Kamillianer
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Die Kamillianer in Österreich

Zeittafel 

Kleine Geschichte der österreichischen Provinz der Kamillianer

Ein kurzes Vorspiel auf ungarischem Boden

Im Jahr 1591 sandte der Ordensgründer Kamillus von Lellis (1550-1614) acht seiner Gefährten nach Ungarn. Sie sollten dort als Sanitäter und Seelsorger das kaiserliche Heer auf dem Türkenfeldzug begleiten. „Sehr lobenswert” standen sie im Dienst verwundeter Soldaten, aber auch der ungarischen Zivilbevölkerung. Einer starb vor Erschöpfung, die Spuren der anderen verlieren sich.

Vor knapp 250 Jahren betraten dann zum zweiten Mal Kamillianer ungarischen Boden, wenn auch nur für 28 Jahre. Die beiden Patres Fabricius Negretti aus Rom und Johann Baptist de Liancourt aus Florenz verbrachten zunächst einige Monate in der Stadt Vác (1758-1759) und kamen dann auf Vermittlung des Bischofs Graf Ferenc Zichy im Herbst 1760 nach Györ (Raab). Trotz der Schwierigkeiten, die ihnen der Rat der Stadt machte, konnten sie sich dank der tatkräftigen Unterstützung durch Kaiserin Maria Theresia 1761 in Györ niederlassen. Ihre Aufgaben waren Beichthören, Krankenbesuche und -pflege, Spendung der Sterbesakramente sowie Taufen und Begräbnisse. Dank einer frommen Stiftung und zahlreicher Spenden begannen sie sechs Jahre später in der Vorstadt Majorok mit der Errichtung einer Kirche und eines Klosters. Insgesamt wirkten von 1761 bis 1786 sieben Kamillianer in Györ, darunter fünf Ungarn.

Die Aufhebung der Niederlassung durch Kaiser Joseph II. im Jahr 1787 machte alle weiteren Pläne zunichte, darunter auch den Bau eines eigenen Krankenhauses. In der als „Josephinismus” bezeichneten Zeit des österreichischen Staatskirchentums hatte Joseph II. schätzungsweise 700 bis 800 Stifte und Klöster in der gesamten Donaumonarchie aufgehoben. Die Kamillianer in Györ zerstreuten sich; einer blieb als Pfarrer zurück. Heute ist das Kloster Pfarrhof und die Klosterkirche zum hl. Kamillus dient als Pfarrkirche.


Die Kirche St. Karl Borromäus bildet die Mitte des Geriatriezentrums Am Wienerwald.
 

I. Die ersten vierzig Jahre: Österreich als Teil der deutschen Kamillianerordensprovinz

1906: Die ersten Kamillianer kommen nach Wien

Anfang des Jahres 1906 machte der Provinzial der deutschen Ordensprovinz, P. Stephan Theodor Tembories, auf Betreiben der Gräfin Camilla Arco der Gemeinde Wien das Angebot, für die Krankenhausseelsorge in dem großen, 1904 eröffneten Wiener Versorgungshaus in Lainz zwei Ordensleute zur Verfügung zu stellen. Der Antrag wurde vom Wiener Stadtrat angenommen. So begannen vor hundert Jahren als erste Kamillianer die Patres Joseph Roth aus Essen und Otto Gethmann aus Aalborg in Dänemark am 1. Mai 1906 ihren Dienst im Wiener Versorgungsheim. Sie sollten den Krankenhausseelsorger Franz Xaver Rathner in seiner Arbeit unterstützen, der sie mit den Worten empfing: „Es ist ein Geheimnis; drei Jahre bitte ich den Bischof und den Magistrat um Hilfe, aber man hat mich nicht erhört. Die Stelle war sicher für die Kamillianer reserviert.”

Mit 5.000 Plätzen war das Versorgungsheim Lainz (heute Geriatriezentrum am Wienerwald, GZW) das größte und modernste Altersheim auf dem europäischen Kontinent, das unter anderem auch Platz für 55 Ehepaare bot. Im Zentrum der 23 Häuser umfassenden Anlage steht die im spätromanischen Stil erbaute repräsentative Kirche St. Karl Borromäus mit Platz für 800 bis 1.000 Besucher.

Kirchenschiff, St. Karl Borromäus
Kirche St. Karl Borromäus im Geriatriezentrum Am Wienerwald.
Hier begannen am 1. Mai 1906 die ersten beiden Kamillianer ihren Dienst an den alten Menschen.

Am 28. September 1906 genehmigte Kaiser Franz Joseph I. die Niederlassung der Kamillianer in Wien. In einem Schreiben des Fürsterzbischöflichen Ordinariats vom 12. November heißt es: „Seine k. k. Apostolische Majestät haben mit allerhöchster Entschließung vom 28. September 1906 die Einführung des Camillianer-Ordens in die Erzdiözese Wien allergnädigst zu bewilligen geruht ... Gleichzeitig genehmigt das f. e. Ordinariat kirchlicherseits diese Ordensniederlassung im Wiener städt. Versorgungshause in Lainz.”

Zum ersten Hausoberen wurde P. Christian Adams sen. bestimmt. Da den Kamillianern auch weitere Seelsorgeposten in städtischen und staatlichen Wohlfahrtsanstalten übertragen wurden, wurde die provisorische Niederlassung in der Jagdschlossgasse bald zu klein. Man mußte an den Bau eines eigenen Klosters denken.

1910: Gründung des Klosters Lainz

Glasfenster mit dem Bild der Gräfin Sophie von Hohenberg Die große Förderin der Kamillianer: Gräfin Sophie von Hohenberg.

Zur großen Förderin und Fürsprecherin des Ordens wurde die Herzogin Sophie von Hohenberg, Gemahlin des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, die beide am 28. Juni 1914 in Sarajewo dem Attentat zum Opfer fielen. Als P. Christian Adams 1909 den Grafen Lazy Henckel von Donnersmarck auf seinem schlesischen Landgut Naklo bei Tarnowitz besuchte, lernte er dort auch dessen Schwiegertochter, Gräfin Henckel-Kinsky, kennen. Sie wohnte in Berlin; ihre Cousine war die genannte Herzogin Sophie von Hohenberg. Gräfin Henckel-Kinsky verstand es, die Herzogin von Hohenberg für den Kamillianerorden zu interessieren. P. Adams wurde zu einer Audienz ins Schloß Belvedere eingeladen, wo der Thronfolger residierte. Sophie von Hohenberg versprach, sich der Sache der Kamillianer anzunehmen. Bei den geistlichen und weltlichen Behörden erreichte sie, dass der Orden Seelsorgestellen im Allgemeinen Krankenhaus, im Wiedener Spital, in der Rudolfstiftung, in den Neuen Kliniken und im Kaiser Josef-Spital bekam.

Die Grafen Lazy und Arthur Henckel von Donnersmarck stellten für den Bau des Klosters 40.000 Kronen zur Verfügung - fast die Hälfte der gesamten Bausumme. Die Gemeinde Wien erklärte sich bereit, gegenüber vom Versorgungsheim unter günstigen Bedingungen ein Grundstück zu verkaufen. So konnte die Grundsteinlegung am 15. August 1909 erfolgen. Am 28. August 1910 weihte der Apostolische Nuntius, Fürst Granito di Belmonte, das Kloster Lainz mit der Kapelle „Maria, Heil der Kranken” in der Versorgungsheimstraße feierlich ein. Die farbigen Glasfenster im Treppenaufgang des Klosters halten die Erinnerung an ihn und die adeligen Wohltäterinnen und Wohltäter des Hauses fest.


Das Kamillianerkloster Wien-Lainz.
 

Am 8. November 1911 wurde die Kapelle mit einem (heute nur noch teilweise vorhandenen) Altar einer Holzschnitzfirma aus dem Grödner Tal in Südtirol ausgestattet. Über dem Tabernakel befand sich das Bild „Maria, Heil der Kranken”, eine Nachbildung des wundertätigen Gnadenbildes in der Magdalenakirche des Mutterhauses in Rom. Die Glasfenster mit Darstellungen der Caritasheiligen Gregor des Großen, Karl Borromäus, Ludwig, Elisabeth und Martin geben dem Raum eine besondere Würde. Als in den folgenden Jahren um das Kloster herum eine neue Siedlung entstand und die Anwohner auch an den Gottesdiensten im Kamillianerkloster teilnehmen wollten, bekam die Kapelle ein schönes Eingangsportal. Seit dem Jahr 1927 ruft die Kamillusglocke im Turm die Anwohner zum regelmäßigen Sonntagsgottesdienst.

Kapelle des Kamillianerkloster Lainz heute Kamillianerkloster Wien-Lainz mit Blick zur Kirche St. Karl Borromäus.
 

Im Ersten Weltkrieg wurde das Kloster als Rekonvaleszentenheim des Roten Kreuzes in Anspruch genommen. Am 14. Dezember 1914 kamen die ersten verwundeten Soldaten aus dem gegenüberliegenden Jubiläumsspital hierher. Wegen der schwierigen Lebensmittelbeschaffung für die rund 30 Bewohner wurde das Erholungsheim nach zweieinhalb Jahren wieder geschlossen. In dieser Zeit hatte das Haus insgesamt 334 verwundete Soldaten beherbergt.

Seelsorge für die Kranken, die Ärzte und das Pflegepersonal

Anders als in den anderen Ordensprovinzen, wo die Kamillianer eigene Krankenanstalten unterhielten, standen für die Kamillianer in Österreich von Anfang an die Krankenhausseelsorge und die seelsorgliche Begleitung der Ärzte und des Pflegepersonals im Mittelpunkt. Neben der Seelsorge in der „Versorgung” in Lainz mit ihren 5.000 Betten übernahmen sie im selben Jahr 1906 auch die Seelsorge im Bürgerversorgungsheim Währinger Straße (9. Bezirk, 550 Betten). Weitere Spitäler folgten: 1907 das Versorgungshaus in Liesing (800 Betten), 1908 das Allgemeine Krankenhaus in der Alserstraße (2.000 Betten) und das Wiedener Spital im 4. Bezirk (550 Betten), 1909 die Neuen Universitätskliniken in der Spitalgasse, das Seehospiz Pelagio in Istrien für 250 Kinder und das Spital der Elisabethinen auf der Landstraße (3. Bezirk, 150 bis 200 Betten), 1910 das Kaiser Franz Josef-Spital in Wien 10. mit 1.000 Betten sowie die Rudolfstiftung im 3. Bezirk (1.000 Betten) und 1913 schließlich das Kaiser-Jubiläumsspital in Lainz (heute Krankenhaus Hietzing, damals 1.300 Betten).

