm, dem Heiler, ist anschaulich geworden, wie heilende Sorge nach Gottes Art aussieht. Mehrfach wird erwähnt, wie er die vielen Menschen heilte, die an allen möglichen Krankheiten litten.

Jesu Heilen beginnt mit der Wahrnehmung der Not. Er ist der Barmherzige Samariter, der sieht, mitfühlt und hilft. Sein Herz ist nicht verhärtet, wie das der überfrommen Schriftgelehrten, die die Frauen und Kinder, die Behinderten und Kranken von sich wiesen.

Wenn Jesus heilt, so geschieht es nicht nach Art von Fernheilung. Vielmehr ist es ein persönliches, beziehungsdirektes Geschehen, eine wirkliche Begegnung. Damit wollte er einem jeden sagen: Was in dir lebt, ist gut. Gott, der dich gewollt und dich in die Welt gesetzt hat, wußte, warum er dich so und nicht anders geformt hat. Jesus heilt den Menschen, indem er ihn ansieht, berührt und anspricht.

Begegnung und Kommunikation gehören zur heilenden Seelsorge. Trösten geschieht vor allem im Reden, im Zusprechen von Worten, die wieder Sinn stiften in der Sinnlosigkeit. Die Worte dürfen kein Vertrösten sein, denn das Vertrösten geht an dem Menschen vorbei. Ich sage etwas, von dem ich selbst nicht überzeugt bin. Wenn ich einen schwerkranken Menschen vertröste mit den Worten: Halb so schlimm, andere haben es auch geschafft! Solche Worte gleiten an dem Kranken ab, ohne ihn innerlich zu berühren.

Trösten heißt, mit dem anderen sprechen, Worte sagen, die ihn erreichen, die ihm ganz persönlich gelten, die zu seinem Herzen vordringen, von Herz zu Herz gehen, ihn berühren und ihm einen neuen Horizont eröffnen, ihm einen festen Stand ermöglichen trotz der Dunkelheit und Zerrissenheit.

Der hl. Kamillus war kein großer Theologe, kein gelernter Psychologe, kein ausgebildeter Redner, aber er strahlte Herzensgüte und Herzenswärme aus, die dem Kranken und Sterbenden etwas ahnen ließen von der liebenden und fürsorgenden Güte Gottes.

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Unheilbar krank?

Der Tod begegnet uns in vielfältiger Gestalt. Er trifft uns in unterschiedlichsten Lebenssituationen. So gewiß er ist, so unsicher macht er uns. Der Tod stellt Fragen: Warum mußte mein Kind so jung und so plötzlich sterben? Warum hat mein noch studierender Sohn mit seinem Leben Schluß gemacht? Wie geht es jetzt weiter ohne Mutter? Was hat das Leben noch für einen Sinn ohne den geliebten Partner? Wo finde ich Trost in Leid und Trauer?

„Kommen Sie morgen in meine Praxis. Am Telefon kann ich darüber nicht reden.“ So ein Arzt zu einer Patientin. Die letzten Zweifel scheinen beseitigt. Also doch Krebs! „Es war die längste Nacht meines Leben“, sagt mir die Patientin. Die Nacht zwischen dem kleinen „Fünkchen Hoffnung“ und der riesengroßen zunehmenden Gewißheit. Am nächsten Tag dann die Diagnose: Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Weitere Schritte: Computertomographie, Operation, Bestrahlung, Chemotherapie mit all den Nebenwirkungen wie Haarausfall, Gewichtsverlust, tiefe Depressionen, Metastasen. Lebenserwartung noch ein Jahr, und das im besten Alter von 39 Jahren.

Nach einem solchen Befund ist plötzlich alles anders - von heute auf morgen. Plötzlich wird der normale Lebensrhythmus jäh unterbrochen. Eine tödliche Krankheit bedroht das Leben, durchkreuzt alle Zukunftspläne.

Es gibt Ereignisse, Schicksalsschläge, die in das Leben hereinbrechen und uns schmerzlich, ja grausam spüren lassen, wie zerbrechlich dieses Leben ist und wie schnell wir aus der Lebensbahn geworfen werden können.

