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Er malte für Kirchen und Schlafzimmer

Zum 150. Geburtstag von Hans Zatzka am 8. März 2009


Hans Zatzka, Hochaltarbild in der Kirche zum hl. Karl Borromäus im Geriatriezentrum Am Wienerwald (1904).

Hans Zatzka, der Meister des Hochaltarbildes in der Kirche St. Karl Borromäus im Geriatriezentrum Am Wienerwald, wurde am 8. März 1859 als Sohn eines Baumeisters geboren. Schon als Kind zeigte er ein großes Talent zum Zeichnen und Malen. Sein älterer Bruder war der bekannte Baumeister und christlichsoziale Kommunalpolitiker Ludwig Zatzka. Von 1877 bis 1882 studierte Hans Zatzka an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Auf Grund seines ausgezeichneten Erfolges erhielt er 1880 die goldene Füger-Medaille. Nach Studienaufenthalten in Italien arbeitete er als freier akademischer Kunstmaler in Wien.
1886 erhielt er seinen ersten größeren Auftrag: ein Deckengemälde für das Kurhaus Baden, das heutige Casino. Es zeigt die Quellnymphe Hygieia (die Göttin der Heilkunde) sowie Amoretten, die die verschiedenen Jahreszeiten darstellen.

Eine Kirchenmaler-Karriere

1888 folgte das Wandgemälde „Das Jüngste Gericht“ in der Klosterkirche Zur Heiligen Familie im „Marianneum“ (heute Exerzitien- und Bildungshaus der Lazaristen, Hetzendorfer Straße 117) im 12. Wiener Gemeindebezirk, das sein Bruder Ludwig gebaut hatte. 1895 schuf er ein Gemälde in der ebenfalls von seinem Bruder errichteten Kapelle des Stiftungshauses in Mayerling, einem Altenheim, und 1897 das Altarbild im Chor in der Breitenseer Pfarrkirche St. Laurentius. Es zeigt die Huldigung an Maria und ihr Kind. Umgeben vom Kirchenpatron Laurentius und Franz von Assisi, dem Namenspatron des Kaisers, präsentieren Engel die Insignien des Herrscherhauses. Auch diese Kirche ist von Ludwig Zatzka erbaut. Anlass war das 50-jährige Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph, der auch im Gemälde dargestellt ist.

Der Bürgermeister im Altenheim

Zu einem Höhepunkt seiner sakralen Kunst wurde das imposante dreiteilige Hochaltarbild der 1904 errichteten Kirche St. Karl Borromäus im heutigen Geriatriezentrum Am Wienerwald (dem früheren Pflegeheim Lainz). Auf dem rechten Flügel des Hochaltars ist der christlichsoziale Bürgermeister Dr. Karl Lueger, dessen Namenspatron zum Patron der neuen Kirche wurde, in altdeutscher Kleidung mit dem Bauplan in der Hand kniend als Stifter dargestellt - ein Beispiel der „Bourgeoisifikation“ (Verbürgerlichung) sakraler Malerei. Daneben reicht die Schutzgestalt Vindobona einem alten Arbeiter, dessen Arbeitsunfähigkeit durch einen abgebrochenen Hammer verdeutlicht wird, ein Stück Brot. Die Mitte zeigt den Kirchenpatron Karl Borromäus, links ein altes von einem Engel beschütztes Ehepaar mit den Gesichtszügen der Eltern des Künstlers - in der „Versorgung“ gab es, damals ein Novum, auch Zimmer für Ehepaare. Sie alle schauen auf die thronende Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind in der Mitte. Die Decke des Presbyteriums versinnbildlicht mit goldenen Sternen auf blauem Grund die verheißene ewige Wohnung. Die Kirche selbst wurde im romanisierenden Stil nach Plänen von Johann Scheiringer erbaut. - 1908 schuf Hans Zatzka in der Apsis der Baumgartner Pfarrkirche St. Anna ein weiteres Wandgemälde, auf dem er für die Stadt Wien bedeutsame Heilige verewigte, aber auch „anonyme“ Spender, die den Kirchenbau ermöglicht hatten.