Kapelle des Kamillianerkloster Lainz heute Die Hauskapelle und Pfarrkirche Maria, Heil der Kranken. Der Tabernakel in Kugelform erinnert an die Gegenwart Christi und trägt die Aufschrift:
„Auch wenn die Welt sich ändert, das Kreuz steht fest.”

Im Jahr 1913 waren bereits 20 Kamillianer in Wiener Spitälern eingesetzt, die mehr als 13.000 Kranke betreuten. In der Zeit des Ersten Weltkriegs und später kam die Seelsorge für die unzähligen Kriegsversehrten hinzu.

Weitere Spitäler, an denen Kamillianer in den folgenden Jahren die Seelsorge übernahmen: ab 1916 im Frauenspital im Asyl für Obdachlose (12. Bezirk, 1921 nach Klosterneuburg verlegt, 400 bis 500 Betten), ab 1920 in der Pflegeanstalt Steinhof (14. Bezirk, 4.000) Betten) und im Orthopädischen Spital (5. Bezirk, 1.000 Betten, hauptsächlich für Kriegsversehrte), ebenfalls ab 1920 im Kaiserin-Elisabeth-Spital (15. Bezirk, 550 Betten), ab 1926 im Wilhelminenspital (16. Bezirk, 1.300 Betten), ab 1935 im Versorgungsheim in der Meldemannstraße (20. Bezirk, 700 Betten) und ab 1938 die Lungenheilstätte Baumgartner Höhe (14. Bezirk, 1.000 Betten).

Bald waren die Ordensleute mit dem roten Kreuz auf dem schwarzen Ordensgewand in ganz Wien bekannt. In 18 Krankenanstalten betreuten sie weit über 22.000 Patienten. Dieser fast unvorstellbare Einsatz war nur möglich, weil die Kranken in Sälen mit bis zu 30, 35 Betten untergebracht waren. Die Aufgabe der Kamillianer bestand im täglichen Besuch der Kranken, in der Spendung der Sakramente, in der sonntäglichen Predigt und in der Einsegnung der Verstorbenen. Auch von dem Privileg, das Papst Pius X. dem Kamillianerorden verliehen hatte, nämlich die heilige Messe im Krankenzimmer feiern zu dürfen, machten sie reichlich Gebrauch.

1914: Das Hilaribergl wird Studienhaus

Bald zeigte sich für die deutsche Provinz die Notwendigkeit, auch in Österreich jungen Menschen den Weg in den Orden zu ermöglichen. Auch die Ordensleitung in Rom drängte darauf. Die Hoffnungen auf zahlreichen und guten Ordensnachwuchs aus Westösterreich und vor allem auch aus Südtirol waren gut begründet. Nach langen und ergebnislosen Verhandlungen mit dem Erzbischof von Salzburg, Kardinal Johann Katschthaler, fand sich unerwartet eine Lösung. In Tirol, am „Bergl” bei Kramsach, konnten am 12. August 1913 die Wallfahrtskirche der ehemaligen Einsiedelei Hilariberg und das dazugehörige Hospiz käuflich erworben werden. Hier wurde mit 15 Schülern am 26. April 1914 das erste Studienhaus (Juvenat) auf österreichischem Boden eröffnet. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges drei Monate später, 8. August 1914, bereitete freilich allen Hoffnungen ein Ende. Am 17. Mai 1917 schloss das Juvenat Hilariberg vorläufig seine Pforten.


Das Studienhaus im Kloster Hilariberg.
 

Ein neuer Versuch wurde nach dem Ersten Weltkrieg unternommen, als man am 17. April 1921 das Noviziat der Deutschen Provinz nach Hilariberg verlegte. Finanzielle Schwierigkeiten, Krankheitsfälle und mangelnde Arbeitsmöglichkeiten für die Novizen führten dazu, daß sie am 14. September 1922 das „Bergl” wiederum verließen und das Noviziat nach Vaals in Holland wanderte.

Ein verstorbener Novize wurde in der Nähe des Hauses begraben. So entstand der kleine Kamillianerfriedhof, der heute acht Gräber zählt. In den folgenden Jahrzehnten diente das so idyllisch im Wald gelegene Kloster den Ordensleuten, besonders aus der Großstadt Wien, zur sommerlichen Erholung. 1942 musste das Haus wegen der Kriegslage geschlossen werden und wurde zum Auffanglager für Umsiedler aus dem Banat. Vermutlich wegen seiner Abgeschiedenheit entging das Kloster der bereits beschlossenen Enteignung durch die Nationalsozialisten, die sich gerade „im Heiligen Land Tirol” mit Gauleiter Franz Hofer an der Spitze als besonders hartnäckige Kirchenfeinde gebärdeten.

Auch in Tirol konnte der Orden seinen segensreichen Dienst an den Armen und Kranken entfalten. Vom Kloster Hilariberg aus übernahmen Kamillianer 1923 die Krankenseelsorge im Allgemeinen Krankenhaus in Innsbruck und 1926 auch in der westlich von Innsbruck gelegenen Lungenheilstätte Hochzirl.

1926: Den Kamillianern wird die Seelsorge in der Versorgung und im Jubiläumsspital genommen.

Nach dem Zusammenbruch im Jahr 1918 musste 1920 die christlich-soziale Mehrheit im Rathaus den Sozialdemokraten das Feld räumen. Dieser Wechsel hatte zur Folge, dass der Wiener Gemeinderat am 21. Mai 1926 ohne Angabe von Gründen die Verträge mit dem Kamillianerorden bezüglich der Seelsorge in den „Prestige-Objekten” Versorgung Lainz und Jubiläumsspital kündigte. So musste für das Kloster Lainz eine neue Bestimmung gefunden werden. Zum 1. November 1927 wurde es unter dem Präfekten P. Wilhelm Meyer in ein Exerzitienhaus umgewandelt, das Platz für 20 bis 30 Personen bot.

Es wurden Exerzitienkurse und Einkehrtage angeboten für Männer und Frauen, Akademiker und Nichtakademiker, Rekruten, Messdiener, Krankenpflegerinnen usw., auch in böhmischer und slowakischer Sprache. Die Kamillianer selbst hielten ungefähr 110 Kurse ab. Als auswärtige Exerzitienleiter kamen so bekannte Persönlichkeiten wie der Bundeskanzler und Prälat Dr. Ignaz Seipel, Akademikerseelsorger Dr. Karl Rudolf oder Jesuiten wie Johann Andreas Jungmann und Peter Lippert.

Den Umschwung brachte die erste Regierung unter Engelbert Dollfuß. Am 16. Januar 1933 wurde zunächst P. Jakob Jenni als Kurat im Versorgungsheim erneut angestellt. Als in Wien der christlich-soziale Bürgermeister Richard Schmitz sein Amt antrat, konnten am 1. Mai 1934 zwei weitere Kamillianer im Jubiläumsspital wieder ihren Dienst aufnehmen. Die übrigen Seelsorgestellen im Versorgungsheim erhielt der Orden dann in den Jahren 1936 und 1937 zurück.

1930: Ein neuer Anlauf für das Juvenat: Wimpassing

Die Weltwirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit führten gegen Ende der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zu einem gesteigerten Interesse an geistlichen Berufen. Angesichts der hohen Zahl der Bewerber mussten die Diözesen eine scharfe Auslese treffen und viele durchaus auch geeignete Bewerber ablehnen. So berichtet die Chronik der Kamillianer, dass sich 1929 in der Erzdiözese Wien 200 Knaben zum Priesterstand gemeldet hätten und nur 30 von ihnen aufgenommen würden. Dank der guten Beziehungen zum Nuntius war es den Kamillianern möglich, sich unter den Abgewiesenen geeignete Bewerber herauszusuchen.


Die ehemalige Minoritenkirche in Wimpassing an der Leitha.
 

Die Gunst der Stunde nutzend, unternahmen die Kamillianer einen neuen Anlauf zur Gründung eines Studienhauses für den österreichischen Ordensnachwuchs. Eine Gelegenheit fand sich in Wimpassing an der Leitha im Burgenland.

Als zuständiger Patronatsherr erklärte sich Fürst Paul V. Esterházy bereit, unter bestimmten Auflagen den Kamillianern die Kirche und das ehemalige Minoritenkloster als Schenkung zu überlassen. So wurde am 15. September 1930 das Kamillianerkloster Wimpassing feierlich eröffnet und in den Räumen ein Kleines Seminar mit einem Privatgymnasium eingerichtet. Waren es anfangs nur 17 Schüler, so studierten hier im Juli 1936 bereits 37 junge Männer. Die meisten kamen aus Westungarn und aus dem Burgenland.

Erster Pfarrer und Superior in Wimpassing war bis 1937 P. Jakob Jenni. Sein Nachfolger wurde P. Josef Meyer, der nach dem Zweiten Weltkrieg erneut mit der Leitung des Hauses betraut wurde. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich am 12. März 1938 fand die kurze Blütezeit des Klosters Wimpassing ein rasches Ende. Am 3. Februar 1939 schlossen die Behörden die Schule samt Internat. Innerhalb von sechs Tagen mußten die Schüler zu ihren Eltern zurückgeschickt werden. Am 27. Juli 1941 wurde das Kloster unter der Anschuldigung der Staatsfeindlichkeit von der Geheimen Staatspolizei aufgehoben. Die Ordensleute mussten das Haus verlassen. Das gesamte bewegliche und unbewegliche Eigentum wurde als volks- und staatsfeindliches Vermögen beschlagnahmt. Alles Vieh, die landwirtschaftlichen Maschinen und das Mobiliar wurden abtransportiert. Da jedoch bereits mehrere Mietverträge bestanden, konnte das Kloster nicht mehr für Parteizwecke verwendet werden. Trotz der genannten Schwierigkeiten sind aus Wimpassing zwar nur wenige, aber tragende Kräfte zum Aufbau der späteren österreichischen Kamillianerordensprovinz hervorgegangen.

Kamilluskirche
Die Kamilluskirche im Wiener Wilhelminenspital,
1935-36 erbaut von H. Paletz im Stil der "neuen Sachlichkeit".

P. Florenz Pipping Missionar und Pionier der Kamillianerordensprovinz (1875-1940)
P. Florenz Pipping Missionar und
Pionier der Kamillianerordensprovinz
(1875-1940).
 