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.“ So heißt es in einem alten Lied. Der Tod ist nicht nur mitten im Leben, er reißt oft auch mitten aus dem Leben, ist ein Teil unseres Lebens. Daher auch die ernste Mahnung Jesu: „Keiner kennt den Tag noch die Stunde. Seid bereit!“

In Jesus wissen wir, nicht für den Tod sind wir geboren, sondern für das Leben. Das war auch die Erkenntnis des hl. Kamillus. Noch mit 32 Jahren setzte er sich auf die Schulbank. Er wollte Priester werden, um den Sterbenden Wegweiser und Wegbegleiter zu sein zu Gott. Ihn und seine Gefährten nannte man „die Väter vom guten Tod“.

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Angst vor Hilflosigkeit

Viele Menschen wünschen sich einen raschen, schnellen Tod. Die Tatsache des Sterbens soll nicht oder kaum zum Bewußtsein kommen. Es ist die Angst vor körperlicher und seelischer Überforderung. Es ist die Angst vor der Hilflosigkeit, die Angst vor dem Ausgeliefertsein - in einem medizinischen Betrieb, der auf individuelle Gefühle und Ängste nur wenig Rücksicht nehmen kann.

"Es ist so traurig, zu sehen, wie dieser Mensch leidet und nicht sterben kann. Man soll ihn doch menschenwürdig sterben lassen." Das ist der heimliche Wunsch vieler Spitalsbesucher.

Ohnmacht und Einsamkeit, aber auch die Befürchtungen, anderen, den Angehörigen, dem Pflegepersonal usw. zur Last zu fallen, verschärfen die Frage nach einer tragfähigen Möglichkeit, das Sterben menschlich zu bestehen.

Wie können einem Menschen jene Geborgenheit und jene Stütze gewährt werden, die ihm zu einem tatsächlich menschenwürdigen Sterben verhelfen? Ein Leben lang sind wir auf die Hilfen des Stärkeren angewiesen. Wo der Mensch als Kind sein Leben beginnt, da empfinden wir die Hilfsbedürftigkeit als selbstverständliches Recht auf Unterstützung. Wo sich aber im Alter, in schwerer Krankheit und erst recht im Sterben Schwäche bemerkbar macht, erinnern wir uns viel zu wenig an die Erkenntnis, daß auch der jetzt Schwache ein grundsätzliches menschliches Recht hat auf Hilfe durch den noch Starken.

Die Hilfe sollte in jeder Hinsicht der physischen und psychischen Hilfsbedürftigkeit angemessen sein. Sie sollte das an Kraft und Leistung ersetzen, was der Kranke und Sterbende aus eigener Kraft nicht mehr erbringen kann. Spricht man vom menschenwürdigem Sterben, dann sollte der christliche Glaube als Angebot der Hilfe nicht ausgeschlossen sein. Er gibt Hoffnung, daß das Leben nicht vergeblich war und daß es im Tod nicht endgültig verlorengeht. "Du bist von Gott geliebt und hast daher Anspruch auf meine Liebe." Das war die grundsätzliche Einstellung des hl. Kamillus dem Kranken und Sterbenden gegenüber. Der Sterbende fand in ihm einen Partner, auf den hin er loslassen konnte.

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„Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige“

Für viele Priester kommt im Juni der Gedenktag an ihre Priesterweihe. Von den Menschen genommen, für die Menschen bestimmt. Von Gott berufen und bestellt, beauftragt von der Kirche, das Wort Gottes zu verkünden und das Opfer Christi zu feiern.

Berufung und Sendung gehören zusammen. Neben den Aposteln hat Jesus noch weitere 72 Jünger ausgesandt. Er gab ihnen Anweisungen, wie sie das machen sollten. Einen Stab in der Hand, Sandalen an den Füssen, keinen Geldbeutel mit sich, ja nicht einmal einen zweiten Rock.

Kein Papst, kein Bischof und kein Ordensoberer würde dies heute von seinen Priestern verlangen. Für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. wäre es unmöglich gewesen, in den 25 Jahren seines Pontifikates ohne technische Mittel so vielen Menschen in so vielen Ländern die christliche Botschaft zu verkünden.

Gewiß, in den 2000 Jahren Christentum hat es immer wieder Menschen gegeben, die die Worte Jesu wörtlich genommen haben. Der hl. Franziskus zum Beispiel. Und auch der hl. Kamillus. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Diese Worte hat er in die Tat umgesetzt. Im Kranken und Leidenden sah er den leidenden Christus. Und ihm galt seine ganze Liebe. Durch nichts und durch niemanden ließ er sich davon abbringen.

