Kamillianer
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Leitbild

für die Kamillianischen Einrichtungen im Gesundheitswesen

Die Kamillianischen Einrichtungen wollen Zeugnis geben von der barmherzigen Liebe Christi; sie wollen Förderer im Gesundheitswesen sein, denn überall, wo ein Kranker Hilfe erfährt, schlägt das Herz des heiligen Kamillus, erst recht da, wo den Ärmsten geholfen wird.

Vereint im Bemühen um Gerechtigkeit und Solidarität in der Welt des Gesundheitswesens wollen wir – gerade auch durch unsere Einrichtungen – eine wahre „Kultur des Lebens” fördern.

1. Grundgedanken der Kamillianischen Einrichtungen

Liebe Mitbrüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freiwillige, Patienten, Angehörige und Freunde des hl. Kamillus!

Das Generalkapitel 2001 des Ordens hat uns beauftragt, Grundgedanken unserer Einrichtungen zu formulieren und bekannt zu machen.
Diese Grundgedanken sind Frucht einer gemeinsamen, intensiven Arbeit im Orden. Das Ergebnis möchten wir Ihnen hiermit mitteilen.

  1. Die Generalleitung des Kamillianerordens, alle Provinziale und Delegaten, die Leiter unserer Einrichtungen sowie einige Experten haben sich am 8. und 9. Mai 2003 in Seiano bei Neapel zusammengefunden und die Grundgedanken erarbeitet.
     
  2. Die Leitlinien aus diesem Treffen sind als Arbeitsgrundlage dem Sekretariat „Unser Dienst” der Generalleitung übergeben worden und stellen die Grundlagen der Grundgedanken dar.
     
  3. Die Generalleitung des Ordens hat die daraus erstellte Vorlage allen Ordensmitgliedern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Einrichtungen übermittelt, um Anmerkungen und gegebenenfalls Änderungen einzubringen.
     
  4. Das Ergebnis dieser Bearbeitung auf Provinz- und Delegationsebene ist von der Generalleitung in den Text eingearbeitet worden; danach ist der Text von der Generalleitung verabschiedet worden.
     

Dieser Text enthält drei wichtige Punkte:

Alle Beteiligten haben einen Text angestrebt, der auf kurze, praktische, verständliche Weise unsere kamillianischen Werte darstellt.

Der Text soll alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im weitesten Sinne anregen und ihnen ermöglichen, in der Sicherheit, von Jesus geliebt zu sein, den Kranken zu helfen.

2. Leitbild für die Kamillianischen Einrichtungen im Gesundheitswesen

Cover
 

Einleitung

Der Orden der Kamillianer – Priester und Brüder – wurde vom hl. Kamillus gegründet, um durch die Zeit den Auftrag Christi zur Sorge für die Kranken, insbesondere die Ärmsten unter den Kranken, zu verwirklichen. Der Orden der Kamillianer erfüllt diesen Auftrag durch eine Vielzahl verschiedener Dienste und Einrichtungen, in deren Zentrum immer der ganze Menschen in seinen vielfältigen Bezügen gesehen wird. Einer dieser Dienste ist die Führung ordenseigener Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialbereich.
Mit diesen Einrichtungen will der Orden dem christlichen Auftrag, allen Menschen das Heil zu verkünden und Sorge für eine umfassende Gesundheit zu tragen, Ausdruck geben und zugleich die Möglichkeit bieten, in welcher die „Gestalt des barmherzigen Samariters” kultiviert und ausgeübt werden kann. Eingebunden in die örtlichen Verhältnisse und im Auftrag der Kirche, deren Teil er ist, will der Orden auf konkrete Notsituationen antworten, immer darauf bedacht, die Förderung der Menschlichkeit zu beachten und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken.
Im Wunsch, mit kreativer Treue, den in der Ordensregel der Kamillianer vorgegebenen Idealen zu folgen, haben wir dieses Leitbild erarbeitet. Es benennt die unverzichtbaren Eckpunkte, die jede kamillianische Einrichtung kennzeichnen und die daher unseren Mitarbeitern bekannt sein und gemeinsam verwirklicht werden sollen. Darüber hinaus wünschen wir uns, dass das Leitbild beispielhaft für andere Einrichtungen und für die Gesellschaft insgesamt sein kann.

Auftrag

Auftrag der Gesundheits- und Sozialeinrichtungen des Ordens ist es, im Gesundheitswesen davon lebendiges Zeugnis zu geben, dass Krankheit mit dem heilenden, barmherzigen, therapeutischen und gesundmachenden Tun Christi zu tun hat. Dieses Tun Christi verwirklicht sich in der allgemeinen Förderung des Gesundheitsgedankens, in der Vorsorge, in der Behandlung und in der Rehabilitation.
Besondere Beachtung wird dabei erwiesen der Linderung der Schmerzen, der menschlichen und geistlichen Begleitung der Kranken und der Verkündigung der Frohbotschaft, die in ihrer vollen Form in der Feier der Sakramente besteht, in denen das angekündigte Heilsangebot Wirklichkeit wird.

Eckpunkte

  1. Die kamillianischen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen (KGSE) sehen den ganzen Menschen als Person im Mittelpunkt allen Bemühens, gegründet in der unverletzbaren Menschenwürde als Geschöpf und Ebenbild Gottes.
     