1936: Die erste Kamilluskirche in Österreich

„Wenn die Kirche groß genug ist, im Innern schön ausgestattet und einen tüchtigen Seelsorger hat, der für einen würdigen Gottesdienst sorgt, dann werden die Leute schon kommen.” So der bekannte Wiener Pastoraltheologe Heinrich Svoboda. Zum Kummer der Kamillianer-Seelsorger waren in den meisten weltlichen Spitälern die Krankenhauskapellen viel zu klein.

Nur P. Dr. Florenz Pipping gelang es, im Wiener Wilhelminenspital eine der Größe der Anstalt entsprechende Kirche zu bauen. Dank seiner guten Beziehungen zum Nuntius Dr. Heinrich Sibilia, dessen Beichtvater er war, hatte P. Pipping den Kirchbau gegen den nicht geringen Widerstand seitens des Spitalsträgers durchgesetzt. Als erste und noch immer einzige Kamillus-Kirche in Österreich wurde sie am 30. Oktober 1936 von Kardinal Dr. Theodor Innitzer feierlich eingeweiht. Architekt der 200 Sitzplätze umfassenden Kirche war Heinrich Paletz. Doch die Freude währte nur kurz: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Kirche am 14. April 1939 profaniert und in ein Versammlungshaus der Nationalsozialistischen Partei umgewandelt. Den Psalmvers an der Orgelempore ersetzte die Parole „Arbeit macht frei”. Erst im Jahr 1955 konnte die Kamilluskirche restauriert und wieder eingeweiht werden.

Krankenseelsorge auf der Höhe der Zeit

Die Kamillianer waren in nahezu allen großen Krankenhäusern der Stadt Wien vertreten. Neben der Krankenseelsorge zählte zu ihren Aufgaben auch die Begleitung der Ärzte und des Krankenpflegepersonals sowie der Unterricht an den Krankenpflegeschulen.

Zur geistigen und geistlichen Weiterbildung des Pflegepersonals hatte P. Dr. Josef Tongelen bereits 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, im Allgemeinen Krankenhaus die „Marianische Kongregation der weltlichen Krankenpflegerinnen” ins Leben gerufen. Dasselbe Ziel hatte die 1918 im Kloster Lainz gegründete Vereinigung „Maria, Heil der Kranken”. In 25 Krankenhäusern hielten Kamillianer über Jahre hinweg zweimal monatlich Vorträge zur Fortbildung der weltlichen Schwestern.

Pater Dr. Robert Svoboda
Pater Dr. Robert Svoboda (1904-1970)

Für die Patienten gründeten Kamillianer-Seelsorger in einer Reihe von Spitälern Krankenhausbibliotheken. 1937 waren es 16 Bibliotheken mit fast 9.000 Büchern. Auch außerhalb der Krankenhausmauern gestalteten Kamillianer das geistige und kirchliche Leben engagiert mit: durch Schulunterricht, Aushilfen im Beichtstuhl und auf der Kanzel, durch Exerzitienkurse und Einkehrtage, religiöse und wissenschaftliche Vorträge, schriftstellerische Arbeiten, im Apostolat für Frauen, bei Krankenfesten im Stephansdom.

Vor allem ist hier an den späteren Provinzial P. Dr. Robert Svoboda zu erinnern. Im Auftrag von Kardinal Dr. Theodor Innitzer gründete er 1935 in der Erzdiözese Wien das „Krankenapostolat” und das „Blindenapostolat Österreichs”. Letzteres war eine europaweite Gebetsgemeinschaft von Blinden, die aus Frankreich und der Schweiz nach Österreich gelangt war. Im selben Jahr rief er die „Katholische Schwesternschaft Österreichs” ins Leben. Ende 1936 zählte der Verband bereits 5.100 Mitglieder. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Veronika” hatte 1.300 Abonnenten.

Das zweite von P. Svoboda herausgegebene Blatt, der „Gruß ans Krankenbett”, existiert noch heute. Dieser Krankenbrief erschien wöchentlich in einer Auflage von 1.250 Stück. Unter dem Titel „Christus grüßt die Kranken” schrieb P. Svoboda auch im Wiener Kirchenblatt regelmäßig Beiträge. Selbst im Radio war seine Stimme zu hören. Seine „Stunde der Kranken” wurde in den Jahren 1936 bis 1938 54-mal gesendet.

15. November 1939: Alle Kamillianer müssen die Krankenhäuser der Stadt Wien verlassen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich 1938 führte zu massiven Einschränkungen in der Krankenhausseelsorge. Öffentliches Beten in Krankenzimmern wurde verboten, ebenso die Verteilung religiöser Schriften und von Rosenkränzen und nicht zuletzt das Anbringen von Kreuzen in den Krankenzimmern. Die engagierte Seelsorgearbeit der Kamillianer musste den neuen Machthabern bald ein Dorn im Auge sein.

So wurden plötzlich und ohne Angabe von Gründen seitens der Stadt Wien am 15. November 1939 alle Dienstverträge der Kamillianer in den zehn Wiener Krankenanstalten gekündigt. Dabei handelte es sich um Seelsorgedienste im Krankenhaus Lainz (heute Hietzing) und im Versorgungsheim, in der Pflegeanstalt Am Steinhof und in der Lungenheilstätte Baumgartner Höhe, im Allgemeinen Krankenhaus, im Wilhelminenspital, in der Rudolfstiftung, im Kaiser Franz Josef-Spital, im Krankenhaus Wieden sowie im Kaiserin Elisabeth-Spital. Auch eine Unterredung mit dem nationalsozialistischen Bürgermeister Hermann Neubacher konnte an der harten Entscheidung nichts ändern.

In einem Schreiben vom 15. Dezember 1939 an Provinzial Dr. Robert Svoboda sprach Kardinal Innitzer sein Bedauern über den Abschied der Kamillianer aus und dankte dem Orden für seine aufopferungsvolle Arbeit: „Durch mehrere Jahrzehnte haben die hochwürdigen Patres auf dem schweren Gebiet der Spitalsseelsorge mit vielem Eifer und aufopfernder Selbstverleugnung gearbeitet, vielen Tausenden von Kranken in den schwersten Stunden beigestanden ... Gott allein weiß die vielen Opfer und Mühen der hochwürdigen Patres und wird sie belohnen ... Ich hoffe, dass dieselben bald wieder in der Seelsorge der Erzdiözese werden mitwirken können.”

Innerhalb von zwei Wochen mussten die Kamillianer-Seelsorger die Spitäler verlassen und ihre Dienstwohnungen räumen. Nur wenige fanden in kirchlichen Einrichtungen eine Anstellung. Die meisten zerstreuten sich. Ein größerer Teil fand in den Kamillianerklöstern Oberschlesiens Aufnahme. Vier Kamillianer übernahmen seelsorgliche Verpflichtungen in sudetendeutschen Pfarrgemeinden. Die Nachfolger der Kamillianer in der Krankenhausseelsorge, meist Ordensleute aus anderen Gemeinschaften, erklärten, bei einer möglichen Rückkehr der Kamillianer sofort von ihren Posten wieder zurücktreten zu wollen.

Das Kloster in Lainz wurde am 26. Mai 1941 beschlagnahmt und diente wie schon im Ersten Weltkrieg als Lazarett.

II. Österreich als eigenständige Ordensprovinz

12. April 1946: Gründung der Provinz

1945, zu Ende des Zweiten Weltkrieges, war Deutschland wie Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Für den damaligen Provinzial der deutschen Provinz, P. Dr. Robert Svoboda, war es unmöglich, die Leitung der zur Provinz gehörenden Klöster in Polen, Österreich, Holland und den Vereinigten Staaten wahrzunehmen. Deshalb entschloss sich die Ordensleitung in Rom zur Teilung der Provinz. Die bisher von der deutschen Provinz abhängigen Ordensgründungen in Polen, Holland, USA und Österreich wurden zu selbstständigen Provinzen erklärt.

Die Gründung der österreichischen Provinz erfolgte am 12. April 1946. Der letzte Provinzial der alten deutschen Provinz, P. Svoboda, trat am 27. Mai 1946 sein neues Amt nunmehr als Provinzial der österreichischen Provinz an. Sie zählte 26 Patres, fünf Ordensbrüder und acht Postulanten, die zu zwei Dritteln aus Deutschland stammten. Die Ordensleute begannen sofort mit dem Aufbau der neuen Provinz. Um das Kamillianerkloster Wien wurde am 1. Juni 1946 die Pfarre „Maria, Heil der Kranken” errichtet und P. Alexander Hamvai zum Pfarrer ernannt.

An erster Stelle standen die Gewinnung und Ausbildung des Ordensnachwuchses. Das Kloster Hilariberg wurde 1946 wieder für den Ordensnachwuchs bestimmt und P. Franz Segbart zum Superior ernannt. Die Leitung des Studienhauses mit sechs Postulanten übernahm P. Fritz Neuberger.

Erneutes Engagement in der Krankenhausseelsorge

Die Haupttätigkeit der Kamillianer in Österreich war immer die Krankenseelsorge in den öffentlichen Spitälern. Dieser Linie folgte auch die junge österreichische Provinz durch die erneute Übernahme von Seelsorgediensten in den wichtigsten Krankenanstalten der Bundeshauptstadt Wien: so 1945 in der Rudolfstiftung, im Wilhelminenspital, in den Neuen Universitätskliniken, im Altersheim Lainz (jetzt Geriatriezentrum am Wienerwald) und im Krankenhaus Lainz, dem früheren Jubiläumsspital (heute Krankenhaus Hietzing), in der Pflegeanstalt Steinhof und 1946 auch auf der Baumgartner Höhe und im Kaiser-Franz-Joseph-Spital. Außerhalb Wiens wurde die Seelsorge seit 1945 wieder am Allgemeinen Krankenhaus Innsbruck (bis 1968), in der Heilanstalt Hall in Tirol sowie in der Lungenheilstätte Hochzirl (bis 1968) übernommen und seit 1947 auch im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams.

1947: Kinderheim Wimpassing


Kirche und Kinderheim Wimpassing.
 

Im November 1945 wurden Kirche und Kloster Wimpassing an der Leitha dem Orden zurückgegeben, wenn auch in einem durch die Kriegseinwirkungen schwer beschädigten Zustand. Als P. Josef Meyer am 5. November 1945 als erster Kamillianer wieder nach Wimpassing kam, fand er buchstäblich nichts mehr vor und musste ganz von vorn beginnen. Die Instandsetzungsarbeiten an Kirche und Kloster zogen sich wegen der schwierigen Materialbeschaffung und aus Geldmangel lange Zeit hin. Das Kloster sollte wieder einem sozialen Zweck zugeführt werden. So entschloss sich der Orden, ein Kinderheim zuerrichten. Man dachte dabei an die vielen Kinder, die im Krieg ihre Eltern verloren hatten und zu Halb- oder Vollwaisen geworden waren, aber auch an Kinder von Eltern, die für sie nicht sorgen konnten oder wollten. Die Sorge um die Armen und Kranken entsprach ja durchaus dem Aufgabenbereich des Ordens. Angesichts der großen Not in der Nachkriegszeit war dieses Vorhaben dennoch ein großes Wagnis, das später höchste Anerkennung erfuhr.