Als eines Tages der Papst das Krankenhaus besuchte, in dem der hl. Kamillus arbeitete, wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er dem Stellvertreter Christi so wenig Beachtung schenkte. Der Heilige rechtfertigte sich: „Wie kann ich mich um den Stellvertreter kümmern, wenn ich mit Christus selbst beschäftigt bin.“

Diese Einstellung den Kranken gegenüber machte damals in Italien Schule und heute auf der ganzen Welt, wo Kamillianer, Patres und Brüder, die verschiedenen Kongregationen der Kamillianerinnen, die Kam. Schwestern, die Freunde der Kranken und die Kam. Familie in seinem Geist tätig sind. Am Heilswerk Gottes in der Welt mitzuarbeiten, das ist das Charisma der großen kamillanischen Familie.

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„Heilt die Kranken, die dort sind“

Jesus hat einen Großteil seiner öffentlichen Tätigkeit den kranken und leidenden Menschen gewidmet. Die vertrauensvoll zu ihm gekommen sind, hat er heil gemacht. Blinde sehend, Lahme gehend, Aussätzige hat er rein gemacht und selbst dem sündigen Menschen hat er das tröstende Wort zugesagt: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu berufen, sondern Sünder. Denn nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Es ist auffallend, daß die Jünger Jesu nicht nur den Sendungsauftrag erhielten, seine Botschaft den Menschen zu verkünden, sondern die Kranken zu heilen. Nicht nur Heil anzubieten, sondern Heil und Heilung, den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen. Gerade hier unterscheiden wir uns als Krankenseelsorger von all den Disziplinen eines Krankenhauses.

Fachwissen und Spezialisierung stehen heute an oberster Stelle. Die Patienten werden herumgereicht von einem Fachmann zum anderen, von einem Röntgen zum anderen. Dabei entsteht die Gefahr, neben den vielen Teilen das Ganze aus den Augen zu verlieren, nämlich den Menschen in seiner Ganzheit. Aus Erfahrung wissen wir, die Summe der Teile machen noch nicht das Ganze aus. Und schon gar nicht beim Menschen mit Leib, Seele und Geist. Das zeigt sich besonders, wenn er krank ist.

Daher ist es wichtig, daß der Krankenseelsorger bei seinem Krankenbesuch diese Perspektive bewußt ins Auge faßt, die Wechselwirkungen von Leib, Seele und Geist. Als Seelsorger sind wir nicht nur zuständig für den Körper oder die Seele oder den Geist, sondern für den Menschen in seiner Ganzheit, so wie Jesus auch dem Menschen, besonders dem kranken Menschen begegnet ist und dem Gelähmten sagte: „Steh auf, deine Sünden sind dir vergeben.“

Der Krankenseelsorger kann auch heute viel lernen von der Spiritualität und der Einstellung des heiligen Kamillus dem Kranken gegenüber. Nicht nur Individualseelsorge betreiben, wie das heute vielfach geschieht, sondern, wo möglich, allen Kranken die Chance und die Möglichkeit geben, durch den Seelsorger Heil und Heilung zu erfahren, das heißt die Kranken begleiten, auf sie zugehen, auf sie eingehen, mit ihnen ein Stück Weges mitgehen, ihnen Lebens- und Glaubenshilfe anbieten.

Viele körperliche und seelische Krankheiten können heute durch Medikamente und moderne Medizin geheilt werden. Was aber die meisten Menschen, ob gesund oder krank, jung oder alt, in unserer so schnellebigen enden Leistungsgesellschaft brauchen, ist die Nähe eines Menschen. Diese Nähe kann zum Medikament werden. Daher ist es und bleibt es die Aufgabe, insbesondere der Kamillianer, viele Mitchristen für den Krankendienst zu gewinnen.

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Wie dem Kranken helfen?

Ich kann die Begegnung nicht vergessen. Eine Patientin, 33 Jahre alt, sagte bei meinem Besuch: "Ich kann nicht glauben, was mir der Arzt gestern gesagt hat." Harmlos, so glaubte sie, sei ihre Krankheit. Zunächst waren es ja nur kleine Beschwerden. Aber der Arzt empfahl ihr, doch ins Krankenhaus zu gehen … Es war dann doch ein größerer Eingriff notwendig. Der Arzt teilte ihr mit, worauf sie sich einzustellen habe: Krebszellen. Ihre Augen wandern von einer Ecke des Krankenzimmers in die andere. Das Wort "Krebs" geht ihr durch den Kopf. "Warum ich?", fragt sie mich. "Was habe ich falsch gemacht? Ich habe drei kleine Kinder: die brauchen mich. Bitte, helfen Sie mir!"