  2. Die KGSE dienen dem Leben und der Gesundheit in allen Dimensionen (im physischen, biologischen, psychischen, sozialen und geistlichen Bereich) und in jeder Phase der menschlichen Existenz. Besonders feinfühlig bemühen sie sich um die Förderung der genannten Dimensionen, wenn es dabei auf dem Hintergrund besonderer Verletzbarkeit um ihre Verteidigung und ihre Qualität geht.
     
  3. Die KGSE sind Orte, an denen die Werte des Evangeliums realisiert werden, vor allem wo es um eine großzügige Liebe dem leidenden Nächsten gegenüber, eine zuvorkommende und brüderliche Achtung, um Solidarität und Dienstbereitschaft geht. Als kirchliche Einrichtungen orientieren sie sich an der reichen Tradition und Spiritualität der Kamillianer und stellen sich als bevorzugte Orte der Menschlichkeit, der Kultur der Heilung und der Heilsverkündigung dar.
     
  4. Mit Achtung vor der ethischen Dimension im Dienst für das Leben und die Gesundheit fördern die KGSE die Forschung und den Dialog der Wissenschaft im Blick auf die Erhellung und die Diskussion bioethischer Probleme; sie beachten treu die Morallehre der katholischen Kirche unter Berücksichtigung der allgemeinen und individuellen Persönlichkeitsrechte und Gewissensentscheidungen, unterstützt durch offiziell eingerichtete Ethikkomitees.
     
  5. Die KSGE schätzen in besonderer Weise die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Orden sieht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als integralen Bestandteil der „heilenden Gemeinschaft” einer jeden Einrichtung. In der Konsequenz fördern die KSGE – als Zentren einer realen therapeutischen und heilmachenden Allianz – ein Klima, das durchträngt sein soll von Menschlichkeit, Dialog und Mitverantwortung; ferner fördern sie die menschlichen Fähigkeiten, die persönliche Motivation und die Möglichkeit zur Fortbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Professionalität, die Kompetenz, das Miteinander der Disziplinen, die Kooperationsbereitschaft, die Forschung und die begleitende Weiterbildung sind Werte und Aufgaben, welche die KSGE für wichtig hält und die sie nach Kräften zu fördern versucht.
     
  6. Die KSGE entwickeln ein Modell ethischer Administration, bestimmt von den Werten der Gerechtigkeit und der Gleichheit. In einem transparenten Stil suchen sie mit Klugheit die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und streben nach der Verbesserung des Wissens im technischen, wissenschaftlichen, humanitären und religiösen Bereich und verwirklichen eine größtmögliche Qualität im Dienst.
     
  7. Die Zeichenhaftigkeit und die Erkennbarkeit als kirchliche Einrichtungen fordern von den KSGE ein gemeinsames Bemühen um eine Neubelebung der Botschaft des Evangeliums. In der Konsequenz fördern die KSGE einen sorgfältig erstellten Pastoralplan, der alle einbezieht, insbesondere die Kranken, ihre Familien sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses Angebot erfolgt in einem ökumenischen Geist an die Gläubigen, gleich welcher Konfession, und ermöglicht die Einbeziehung und die Kooperation aller christlichen Gemeinschaften.
     
  8. Die KSGE sind – stets offen und in die örtliche Umgebung eingebunden – ein Ort, der ausstrahlt in die Kultur und die Förderung der Gesundheit, eine Allianz zur Verbesserung der Lebensqualität für alle. Deshalb binden sie sich ein in das Netz des Gesundheitswesens in der jeweiligen Gesellschaft, arbeiten gerne mit anderen ähnlichen Institutionen zusammen und unterstützen den Einsatz von freiwilligen Helfern, sowohl in der eigenen Einrichtung als auch in der Umgebung.
     
  9. Die KSGE wenden sich in ihren Aktivitäten vorzugsweise den Ärmsten der Armen zu in allen Phasen der Ausgrenzung oder Diskriminierung. Ihnen bieten sie nicht nur die angemessene Hilfe sondern auch die Möglichkeit einer wirklich humanen und sozialen Förderung. Feinfühlig für das, was die Globalisierung mit sich bringt, fördern die KSGE die Möglichkeiten zur internationalen Kooperation aus humaner und christlicher Sicht und unterstützen Initiativen der Partnerschaft mit Einrichtungen in Entwicklungsländern.
     
  10. Angesichts der lebendigen, dynamischen und vorläufigen Wirklichkeit erarbeiten und etablieren die KSGE – mit wachem Blick auf die Zeichen der Zeit – Strategien und Wege der Überprüfung und der Bewertung des eigenen Handelns, um so den Dienst zu verbessern, gegebenenfalls zu erneuern, umzugestalten oder Irrwege und Abweichungen von diesem Leitbild zu korrigieren.

Kamillianische Einrichtungen weltweit

Ordenskrankenhäuser, Kliniken  114 
Zentren für HIV/Aids-Kranke  27 
Zentren für Krankenpastoral  17 
Krankenpflegeschulen  10 
Ordensseminare  38 
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© Kamillianer 2010 - [Stand: 27.11.2010]css