Kinderheim Wimpassing.
 

Mit zwölf Kindern wurde am 6. Februar 1947 das Kinderheim Wimpassing eröffnet. Im Herbst war die der jungen Bewohner bereits auf fünfzig angewachsen. 1969 waren es dann fast hundert, darunter 30 Mädchen. Die Betreuung übernahmen acht Hedwigschwestern. Zur größten Sorge von P. Meyer wurde die Beschaffung von Kleidung und Lebensmitteln. Die Kinder besuchten teils den Kindergarten in Wampersdorf, teils die Volksschule Wimpassing. Da jedoch manche Heimkinder am Rande der schulischen Bildungsmöglichkeiten standen, wurde 1949 in den Klosterräumen eine eigene Landessonderschule gegründet. 24 Kinder aus dem Heim und vier aus dem Ort wurden der neuen Sonderschule zugewiesen und auf zwei Schulklassen aufgeteilt. Die Sonderschule Wimpassing für Schwachbefähigte (Sprach- und Körperbehinderte) war die erste dieser Art im ganzen Burgenland. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wuchs stark an. Schon im zweiten Schuljahr wurde die Einrichtung einer dritten Klasse notwendig. 1958 entschloss sich P. Meyer zu einem Neubau, der am 19. Dezember 1960 eingeweiht wurde. Nach über zwanzig Jahren legte P. Meyer am 24. Jänner 1969 die Leitung des Hauses zurück. Seitdem entwickelte sich das Heim in Wimpassing zu einem Wohnheim für junge Menschen mit Behinderung. 1986 erlebte das Wohnheim mit 48 Burschen und Mädchen unter der Leitung von P. Rudolf Nyikos (in Wimpassing 1971 bis 1996) noch einmal einen Höhepunkt. 1996 wurde die Trägerschaft des Behinderten- und Pflegeheims der Caritas der Diözese Eisenstadt übergeben.

1948: Kloster Hilariberg wird Noviziatshaus

Im Kloster Hilariberg betrug die Zahl der Postulanten 1947 bereits 27. Das Haus wurde zu klein; mehr als die Hälfte der Schüler musste auswärts untergebracht werden. Verhandlungen mit Ordensschwestern im Kloster Wampersdorf in Niederösterreich zerschlugen sich. Vorübergehend fand das Juvenat in St. Reginald in Schloss Wolfsberg bei Krems Unterkunft. Doch Niederösterreich lag in der russischen Zone. Das brachte eine Reihe von Einschränkungen mit sich.

Nach dem Auszug des Juvenats aus dem Kloster Hilariberg war hier nun Platz für das Noviziat. Mit zwei Bruder-Novizen wurde es am 7. Dezember 1948 eröffnet. Novizenmeister war P. Albert Brucherseifer. In der Ordensausbildung folgt auf das Noviziat das Scholastikat, das philosophische und theologische Studium. Auch das Scholastikat der Provinz wurde am 12. Dezember 1950 im Kloster Hilariberg eröffnet. Zu Ende des Jahres wohnten im Haus bereits fünf Novizen und fünf Scholastiker. Zu den weiteren theologischen Studien gingen sie dann ab 1952 nach Münster-Sudmühle. 1955 feierte als erster Neupriester der Österreichischen Provinz P. Dr. Josef Vladimir Policha seine Primiz. Seit 1981 betreut er als Rektor die Wallfahrtskirche Hilariberg.

1950: Die Kamillianer kommen nach Pfaffing in Oberösterreich

Auf der Suche nach einer endgültigen Heimat für das bisher in Wolfsberg untergebrachte Juvenat richteten die Kamillianer den Blick auf das von den Amerikanern besetzte Oberösterreich. In Pfaffing in der Pfarre Vöcklamarkt konnten sie den leerstehenden Pfarrhof übernehmen und gründeten dort am 28. November 1950 ihre erste Niederlassung in der Diözese Linz. Die Buben aus Wolfsberg zogen ein, und sogleich begann der Schul- und Internatsbetrieb. Aus rechtlichen Gründen wurde die Schule als Filiale des Borromäums in Salzburg geführt. Doch auch der Pfarrhof in Pfaffing erwies sich bald als zu klein. Als die Kamillianer 1955 das ehemalige Schloß Losensteinleiten erwarben, hatte das eine völlige Neuorganisation der Provinz zur Folge. Das Juvenat kam nach Losensteinleiten; das Noviziat und das Scholastikat wurde vom Hilariberg nach Pfaffing transferiert. Kloster Hilariberg wurde wieder Erholungshaus.

Von 1955 bis 1968 diente das Kloster in Pfaffing dann als gemeinsamer Studienort für Scholastiker aus der österreichischen, der deutschen und der holländischen Ordensprovinz, die zuvor zum Philosophiestudium im Kloster Hilariberg untergebracht waren. Vier Jahre lang stand das Ordenshaus in Pfaffing dann leer, bis 1972 die Räume an den neugegründeten Verein „Lebenswertes Leben” vermietet wurden, der hier bis zur Eröffnung von Altenhof (1978) ein Heim für Körperbehinderte einrichtete, das „St. Kamillus-Wohnhaus”.

Von Anfang an hatten die Kamillianer auch seelsorgliche Aufgaben in Vöcklamarkt und in den umliegenden Pfarren übernommen.

1955: Neues Ordenszentrum in Losensteinleiten

Das ehemalige Kamillianerkloster Losensteinleiten (1955-1997)
Schloss Losensteinleiten bei Steyr in Oberösterreich.

Am 7. April 1955 erwarben die Kamillianer den ehemaligen Herrensitz der fürstlichen Familie von Auersperg in Losensteinleiten bei Steyr in Oberösterreich. Am 17. Oktober wurde in dem adaptierten Schloss das Kloster eingeweiht.


Das Privatgmnasium der Kamillianer in Losensteinleiten.
 

Am 1. September öffneten das Privatgymnasium und das „Josephinum” genannte Juvenat seine Pforten. Die Studenten der ersten bis sechsten Klasse Gymnasium wurden als Externisten des Stiftsgymnasiums Kremsmünster geführt. Die 7. und 8. Klasse absolvierten sie dann direkt im Stiftsgymnasium. Untergebracht waren die Schüler dort in einem Privatinternat der Kamillianer in der Pension Wilhelm nahe dem Stift Kremsmünster. 1968 erlangte das Privatgymnasium Losensteinleiten das Öffentlichkeitsrecht. Erster Direktor und Internatsleiter wurde P. Fritz Neuberger, der am 19. März 1959 starb. Seine Nachfolger waren P. Leonhard Gregotsch und zuletzt P. Dr. Anton Gots.


P. Fritz Neuberger (1918-59) hat viele junge Menschen für den Kamillianerorden begeistert.
 

Durchschnittlich sechs Patres waren in Unterricht, Erziehung und Verwaltung tätig. Zugleich arbeiteten sie auch in der Seelsorge im Dekanat Steyr und in der gesamten Diözese mit sowie in den Krankenhäusern in Linz.

1958: Das Noviziat kehrt zum Hilariberg zurück

1958 wurde auf Veranlassung des Generaloberen P. Carl Mansfeld, der das in der Stille des Waldes gelegene Kloster Hilariberg 1956/57 besucht hatte, Hilariberg wieder zum Noviziatshaus bestimmt, und zwar gemeinsam für die österreichische, die deutsche und die holländische Provinz. Die Unzulänglichkeiten der Wohnräume beseitigte man durch umfangreiche Sanierungen und Ausbauten. Superior und Novizenmeister wurde P. Alexander Hamvai. Als im Frühjahr 1960 die Erneuerungsarbeiten abgeschlossen waren, legten fünf junge Männer ihre zeitlichen Gelübde ab, und fünf weitere begannen mit dem Noviziat. In Anwesenheit des Generaloberen P. Carl Mansfeld, der als Amerikaner das Kloster in Tirol besonders ins Herz geschlossen hatte, fand 1963 die Festfeier „50 Jahre Hilariberg” statt. Mit elf neuen Novizen hatte das Haus in diesem Jubiläumsjahr zugleich seine Höchstzahl erreicht. 1966 legten am Bergl die letzten vier Novizen ihre zeitlichen Gelübde ab. Die neue Ausbildungsordnung verlangte für den Ordenseintritt die Matura. Mangels Novizen wurde das Noviziat im Kloster Hilariberg 1966 geschlossen.

Insgesamt hat das Noviziat am „Hilaribergl” in den 15 Jahren seines Bestehens seit dem Zweiten Weltkrieg 63 Novizen beherbergt. Die meisten Mitglieder der österreichischen Provinz haben hier die Grundlagen für ihr Ordensleben erhalten.

Das Engagement der Kamillianer in der Krankenhaus- und Behindertenseelsorge wächst

1955 wurden die ersten Kamillianer nach dem Zweiten Weltkrieg geweiht. Deshalb war es möglich, von Losensteinleiten aus die Seelsorge in einigen oberösterreichischen Krankenhäusern zu übernehmen: 1956 im Allgemeinen Krankenhaus in Linz, 1966 im Landeskinderkrankenhaus Linz, 1967 im Krankenhaus der Kreuzschwestern in Wels, 1968 im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz und im Krankenhaus der Kreuzschwestern und im Altenheim St. Josef in Sierning.

Die reichen Erfahrungen der Kamillianer führten dazu, dass sie in Wien, Linz und Salzburg mit der Koordination der Krankenhausseelsorge in der jeweiligen Diözese beauftragt wurden. Auch in ihrer Sorge um Menschen mit Behinderung gingen die österreichischen Kamillianer neue Wege. In Oberösterreich gründete der Orden eine Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Behindertenarbeit. 1964 wurde ebenfalls in Oberösterreich auf nationaler und internationaler Ebene das Blindenapostolat begründet. Auf gesamtösterreichischer Ebene wurde die Arbeitsgemeinschaft Ordensspitäler gegründet, die alle Ordensspitäler in Österreich umfasst.