Als Seelsorger soll ich helfen? Kann ich das? Sind die Erwartungen nicht zu groß, die an mich gestellt werden, ja unerfüllbar? Ich habe keine Medikamente, keine Instrumente, die jetzt Wunder wirken. Ich setze mich an ihre Seite, oft auch an den Bettrand, um meine Anteilnahme sichtbar zu machen. Ich höre einfach zu, lasse die Patientin alles aussprechen, was sie so unsicher, so unruhig, so traurig macht.

In meiner langjährigen Tätigkeit als Kamillianer und Krankenhausseelsorger mache ich oft die Erfahrung, daß, wenn alle Stützen brechen, auf die man sich verlassen hat - Jugend, Kraft, Gesundheit, Ärzte und Medikamente - noch eine Stütze bleibt: der Gedanke an Gott. Es ist wie eine Uroffenbarung, eine Ursehnsucht, ein Urvertrauen, daß wir uns in der Not an Gott wenden. Der Seelsorger soll nun mithelfen, eine Brücke zu bauen zwischen Gott und Mensch, zwischen Zeit und Ewigkeit.

Wohltuend erfahren in solchen Situationen die Kranken das Gebet: Das "Sich-Hineinbegeben" in das Kraftfeld Gottes, dieses innige Vertrauen auf Gottes Hilfe spielt in der Heilsgeschichte eine große Rolle.

Von uns Kamillianern als Krankenseelsorger erwartet man, daß wir dem Kranken und Sterbenden besonders nahe sind und offen für seine Sorgen und Ängste, Krisen und Unsicherheiten, Leiden und Schmerzen. Das Charisma des hl. Kamillus, der im Kranken und Leidenden Christus sah, sollte für unsere Spiritualität und Einstellung gegenüber dem Kranken Richtschnur sein.

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Abschied nehmen

Obwohl ich als Kamillianer und Krankenhausseelsorger in den vielen Jahren meiner Tätigkeit tausenden Kranken und alten Menschen begegnet bin, macht mich die Begegnung mit ihnen immer noch betroffen. Ein Mensch, der einmal jung war, voller Kraft, ist auf einmal so machtlos, hilflos und auf soviele andere angewiesen. Krankheit und Alter ist Ausdruck der Gebrechlichkeit und der Vergänglichkeit. Es macht sichtbar, wie sehr unser Leben vom Tod umgeben ist. Wir tun uns schwer, davon zu reden oder daran zu denken, einmal alles zurücklassen zu müssen, was uns lieb geworden ist. Ich denke an eine alte Dame, die bis zu ihrem 85. Lebensjahr allein in ihrer Wohnung lebte, glücklich und zufrieden. Vieles hat sie im Laufe der Jahre zusammengetragen mit schwer erarbeitetem Geld. Das alles hat sie liebgewonnen, gehörte ihr, war ihr Eigentum.

Ihre natürliche Einstellung war, so weiterzuleben. Eines Tages stieg sie auf die Leiter, um den wenigen Staub vom Kasten abzuwischen. Beim Hinuntersteigen war sie unaufmerksam. Die Leiter begann zu schwanken und fiel um. Die alte Dame liegt auf dem Boden. Ein furchtbares Brennen im Oberschenkel. Sie hat nicht mehr die Kraft, allein aufzustehen, und versucht, mit dem Sessel auf den Boden zu schlagen. Bis die Nachbarn aufmerksam werden und die Rettung verständigen. Sie wird in das Krankenhaus gebracht. Diagnose: Schenkelhalsfraktur. Für die Ärzte eine Routineoperation.

Drei Wochen später ist sie so geschwächt und entkräftet, daß an ein Nachhausekommen nicht mehr zu denken ist. So heißt die nächste Station Pflegeheim. Für die alte Dame bedeutet das, nicht mehr zurück in die Wohnung, zu den Nachbarn in die vertraute Umgebung. Das heißt, Abschied nehmen von all dem, was ihr kleines Glück im Leben ausgemacht hat.