Hans Zatzka, Hochaltarbild in der Kirche zum hl. Karl Borromäus (1904) mit Szenen aus dem Altenheim.

Karl Lueger im Totenhemd

Auch auf dem neuen Zentralfriedhof in Simmering warten Aufträge auf Hans Zatzka. So schuf er 1911 die Gemälde hinter dem Hochaltar der nach Entwürfen von Max Hegele 1907 bis 1910 im Jugendstil errichteten Begräbniskirche zum hl. Karl Borromäus („Karl Lueger-Gedächtniskirche“). Das vierteilige monumentale Altarbild zeigt das Jüngste Gericht und den verdienstvollen Bürgermeister im Totenhemd, wie ihn hilfreiche Engel zum göttlichen Gericht geleiten. In seiner Nähe steht im schwarzen Umhang sein Nachfolger Bürgermeister Dr. Josef Neumayer. Die drei darunter angeordneten Bilder zeigen symbolisch den Lebenslauf eines Menschen. Im rechten Bild ist noch einmal Lueger mit der knienden Symbolgestalt der Vindobona und dem Kirchenmodell zu sehen. Beide wenden sich dem mittleren Bild mit der Darstellung Christi zu. Auch in den drei darunter befindlichen Bildern auf Goldgrund, die den Lebenslauf des Menschen symbolisch darstellen, ist Lueger verewigt. Nach Fertigstellung wurde der während der Bauarbeiten verstorbene Bürgermeister in die Unterkirche umgebettet. Der Zentralfriedhof war 1874 eröffnet worden, aber erst unter Bürgermeister Dr. Karl Lueger wurde er mit Errichtung der Kirche vollendet.


Das dreiteilige Altarbild von Hans Zatzka im Krankenhaus Hietzing (1913)

Als letztes großes sakrales Werk schuf Hans Zatzka 1913 drei große Altarbilder für den Hochaltar der Kapelle im Krankenhaus Hietzing (dem alten Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Spital). Das Mittelbild zeigt den Heiland als Tröster der Kranken. Der auf dem Totenbett liegende Mann trägt die Gesichtszüge des drei Jahre zuvor verstorbenen Luegers. Aber auch in den anderen Gestalten der Altarbilder lässt er sich wiedererkennen. Das linke Seitenbild zeigt den festlichen Anlass der Erbauung des Spitals als gemeinsames Werk der Stadt Wien und des Kaiserhauses, das rechte Seitenbild die Nächstenliebe als Siegerin über alle Krankheiten. Das Spital und die Kapelle waren nach den Plänen Otto Wagners errichtet worden. Der Jugendstil-Altar ist aus den Resten der berühmten Otto-Wagner-Kirche am Steinhof gefertigt.


Nächstenliebe besiegt alle Krankheiten und Gebrechen (rechtes Bild) Krankenhaus Hietzing.

Von Heiligen und schönen Frauen

Bis zum Ersten Weltkrieg widmete sich Hans Zatzka vor allem der Sakralkunst, solange es kirchliche Bauaufgaben gab. Zugleich erwies er sich aber auch als Meister in der Darstellung der Wiener „süßen Mädel“. Modell standen ihm seine erste Frau Magdalene und seine beiden Töchter Martha und Wilhelmine.

Zatzkas erster öffentlicher Auftrag war wie erwähnt das Deckengemälde im Kurhaus Baden bei Wien. Damals war der Künstler 26 Jahre alt. Er schuf auch Deckenfresken für die Stiegenhäuser in den repräsentativen Wohnbauten seines Bruders Ludwig, so z. B. in Hietzing und Penzing, am Familiensitz in Breitensee, sowie Bilder an seinem Alterssitz in Spital am Semmering (Steiermark). Zu Zatzkas hauptsächlichen Motiven zählen Madonnen- und Christusdarstellungen, Schutzengelbilder, Elfen, Amoretten, schöne Frauengestalten, Genreszenen, Allegorien und andere populäre Motive. Zatzka wandte sich auch den mythologischen Stoffen und Szenen aus Opern von Richard Wagner zu. Und er malte zahlreiche Postkartenbilder. Geradezu bahnbrechend wurde er im profanen „Schlafzimmerbild“.