Die Kamillianer engagierten sich auch bei Einkehrtagen, Exerzitien, Kongressen für das Pflegepersonal, in Selbsthilfegruppen sowie im Unterricht in den Krankenpflegeschulen. In ihrer umfangreichen literarischen Tätigkeit wendeten sich die Kamillianer Fragen und Problemen des Krankenhauswesens, der Krankenpastoral sowie der Alten- und Behindertenseelsorge zu. Manche Bücher von P. Gots wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

1968: Die Kamillianer in Salzburg


Das Kolleg St. Kamillus in Salzburg.
 

1968 gründeten die Kamillianer auch in Salzburg eine Niederlassung. Die private Hochschule in Pfaffing bei Vöcklamarkt, an der die Scholastiker der deutschen, holländischen und österreichischen Provinz Philosophie studiert hatten, wurde geschlossen. So suchte die österreichische Provinz für ihre Studenten in einer Universitätsstadt ein eigenes Haus. Am 1. August 1968 zogen die ersten Scholastiker in das neue Studienhaus in der Hugo von Hofmannsthal-Straße im Salzburger Stadtteil Parsch ein. Es erhielt den Namen Kolleg St. Kamillus.

Im selben Jahr wurde die Niederlassung der Kamillianer in Innsbruck aufgegeben. Das Kloster Hilariberg wurde dem Haus Salzburg angegliedert und diente wiederum als Exerzitien- und Erholungshaus. Mit 1. November 1970 wurde es an die Union der Dominikanerinnen verpachtet. Die Schwestern nutzten das Kloster als Provinzialat sowie als Wohn- und Erholungsheim für ältere Menschen. Ein Kamillianer bleibt zur Betreuung der Schwestern und als Wallfahrtseelsorger zurück. Mit einem Festgottesdienst mit dem damaligen Salzburger Erzbischof Dr. Georg Eder wurde am 29. Oktober 1989 das 300jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche am Hilariberg gefeiert.


Pfarrkirche St. Johannes,
Landeskrankenhaus Salzburg.
 

Vom Kolleg St. Kamillus aus begann die Seelsorge der Kamillianer in den Krankenhäusern und Altenheimen der Stadt: 1969 im Unfallkrankenhaus (allerdings nur für ein Jahr) und 1972 in der Landesnervenklinik (heute Christian-Doppler-Klinik). Ebenfalls 1972 begannen zwei Mitbrüder in der Pfarre St. Johannes am Landeskrankenhaus mitzuarbeiten; 1973 übernahmen sie die Leitung.

1973 haben Kamillianer auch die Leitung des Kranken-, Blinden- und Behindertenreferats der Erzdiözese Salzburg übernommen. Seit 1998 umfasst das Referat nur noch die Krankenpastoral. Die Seelsorge in zwei Altenheimen im Nonntal gehörte für drei Jahre (1983 bis 1986) ebenfalls zum Aufgabengebiet des Ordens. Das Kolleg St. Kamillus selbst verlor seine Funktion als Studienhaus im Jahr 1976 und dient seitdem als Treffpunkt der Salzburger Kommunität und als Urlaubsort für Mitbrüder und ihre Angehörige.

1972: Gründung des Vereins Lebenswertes Leben und Errichtung des Behindertendorfes Altenhof

Auf Initiative von P. Dr. Anton Gots und Frau Christine Szemeredi wurde 1972 der Verein „Lebenswertes Leben - gemeinnütziger Verein zur Förderung der Selbsthilfe Körperbehinderter” gegründet. Frau Szemeredi hatte als Krankenschwester zahlreiche Kontakte zu behinderten Menschen und plante die Gründung einer kleinen Wohngemeinschaft. Obmann des Vereins wurde zunächst P. Paul Haschek und später P. Gots.

1973 gründete der Verein im ehemaligen Kamillianerseminar in Pfaffing bei Vöcklamarkt in Oberösterreich das St. Kamillus-Wohnheim mit 32 Plätzen. Bald zeigte sich, dass die Nachfrage die Möglichkeiten in Pfaffing weit überstieg. Aufgrund der Widmung eines ca. zehn Hektar großen Grundstückes in Altenhof am Hausruck gelang es P. Gots mit Unterstützung des Vereinsvorstandes und des Landes Oberösterreich, im landschaftlich schönen Hausruck die Pläne eines „Behindertendorfes” für Menschen mit körperlicher und mehrfacher Behinderung zu verwirklichen. Dabei handelte es sich um das damals größte Projekt für körperbehinderte Menschen in Österreich. Nach Abschluss der ersten Bau-Etappe am 2. Oktober 1978 waren 91 Plätze verfügbar; 1981 wurden sie auf 170 erweitert. Mit sechs behindertengerechten Wohnhäusern, Personalwohnungen sowie dem Haupt-Haus mit Werkstätten, Therapie-Einrichtungen, einer Cafeteria, Geschäftsräumen, einem Veranstaltungsraum sowie der Kirche St. Kamillus wurde Altenhof am 14. Oktober 1981 eingeweiht.

Das Projekt Altenhof war damals seiner Zeit weit voraus. Erst heute hat sich der damalige Wohnstandard in Einrichtungen für betagte und behinderte Menschen durchgesetzt. Die Zielgruppe des Dorfes hat sich heute von körperbehinderten Menschen hin zu Menschen mit mehrfacher Behinderung bzw. mit neurologischen Störungen gewandelt. So besteht zum Beispiel seit dem Jahr 2003 ein eigenes Förderprogramm für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen.

Das Dorf, wie sich Altenhof heute nennt, stellte sich von Anfang an den Bedürfnissen der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner. So wurden differenzierte Wohnangebote geschaffen. Die Einbeziehung neuer Berufsfelder (Behindertenpädagogen, Psychologen, Neuropsychologen, Sportlehrer, Ergotherapeuten und Mediatoren) sorgt für eine kontinuierliche Qualitätssteigerung. Als erfolgreiche Strategie gegen den Mangel an Pflegekräften und gegen das „Burn-out” der Mitarbeiter/innen in den Pflegeberufen setzt man in Altenhof auf Teilzeitarbeit.

Oberösterreichs Behindertenpolitik befindet sich zurzeit stark im Wandel. So wurde in den letzten Jahren in Abstimmung mit dem Land die Verkleinerung des „Dorfes” auf hundert Bewohner vereinbart. Auch außerhalb des Dorfes stehen jetzt Wohngemeinschaften für sechs Personen, Einzelwohnungen und so genannte Servicewohnungen zur Verfügung. Das wachsende Angebot machte eine neue Rechtskonstruktion notwendig. In diesem Sinn wurde 1999 die gemeinnützige Gesellschaft „Das Dorf GesmbH” gegründet, deren Alleingesellschafter der Verein Lebenswertes Leben ist. Seit 2004 führt die Gesellschaft den Namen „assista Soziale Dienste GmbH”.

Bis 1986 übten die Kamillianer in Altenhof auch die Seelsorge aus. Die kamillianische Präsenz im „Dorf” wird durch zwei Kamillianische Familien garantiert. 1976: Das Privatgymnasium Losensteinleiten schließt seine Pforten

Bis das Privatgymnasium das Öffentlichkeitsrecht erhalten hatte, war es dem Stiftsgymnasium der Benediktiner in Kremsmünster angeschlossen. Im Jahr 1976 fand dann in Losensteinleiten die erste und zugleich letzte Reifeprüfung statt. 18 Priester, darunter 14 Kamillianer sowie ein Ordensbruder, sind aus der Schar der Studenten dieser Jahre hervorgegangen. Infolge der Krise der geistlichen Berufe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil war der Zweck der Schule, die Heranbildung des Ordensnachwuchses, nicht mehr zu erreichen. So musste 1976 das Privatgymnasium der Kamillianer in Losensteinleiten geschlossen werden.

Das ehemalige Schloss wurde zunächst für Exerzitien- und Fortbildungskurse genutzt und konnte 1978 dem Land Oberösterreich vermietet werden. Bis zum Ende des Schuljahrs 1984 beherbergte es eine landwirtschaftliche Fachschule für Mädchen. Der Kamillianerkonvent übersiedelte nach Linz in das ehemalige „Kollegium Theresianum” der Karmeliten in der Mozartstraße.

1981: Gründung der „Gemeinschaft der Kamillianischen Schwestern”

Im Jahr 1981 erwachte in einigen Frauen, die die Kamillianer näher kennen gelernt hatten, der Wunsch, sich in die Spiritualität des hl. Kamillus und seines Ordens zu vertiefen und in seinem Geist den Kranken und Leidenden zu dienen. Diese Frauen waren in sozialen und anderen Berufen tätig. Gegen Ende des Jahres 1981 kamen die ersten von ihnen zum Entschluss, eine geistliche Gemeinschaft zu bilden, in der sie in der Welt die evangelischen Räte der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams leben und ganz den Kranken und Leidenden im Geist des hl. Kamillus dienen wollten, mit besonderer Aufmerksamkeit dort, wo die Not der Menschen oft nicht gleich erkennbar ist. Sie wollten offen sein für den Dienst der inneren Heilung. Sie wählten den Namen „Kamillianische Schwestern”, d. h. für die leidenden Menschen Schwester zu sein, wie Kamillus den Kranken ein Bruder war.

Reisegruppe vor der Maddalena
Wallfahrt mit den Kamillianischen Schwestern zur Maddalena in Rom.
In der Mitte Rosa Hörmann, die Leiterin der Kamillianischen Familien in Österreich;
rechts hinter ihr Pater General Frank Monks (Foto: E. Mair).
 

Unter der Begleitung der beiden Kamillianerpatres Paul Haschek und Dr. Anton Gots traf sich die zunächst aus fünf Frauen bestehende Gruppe regelmäßig, um miteinander in die kamillianische Spiritualität hineinzuwachsen, zu beten, Erfahrungen auszutauschen, die Lebensform zu erproben und die Grundlinien ihres Gemeinschaftslebens zu erarbeiten. Bald gab es Kontakte mit Kamillianern in Deutschland und auch dort fanden sich neue Mitglieder für die Gemeinschaft, die von P. Dr. Heinrich und P. Dr. Johannes Dammig begleitet wurden. 1983 zählte die neue Gemeinschaft bereits 20 Mitglieder, 1985 dreißig.

Von Anfang an bestand die Absicht, die juridische Form eines kirchlichen Säkularinstituts anzustreben. Im Herbst 1985 wurde die Gemeinschaft vom Bischof von Linz, Maximilian Aichern, mit Schreiben vom 17. Dezember 1985 als „Kirchliche Gemeinschaft” anerkannt und die „Lebensform” bestätigt. Leiterin wurde Heidelinde Hinteregger, eine der Frauen aus der „Gründergruppe”, geistlicher Begleiter P. Gots.