Als sie mir das alles erzählte, fiel mir Hiob aus dem Alten Testament ein. Er hat alles loslassen müssen, sitzt im Dreck, am ganzen Körper mit Geschwüren bedeckt. Zuletzt bringt er nur noch die Kraft auf zu beten: "Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen. Gepriesen sei der Name des Herrn." Ich wünschte mir, eines Tages auch so stark und innerlich so groß zu sein, wenn es heißt, Abschied zu nehmen.

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Einst und heute

Ein 80jähriger Mann erleidet einen leichten, dann einen schweren Schlaganfall. Er wird daheim von seinen Angehörigen und dem Hausarzt versorgt. Dann kommt eine Lungenentzündung dazu, was Lebensgefahr bedeutet. Vor 50 Jahren gab es noch kein Penizillin. Man war sich darüber ziemlich klar, daß der Patient nicht überleben wird. Schließlich war er nicht mehr jung. Er hat sein Leben gelebt, seine Aufgabe erfüllt, und das nahende Ende entsprach dem natürlichen Ablauf. So dachten und fühlten damals die Menschen - die Angehörigen und auch die Kranken. Die Großfamilie, die Verwandten und viele Nachbarn versammelten sich um den Sterbenden. Sie blieben betend bei ihm, bis er erlöst war.

Heute würde dieser Mann in das Krankenhaus kommen, vielleicht sogar auf die Intensivstation, wo ihm alle Segnungen der Medizin zuteil würden: Überwachung von Herz, Blutdruck, Temperatur, Flüssigkeitszufuhr, künstliche Beatmung usw. Wie arm und nackt und hilfsbedürftig erfährt sich da der Mensch? Selbstverständlich wird seine Situation mit Medikamenten erleichtert. So dämmert er vielleicht noch Tage und Wochen dahin. Die Angehörigen dürfen ihn besuchen, stehen ratlos, verängstigt neben dem Bett. Immer dringender stellt sich ihnen die Frage, ob es angebracht ist, weitere Maßnahmen zu setzen oder doch den Kranken eines natürlichen Todes sterben zu lassen.

Ohne Zweifel wird in vielen Fällen durch die moderne Medizin und technische Errungenschaften Leben erhalten und Gesundheit ermöglicht, wo dies früher nicht möglich war. Aber es gibt eben auch die Kehrseite, daß Leiden und Sterben in die Länge gezogen werden. – Was dem Menschen zum Wohle dient, entspricht seiner Würde. Wo aber diese Würde verletzt wird, erhebt sich die Frage: Darf die Wissenschaft, die Technik, die Medizin, der Mensch alles, was er kann? Oder sollten wir nicht vielmehr in Ehrfurcht dem gütigen Gott unser Leben und unser Sterben vertrauensvoll in die Hand legen? Wie jeder Mensch ein Recht hat zu leben, so hat er auch ein Recht darauf zu sterben. Jedem sollte die Möglichkeit gegeben werden, seinen eigenen Tod zu sterben.

Pater Peter Mollner

Inhalt:
„… aber der Arbeiter sind wenige“
Abschied nehmen
Angst vor Hilflosigkeit
„Arm, um euch reich zu machen”
„Das Kreuz steht, während der Erdkreis sich dreht”    ««   ««   «« neu
Ein Herz für andere
Ein Herz für Christus in den Kranken
Einst und heute
„Erschienen ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“
„Gib mir zu trinken!“
Gott lieben?
Der Heilige Geist und seine Gaben im Dienst an den Kranken.
Heilt die Kranken …
„Ja zum Kreuz“
„Jesus, ich liebe dich!“
Keine Berührungsängste!
Meditation b. Begräbnis v. P. M.Th. Kummer (v. P. Dorner)
Nicht vertrösten, sondern trösten
Blindenapostolat Bischof Dr. Wilhelm Egger (†)
Tod Christi am Kreuz
Unheilbar krank?
Viele Wohnungen …
Von Krankenbett und Krippe
Wie dem Kranken helfen?
Wiege und Kreuz

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Pater Peter Mollner †
Pater Peter Mollner † 2008

Folgende Texte sind von
Pater Peter Mollner †

Viele Wohnungen …
Ein Herz für andere
Keine Berührungsängste!
Nicht vertrösten, sondern trösten
Unheilbar krank?
Angst vor Hilflosigkeit
„… aber der Arbeiter sind wenige“
Heilt die Kranken …
Wie dem Kranken helfen?
Abschied nehmen
Einst und heute

© Kamillianer 2013 - [Stand: 03.07.2013]     zurück     nach oben