Schlafzimmerbilder und Postkartenmotive

Um die Jahrhundertwende wurden Zatzkas Bilder vom Bildpostkartenvertrieb in der „Galerie Wiener Künstler“ und von anderen Verlagen verkauft. Um etwa 1906 entdeckte Adolf May in Dresden Zatzka für seine Bilderfabrik. Ab 1914 wurden von hier seine Bilder in großer Zahl als Öldrucke vertrieben. Darunter waren auch seine ersten „Schlafzimmerbilder“, die, von der Kunstkritik als „Schmarren“ und „süßer Kitsch“ verachtet, zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Schlafzimmer kleinbürgerlicher Familien eroberten. Zatzkas „Elfenreigen“ wurde geradezu zum Prototyp dieser Gattung. Von 1924 an malte Zatzka dann für die Bilderfabrik von Felix Freund in Berlin und lieferte dort pro Woche zwei Bilder ab. Die Themen dieser Bilder lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Die Reigenbilder tragen Titel wie „Blumenreigen“, „Frühlingszauber“, „Maienzeit“. Sie gehen zum einen auf klassische Vorbilder zurück, die bis zu Peter Paul Rubens zurückreichen, haben aber auch Wurzeln in der Jahreszeiten- und Lebensalter-Allegorik, wie sie unter anderem von Camille Corot, Hans Thoma und Franz von Stuck aufgegriffen wurde.

Traumbilder wie „Hochzeitstraum“ mit bekleideten Damen und Amorettenschwärmen gehen auf das oft aufgegriffene Motiv der schlafenden Venus zurück, das erstmals bei Pierre-Paul Prud’hon um zahlreiche Putten ergänzt wurde. Die dritte Gattung ist die der Kahnbilder, die unter Titeln wie „Nixentraum“, „Elfenspiel“ und „Traumverloren“ reproduziert wurden.

Bis ins hohe Alter hinein arbeitete Zatzka in seinem Atelier in der Breitenseer Straße 4 im 14. Wiener Gemeindebezirk, betreut von seiner zweiten Ehefrau Marie. Der Künstler, der in Kirchen wie in Schlafzimmern vielfältige Spuren hinterließ, starb am 17. Dezember 1945 und fand seine Ruhestätte am Penzinger Friedhof.

   Faksimile - Signatur
    Signatur des Künstlers

Der Beitrag beruht teilweise auf einer Zusammenstellung von Herbert Richter. Fotos: Alfred Hulka (2), Sebastian Bock (3)


Der allgegenwärtige Bürgermeister Karl Lueger ist auch im Kamillianerkloster Wien-Lainz vertreten.

Detail vom "Jüngsten Gericht" in der Karl-Lueger-Gedächtniskirche am Zentralfriedhof. Der Bürgermeister Lueger im Totenhemd wird von hilfreichen Engeln zum göttlichen Gericht geleitet. Ganz links kniet sein Nachfolger, Bürgermeister Dr. Josef Neumayer.

Aktuelle Notiz:
Anlässlich einer Sonderaustellung über den Maler Hans Zatzka im Bezirksmuseum Wien-Penzing hat Herbert Richter eine 28 Seiten umfassende bebilderte Broschüre zusammengestellt, die den Maler in Wort und Bild vorstellt.
(Heft 68 der "Penzinger Museumsblätter")
Bezugsadresse: Museumsverein Penzing, Penzinger Straße 59, 1140 Wien (Tel. 01/897 25 52).

von Hans Zatzka

»Hans Zatzka, ein bedeutender Kunstmaler aus Breitensee«
Die Ausstellung im Bezirksmuseum läuft vom 8. Oktober 2009 bis Ende Juni 2010. Das 14. Wiener Bezirksmuseum hat jeden Mittwoch von 17:00 bis 19:00 Uhr und Sonntag von 10:00 bis 12:00 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Vom 24. Dezember 2009 bis 6. Jänner 2010, sowie an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen.

© Kamillianer 2009 - [Stand: 29.03.2012]nach oben