Die Frauen in der Lebensform eines Säkularinstitutes legen die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams ab sowie das speziell kamillianische vierte Gelübde: der Dienst an den Leidenden unter Einsatz des Lebens. Nach fünf Jahren erfolgt in der „Lebensweihe” die endgültige Bindung an die Gemeinschaft.

Bald entstand die Idee eines weiteren Kreises in der Gemeinschaft für Personen, die keine Gelübde ablegen wollen oder können, sich jedoch mit der kamillianischen Spiritualität identifizieren sich und sich mit den Kamillianischen Schwestern verbunden fühlen. Diese Frauen und Männer leben in der Lebensform der „Freunde der Kranken und Leidenden - Sankt Kamillus” und binden sich an die Gemeinschaft durch ein Versprechen, dem nach zwei Jahren die dauernde Eingliederung in die Gemeinschaft der Kamillianischen Schwestern folgt.

Der damalige Generalsuperior des Kamillianerordens, P. Dr. Calisto Vendrame, hat die Gemeinschaft unterstützt und gefördert und Kontakte in sein Heimatland Brasilien hergestellt. Heidelinde Hinteregger hat von 1991 bis 1996 die Gemeinschaft in Brasilien aufgebaut und begleitet. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 war P. Vendrame geistlicher Begleiter der gesamten Gemeinschaft.

Der Gemeinschaft der Kamillianischen Schwestern steht die Generalleiterin vor, vier Assistentinnen stehen ihr als Rat zur Seite. Seit Jänner 2001 ist die Gemeinschaft in zwei Regionen untergliedert. Diese sind wiederum in Lokalgemeinschaften unterteilt. Derzeit (2006) zählt die Gemeinschaft insgesamt rund 85 Mitglieder. Die Generalleitung der Gemeinschaft wird für sechs, die Regionalleitung für drei Jahre gewählt. Derzeit ist die Brasilianerin Frau Rosilane Garcia Correa Generalleiterin, Regionalleiterin der Region Brasilien ist Frau Maria do Socorro Sales Moura, Regionalleiterin der Region Europa Frau Erna Mair. Geistlicher Begleiter für die Region Europa ist zur Zeit P. Alfred Pucher.

1984: Exerzitien- und Bildungshaus Losensteinleiten

Nach Auslaufen des Pachtvertrages mit dem Land Oberösterreich kehrten die Kamillianer im Herbst 1984 von Linz nach Losensteinleiten zurück und richteten in dem ehemaligen Schloss unter der Leitung von P. Dr. Anton Gots ein Exerzitien- und Bildungshaus ein. Zugleich diente es wieder als Noviziatshaus und Zentrum für die in Oberösterreich tätigen Mitbrüder. Die Wohnräume für rund 45 Kursteilnehmer und für den Klosterkonvent sowie die Funktionsräume als Tagungshaus wurden auf den modernsten Stand gebracht. Das Bildungshaus St. Kamillus, das vorwiegend für Kurse aus dem sozial-caritativen Bereich, aber darüber hinaus auch für anderen Berufsgruppen und zur geistigen Einkehr offen stand, war gut ausgelastet.

P. Gots, der seit 1982 intensiv in der Charismatischen Bewegung engagiert war und im gesamten deutschsprachigen Raum zahlreiche viertägige Kurse der Einführung und Vertiefung hielt, verlegte diese Kurse ebenfalls nach Losensteinleiten. An diesen Kursen nahmen bis zu seinem Weggang nach Ungarn 1995 allein rund 7.000 Jugendliche teil. Losensteinleiten wurde zu einem Zentrum, von dem starke Impulse in die Kirche Österreichs und darüber hinaus ausgingen.

Von Losensteinleiten aus leitete P. Gots auch die Katholische Krankenvereinigung, in der etwa 60 Briefgruppen Behinderter und ihrer Helfer zusammengeschlossen sind. Ihnen wurden neben der Briefseelsorge auch mehrmals im Jahr durch Einkehrtage, Exerzitien und charismatische Seminare religiöse Vertiefung und Hilfe zur Bewältigung ihres Leidens angeboten. Ein neuer Zugang zu einem vertieften religiösen Leben wurde für Behinderte in Verbindung mit Gesunden über die Charismatische Gemeindeerneuerung ermöglicht. Die intensive Mitarbeit der Kamillianer erlaubte es, in persönlichen Kontakten auch Grundelemente kamillianischer Spiritualität weiterzugeben. Auf diese Weise fanden viele Behinderte und Kranke auch Kontakt zu den „Kamillianischen Familien”.

1983 entstanden in Oberösterreich die ersten Kamillianischen Familien: Gruppen von Frauen und Männern, die sich in den Pfarrgemeinden um kranke Menschen kümmern. Auch in den damals noch kommunistischen Staaten Ungarn und Rumänien fiel diese Idee auf fruchtbaren Boden, und bald waren bei den regelmäßigen Einführungsseminaren in Losensteinleiten auch Teilnehmer aus diesen Ländern zu finden. Auch wurden mehrere Kurse eigens für diese Zielgruppe abgehalten. Heute sind die Kamillianischen Familien weltweit verbreitet. Kloster Losensteinleiten wurde zu ihrer Geburtsstätte und zu ihrem Zentrum.

Wichtige Werke des Ordens entstehen: das Missionswerk und das Institut für Bildung im Gesundheitsdienst (IBG)

Zur Wahrnehmung der weltweiten Verantwortung der Kamillianer war bereits 1971 in Wien das „Missionswerk der Kamillianer” gegründet worden. Im Blick auf die Leprahilfe des Ordens wurde es später durch den „Gesundheitsdienst der Kamillianer” ergänzt.

Pater Dr. Peter Bolech (1923-1984)
Pater Dr. Peter Bolech (1923-1984),
Gründer des Missionswerks.
 

Gründer und erster Leiter war der aus Trient stammende P. Dr. Peter Bolech (1923-1984), der zugleich Krankenseelsorge-Referent in der Erzdiözese Wien war. Bald interessierten sich auch Mitglieder der Kamillianischen Familien für die Missionen der Kamillianer. Es bildeten sich Patenschaften zwischen dem neugebauten Peter-Bolech-Dorf in Thailand, einem Dorf für geheilte Leprakranke, und dem Behindertendorf Altenhof. So war es nur konsequent, dass 1988 das Missionswerk von Wien nach Losensteinleiten verlegt wurde.

Zur Fortbildung der Krankenpflegekräfte und des medizinischen sowie des Verwaltungspersonals wurde 1992 in Losensteinleiten das „Institut für Bildung im Gesundheitsdienst” (IBG) gegründet, das heute seinen Sitz in Bad Schallerbach hat. Präsident des Instituts und des Bildungshauses wurde P. Leonhard Gregotsch, Leiterin ist heute Mag. Adelheid Bruckmüller.

Adelheid Bruckmüller Mag. Adelheid Bruckmüller, Geschäftsführerin
des Instituts für Bildung im Gesundheitsdienst.
 

Anlässlich der 400-Jahr-Feier des Kamillianerordens 1982 fand der damalige Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger über die Arbeit der Kamillianer in Österreich anerkennende Worte: „Ihr Ordensjubiläum ... gibt mir Gelegenheit, des verdienstvollen Wirkens der Kamillianer in Österreich in aufrichtiger Anerkennung und mit großem Respekt zu gedenken. Im eigenen Namen und im Namen der Republik danke ich den in unserer Heimat wirkenden Ordensangehörigen für ihre ständige Bereitschaft zu helfen. Sie legen dadurch Zeugnis ab für den durch die Jahrhunderte fortwirkenden Geist Ihres Ordensgründers. Ich bitte Sie, auch in Zukunft Ihr segensreiches Wirken in Österreich fortzusetzen.”

Alle wichtige Aktivitäten der österreichischen Kamillianerordensprovinz hatten nun in Losensteinleiten ihr Zentrum gefunden. Dennoch musste nach langen Beratungen das Schloss wegen der hohen wirtschaftlichen Belastung und mangels geeigneter Ordensangehöriger zum 31. August 1997 verkauft werden. Die Feier des 40. Priesterjubiläum des mehrfachen Provinzials und früheren Schuldirektors P. Leonhard Gregotsch am 12. Juli 1997 wurde zum Abschiedsfest. Seitdem steht das Schloss Losensteinleiten als privates „Wohn- und Pflegeheim St. Kamillus” im Dienst alter und kranker Menschen.

 
Pater Dr. Anton Gots
Pater Dr. Anton Gots.
 

1995: Gründung des Klosters Nyíregyháza in Ostungarn

44 Jahre lang hatte der Eiserne Vorhang die osteuropäischen Länder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom übrigen Teil Europas getrennt. Als er 1989 fiel, ergaben sich auch für die Ordensgemeinschaften vor allem in Österreich neue Möglichkeiten, nicht zuletzt auch in der Hoffnung, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Am 19. November 1991 hatte P. Anton Gots Gelegenheit, in Budapest vor 140 Personen über den Kamillianerorden und seinen Dienst an den Kranken und Leidenden zu sprechen. Seit dieser Zeit kamen regelmäßig Gruppen aus Ungarn zu Einführungskursen in das Kamillianerkloster Losensteinleiten.


Gábor Sazbó, der unermüdliche "Motor" der Kamillianischen Familien Ungarns.
 

Erste Versuche noch in kommunistischer Zeit, ab 1986, auch in Ungarn Kamillianische Familien aufzubauen, mussten aufgrund staatlicher Überwachungsmaßnahmen eingestellt werden. Jetzt aber war es möglich, Laien für den Dienst an den Kranken und Leidenden auszubilden und sie an dem besonderen Charisma des Ordens teilhaben zu lassen. Eine Reihe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Einführungskursen gründeten nach ihrer Rückkehr in Ungarn und Rumänien erste Kamillianische Familien.

Im Herbst 1992 gab es in Ungarn bereits 15 Familien mit über 120 Mitgliedern. Als eingetragener Verein wurden sie auch vom Staat anerkannt. Präsident wurde der Budapester Pfarrer Dr. Imre Varjú; Vizepräsident Gábor Szabó, der unermüdliche Motor der kamillianischen Bewegung in Ungarn und „Mann der ersten Stunde”. Mit 750 Mitgliedern in 47 Familien sind die Kamillianischen Familien in Ungarn heute (2006) weltweit die stärkste Gruppe.

1994 beauftragte die österreichische Kamillianerprovinz P. Gots, die Gründung einer Niederlassung in Ungarn vorzubereiten. Durch die Gründung und Betreuung der Kamillianischen Familien in Ungarn war er für diese Aufgabe bestens vorbereitet.


Die Kirche und das Kamillianerkloster Nyíregyháza – Zentrum aller Aktivitäten der Kamillianer in Ungarn.

In der ostungarischen Stadt Nyíregyháza fand sich im Stadtteil Borbánya ein noch im Rohbau befindliches Pfarrzentrum. Der zuständige Bischof der Diözese Debrecen-Nyíregyháza, Msgr. Bosák Nandór, gab seine Zustimmung zur Gründung eines Kamillianerklosters. Am 16. Juli 1995 wurde P. Gots, zusammen mit dem inzwischen bereits verstorbenen P. Zbigniew Bodecki aus der polnischen Ordensprovinz, offiziell als Leiter der neuen Kommunität eingeführt. Ende Jänner 1996 war das Haus bezugsfertig und wurde am 10. Oktober 1996 auch als Postulats- und Noviziatshaus der österreichischen Ordensprovinz kanonisch errichtet. P. Gots wurde zum Superior ernannt. Im Jahr 2003 wurde das Noviziat dann in das Kamillianerkloster Wien verlegt.

Mit Hilfe einer Stiftung eröffnete P. Gots in seiner Sorge um behinderte Menschen in Nyíregyháza am 30. Oktober 2004 eine Rehabilitationsambulanz. Sie bietet vorerst 25 jungen Frauen und Männern mit Behinderung Begleitung und Beschäftigungstherapie, darüber hinaus 13 behinderten Jugendlichen Wohnung und Versorgung und leistet mit einer fünfköpfigen „fliegenden Ambulanz” Dienste an Kranken, die in der Stadt und der Umgebung in ihren Privatwohnungen leben.

an der Klosterpforte
Täglich klopfen Dutzende Arme an die Klosterpforte.
 
Hilfsgüter
Eine neue Sendung mit Hilfsgütern aus Österreich ist eingetroffen.
 

Aufgaben des Klosters Nyíregyháza sind neben der Heranbildung des Ordensnachwuchses die Seelsorge in den beiden Krankenhäusern der Stadt und in fünf Altenheimen sowie die regelmäßige Betreuung der Kranken in den Privatwohnungen. Als Diözesanreferent für Krankenseelsorge hat P. Gots zudem die Aufgabe übernommen, die bisher vom Staat nur geduldete Kranken- und Behindertenseelsorge in der Diözese aufzubauen und zu koordinieren.

Seit 2004 gibt es in Ungarn die Gemeinschaft der Kamillianischen Ärzte mit derzeit 64 eingetragenen Mitgliedern, die ihren Dienst bewusst im Geist des hl. Kamillus und des Ordens ausüben. Geistliche Begleiter in P. Gots.

Angesichts der großen Armut und andauernden Not im östlichen Teil Ungarns hat sich das Kloster Nyíregyháza zu einem Zentrum umfassender Sozialarbeit entwickelt. Täglich kommen zehn bis 15 Personen und bitten um Hilfe. In den ersten zehn Jahren wurden rund 5.000 Tonnen Hilfsgüter in Österreich gesammelt und nach Nyíregyháza transportiert, hauptsächlich Kleider, Wäsche, Schuhe, Möbel und Haushaltsgegenstände aller Art. Sie werden an Arme und Bedürftige weitergeben. Vom Kloster in einer Großbäckerei gekauftes Brot wird wöchentlich an Hungernde verteilt, ebenso wie lebensnotwendige Medikamente und Pflegeartikel. Durch den Einsatz der Kamillianischen Familien erreichen diese Hilfen auch Notleidende in Serbien, Rumänien und in der Ukraine.

Zu einem besonderen Einsatzgebiet von P. Gots wurde die Seelsorge unter den 12.000 Roma der Stadt, wobei auch dies angesichts ihrer tristen Lebenssituation immer auch starke materielle Hilfen mit einschließt.

Kamillianerinnen
Auch die Kamillianerinnen nehmen sich der vielen Armen an.

Seit November 1997 hat auch einer der fünf weiblichen Zweige des Kamillianerordens, die „Töchter des hl. Kamillus”, in Nyíregyháza eine Niederlassung. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind ebenfalls die Betreuung der Kranken und der Dienst an den Armen und Kranken. Geplant ist die Errichtung eines Altenheims mit 80 Plätzen.

Ein Rückblick und ein Blick nach vorn

Einen schweren Schock für die Kamillianer und die vielen Freunde des Ordens, vor allem im Geriatriezentrum Am Wienerwald bedeutete es, dass der allseits beliebte Seelsorger P. Franz Lachinger auf tragische Weise am 21. Mai 2001 im Wallfahrtsort Medjugorje in der Herzegowina verschollen ist und erst am 14. Dezember 2002 aufgefunden wurde. Eine Gedenktafel in der Kirche St. Karl Borromäus erinnert an sein über drei Jahrzehnte langes Wirken.

Zum 100. Jubiläum der Kamillianer in Österreich am 6. Mai 2006 zeigt sich neues Leben in Österreich/Ungarn. Der derzeitige Nachwuchs kommt aus den östlichen Ländern Ungarn und Rumänien (Siebenbürgen) und der Slowakei. Zurzeit hat die Österreichische Provinz vier Jungprofessen mit zeitlichen Gelübden und zwei junge Männer, die das Noviziat in Wien absolvieren. Drei Kandidaten sind in Nyíregyháza zur Vorbereitung auf das Noviziat.

Die kurze Geschichte der Kamillianer in Österreich - hundert Jahre im Vergleich zu den über 400 Jahren, die der Orden insgesamt besteht - ist gekennzeichnet von einem Wechsel von Auf- und Abbrüchen, Neugründungen und Schließungen und viel Ungewißheit, was die Zukunft angeht. Damit ist sie auch ein Abbild der „Irrungen und Wirrungen” des 20. Jahrhunderts mit seinen weltumspannenden Kriegen und menschenverachtenden Systemen. Die kurze Geschichte der Kamillianer in Österreich zeugt aber auch von einer überraschenden Lebendigkeit des spezifischen Charismas des Ordens und dem Versuch, auf die Herausforderungen der Zeit eine Antwort zu finden.

Trotz aller Schwierigkeiten bewiesen die Ordensleute in der Entfaltung ihres Charismas im Dienst an den Armen und Kranken eine außerordentliche Lebendigkeit und einen großen Ideenreichtum. Schlossen sich an einem Ort die Türen, taten sich anderswo neue auf. Musste eine Aufgabe abgebrochen werden, gab es bald neue Ideen und Entwicklungen, die sich als zukunftsträchtig erwiesen. Auch in Österreich wurden die Kamillianer zu Pionieren im Gesundheitswesen: in der Organisation einer geordneten Krankenhausseelsorge, in der Sorge um Menschen mit Behinderung und im Aufbau der Kamillianischen Familien, mit denen sie ihre Sorge um die Kranken teilen konnten.

Die hundertjährige Geschichte der Kamillianer in Österreich ist geprägt durch einzelne „große” Namen. Und doch waren es viele, die „mit sanfter Zähigkeit” ihren Idealen treu geblieben sind und die Mühen des Krankenhausalltags getragen haben. So wird man auch in dieser kurzen Darstellung der Geschichte der österreichischen Kamillianerordensprovinz manchen Namen vermissen, der es wert wäre, der Nachwelt erhalten zu bleiben. „Sie alle haben wie die Apostel alles verlassen, um bei ihm zu bleiben und sich wie er in den Dienst vor Gott und an den Schwestern und Brüdern zu stellen. Auf diese Weise haben sie dazu beigetragen, das Geheimnis und die Sendung der Kirche offenbar zu machen durch die vielfältigen Gnadengaben geistlichen und apostolischen Lebens, die der Heilige Geist ihnen zuteilte, und folglich haben sie auch an der Erneuerung der Gesellschaft mitgewirkt” (Apostolisches Schreiben „Vita consecrata”, Nr. 1). Was Papst Johannes Paul II. hier von den Orden insgesamt sagt, haben die Kamillianer in Österreich in diesen hundert Jahren zur Genüge unter Beweis gestellt: mit allen Kräften dafür zu sorgen, „... dass die Liebe Christi zu den Kranken dauernd gegenwärtig bleibt” (Grundgesetz der Kamillianer, Nr. 1).

Die Präfekten und Provinziale der Kamillianer in Österreich

Die Präfekten standen dem Kamillianerkloster Wien vor, solange Österreich noch Teil der deutschen Ordensprovinz war:
P. Christian Adams sen. (1909-1912)
P. Berhard Kaschny (1912)
P. Christian Adams sen. (1913-16)
P. Adolf Stegt (1920-23)
P. Florenz Pipping (1923-25)
P. Wilhelm Meyer (1925-28)
P. Johann Ebel (1928-1931)
P. Wienand Wolf (1931-32)
P. Wilhelm Sassen (1932-1935)
P. Christian Adams jun. (1935-1938)
P. Jakob Jenni (1938-1941)


Seit 1946 wird Österreich als selbständige Provinz von einem Provinzial geleitet:
P. Dr. Robert Svoboda (1946-1950)
P. Josef Meyer (1950-1956)
P. Franz Schwartz (1956-1965)
P. Peter Lehnen (1965-1968)
P. Leonhard Gregotsch (1968-1974)
P. Stefan Gruber (1974-1977)
P. Paul Haschek (1977-1983)
P. Leonhard Gregotsch (1983-1992)
P. Alfred Pucher (1992-2001)
P. Leonhard Gregotsch (ab 2001)

Literaturhinweise

Der hl. Kamillus und sein Orden. Zur dritten Jahrhundertfeier des Todestages des Heiligen. Herausgegeben von den deutschen Kamillianerpatres. Freiburg im Breisgau 1914.

Daten der Deutschen Ordensprovinz der Kamillianer 1903-2003. Herausgegeben vom Provinzialat der Kamillianer in Essen-Heidhausen.

Aus der Chronik des Hauses Wien. Kamillianische Informationen, Jahrgang 1989, Heft 7.

Festschrift 50 Jahre Kamillianerkloster Hilariberg. 1913-1963. Herausgegeben vom Provinzialat der Kamillianer in Wien.

Von der Einsiedelei zum Wallfahrtsort. 300 Jahre Hilariberg. Kamillianische Informationen, Jahrgang 1990, Heft 5.

Kinderheim und Sonderschule Wimpassing an der Leitha. 1969 im Selbstverlag.

Günter Pipping, Einer von uns hieß Florenz. Biographie zum 120. Geburtstag des Kamillianerpaters Florenz Pipping. Eigenverlag (1995).

Ambrus Németh, Die Kamillianer in Györ (1761-1786). Budapest 1915. Deutsche Übersetzung 1996 von Sr. Térez Jessenkovits.

Festschrift „Zehn Jahre Kamillianische Bewegung in Ungarn und in Osteuropa 1992 bis 2002”, herausgegeben von P. Dr. Anton Gots.


Zeittafel
100 Jahre Kamillianer in Österreich

  Die Vorgeschichte 
1591  Kamillus sendet acht Kamillianer mit dem kaiserlichen Heer nach Ungarn.
1758-86  Zwei Kamillianer gründen in Raab (Györ) ein Kloster, das Joseph II. wieder aufhebt. 
  Österreich als Teil der deutschen Kamillianerordensprovinz 
1906  P. Joseph Roth und P. Otto Gethmann kommen als erste Kamillianer nach Wien und übernehmen ab 1. Mai die Seelsorge im Wiener Versorgungsheim in Lainz. Am 28. September genehmigt Kaiser Franz Joseph I. die Niederlassung. Präfekt wird P. Christian Adams sen. Die Kamillianer übernehmen bis 1913 die Seelsorge in weiteren zehn Spitälern Wiens, darunter 1913 im Jubiläumsspital (Krankenhaus Hietzing). 1913 betreuen sie mehr als 13.000 Patienten. 
1910  28. August: Einweihung des Klosters in Wien-Lainz. 
1913  Kauf von Wallfahrtskirche und Hospiz Hilariberg bei Kramsach in Tirol. 1914-1917 Nutzung als Juvenat. 
1914  Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bis 1917 dient das Kloster Lainz als Lazarett. 
1917  Gründung der „Marianischen Kongregation der weltlichen Krankenpflegerinnen” durch P. Josef Tongelen. 
1918  Gründung der Vereinigung „Maria, Heil der Kranken”. 
1921  Kloster Hilariberg dient bis 1922 als Noviziatshaus. 
1923  Übernahme der Seelsorge im Allgemeinen Krankenhaus in Innsbruck und 1926 in der Lungenheilstätte Hochzirl. 
1926  Kündigung der Seelsorgeverträge in der Versorgung und im Jubiläumsspital durch die Stadt Wien. Kloster Lainz wird Exerzitienhaus. 
1930  Die Kamillianer übernehmen das ehemalige Minoritenkloster Wimpassing an der Leitha und die Kirche. Eröffnung eines Kleinen Seminars und eines Privatgymnasiums. 1936 studieren hier 37 junge Männer. 
1933  Erneuter Beginn der Seelsorge in der Versorgung und (1934) im Jubiläumsspital. 
1935  Gründung des Kranken- und des Blindenapostolats durch P. Dr. Robert Svoboda. 
1936  Einweihung der Kamilluskirche im Wiener Wilheminenspital. 
1938  Am 12. März wird Österreich von Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands besetzt. 
1939  Am 3. Februar werden das Seminar und das Privatgymnasiums Wimpassing durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Die Kamilluskirche wird am 14. April Versammlungshaus der NS-Partei. Am 1. September Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Am 15. November werden die Kamillianer in allen zehn Spitälern der Gemeinde Wien gekündigt. Bis zu diesem Zeitpunkt betreuten die Kamillianer 22.000 Patienten. 
1941  Am 26. Mai wird das Kloster Wien beschlagnahmt und dient als Lazarett. Am 27. Juli Beschlagnahme des Klosters Wimpassing. 
  Österreich als selbstständige Kamillianerprovinz 
1946  Am 12. April Gründung der Provinz mit 31 Kamillianern. Erster Provinzial wird P. Dr. Robert Svoboda. Am 1. Juni Errichtung der Pfarre „Maria, Heil der Kranken”. Erster Pfarrer wird P. Alexander Hamvai. Errichtung des Juvenats im Kloster Hilariberg. Übernahme von Seelsorgestellen in neun Wiener Krankenanstalten (Wilhelminenspital, Rainer-Spital, Heilanstalt Steinhof, Lungenheilstätte Baumgartner Höhe, Universitätskliniken, Versorgung Lainz, Jubiläumsspital, Franz Joseph-Spital, Rudolfstiftung) und vier Tiroler Krankenhäusern. 
1947  Eröffnung eines Kinderheimes im Kloster Wimpassing. 
1948  Übersiedlung des Juvenats vom Hilariberg nach Schloss Wolfsberg bei Krems. Kloster Hilariberg wird Noviziatshaus. 
1949  Gründung einer Landessonderschule in Wimpassing. 
1950  Errichtung des Scholastikats im Kloster Hilariberg. In Wimpassing Gründung eines Behinderten-Wohnheims. Verlegung des Juvenats vom Hilariberg nach Pfaffing. 
1955  Am 7. April erwerben die Kamillianer das Schloss Losensteinleiten bei Steyr in Oberösterreich. Einweihung am 17. Oktober. Am 1. September Eröffnung des Juvenats und des Privatgymnasiums. Kloster Pfaffing wird Studienort für Scholastiker aus drei Ordensprovinzen (bis 1968). Rückgabe und Restaurierung der Kamilluskirche im Wiener Wilheminenspital. 
1956  Übernahme der Krankenhausseelsorge im Allgemeinen Krankenhaus in Linz. 
1958  Kloster Hilariberg wird erneut Noviziatshaus für drei Ordensprovinzen (bis 1966). 
1963  Feier „50 Jahre Hilariberg”. Mit 17 Novizen erreicht das Haus seinen Höchststand. 
1964  Gründung des Blindenapostolats in Oberösterreich. 
1966  Übernahme der Seelsorge im Landeskinderkrankenhaus Linz. 
1967  Übernahme der Seelsorge im Krankenhaus der Kreuzschwestern in Wels. 
1968  Übernahme der Seelsorge im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz und im Krankenhaus und Altenheim der Kreuzschwestern in Sierning. Schließung des Klosters Pfaffing als Studienort und Gründung des St. Kamillus-Kollegs in Salzburg. 
1969  Übernahme der Seelsorge 1969 im Unfallkrankenhaus Salzburg (für ein Jahr). 
1970  Am 1. November Verpachtung des Klosters Hilariberg an die Dominikanerinnen, die das Haus als Generalpriorat der Union der Dominikanerinnen Österreichs und als Wohn- und Erholungsheim nutzen. 
1971  Gründung des Missionswerks und des Gesundheitsdienstes der Kamillianer in Wien. 
1972  Gründung des Vereins „Lebenswertes Leben - gemeinnütziger Verein zur Förderung der Selbsthilfe Körperbehinderter”. Errichtung eines Heims für Körperbehinderte im Kloster Pfaffing (bis 1978). In Salzburg: Übernahme der Seelsorge in der Landesnervenklinik (heute Christian-Doppler-Klinik). Beginn der Mitarbeit von Kamillianern in der Pfarre St. Johannes am Landeskrankenhaus. 1973 Übernahme der Leitung. 
1973  Übernahme der Leitung des Kranken-, Blinden- und Behindertenreferats der Erzdiözese Salzburg (bis 2005). 
1976  Im Gymnasium Losensteinleiten nach Erwerb des Öffentlichkeitsrechts 1968 erste Reifeprüfung und zugleich Schließung der Schule. Verpachtung an das Land Oberösterreich, das hier eine landwirtschaftliche Fachschule einrichtet. Die Kamillianer übersiedeln nach Linz. 
1978  Eröffnung des Behindertendorfes Altenhof am Hausruck in Oberösterreich. 
1981  Gründung des Säkularinstituts der „Kamillianischen Schwestern” und der „Freunde der Kranken und Leidenden - Sankt Kamillus”. 
1982  Feier des 400-Jahr-Jubiläums des Kamillianerordens. 
1983  Übernahme der Seelsorge in zwei Altenheimen in Salzburg (bis 1986). In Oberösterreich entstehen erste Kamillianische Familien. 
1984  Nach Rückkehr der Kamillianer wird Schloss Losensteinleiten Exerzitien- und Bildungshaus. Zugleich wird es Zentrum der Charismatischen Gemeindeerneuerung und der Kamillianischen Familien. 
1986  In Losensteinleiten beginnen erste Einführungskurse für die Gründung Kamillianischer Familien in Ungarn. 
1987  Aussendung der Patres Josef Angerer und Engelbert Gruber nach Kolumbien und Peru bzw. Madagaskar. 
1989  Am 29. Oktober Feier des 300. Jubiläums der Wallfahrtskirche Hilariberg. 
1991  P. Dr. Anton Gots stellt in Budapest erstmalig den Kamillianerorden vor. 
1992  Gründung des „Instituts für Bildung im Gesundheitsdienst” zur Fortbildung für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. 
1995  Gründung des Klosters Nyíregyháza in Ostungarn durch P. Gots. Einweihung am 10. Oktober 1996. Das Kloster wird Postulats- und Noviziatshaus (bis 2003) und zugleich Zentrum der Kamillianischen Familien in Serbien, Rumänien und der Ukraine. 
1996  Übergabe des Behinderten- und Pflegeheims Wimpassing in die Trägerschaft der Caritas der Diözese Eisenstadt. 
1997  Die „Töchter des hl. Kamillus” errichten in Nyíregyháza eine Niederlassung. Am 31. August Verkauf von Schloss Losensteinleiten. 
1999  Gründung der gemeinnützigen Gesellschaft „Das Dorf GesmbH”, die das Behindertendorf Altenhof übernimmt. 
2001  Am 31. Dezember endet infolge Kündigung seitens der Dominikanerinnen der 1970 abgeschlossene Pachtvertrag für das Kloster Hilariberg in Kramsach/Tirol. Kloster und Wallfahrtskirche kehren in die Verwaltung der österreichischen Kamillianer zurück. 
2003  Verlegung des Noviziats in das Kamillianerkloster Wien-Lainz. 
2004  Eröffnung einer Rehabilitations-Ambulanz in Nyíregyháza.
Start der Webseite der österreichischen Kamillianer im Internet ab Juni 2004 
2005  Feier der zehnjährigen Präsenz der Kamillianer in Ungarn. 
2006  Am 6. Mai Festfeier 100 Jahre Kamillianer in Wien und 60 Jahre Österreichische Provinz. 
2010  21. März: Die letzten Dominikanerinnen verlassen das Kloster Hilariberg, das künftig als Exerzitien- und Gästehaus geführt wird. 
2010  Am 4. Juli 100-Jahrfeier des Kamillianerklosters Wien mit Abt Gregor Henkel-Donnersmark vom Stift Heiligenkreuz. 
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