Kamillianer

zur Themenübersicht ] - Kamillianer in der Klinik Hietzing - 'Kamillus Heute' Dez.2020


Klinik Hietzing, Wien

Die Umsetzung des vierten kamillianischen Gelübdes in Zeiten der Coronapandemie in der Klinik Hietzing

Die Besonderheit des Ordens der Kamillianer (Orden der Diener der Kranken) besteht darin, dass seine Mitglieder ein viertes Gelübde ablegen, das sie auffordert, allen Kranken zu dienen, selbst wenn sie eine ansteckende Erkrankung haben. Diesem Gelübde zufolge sind viele Kamillianer im Gesundheitswesen tätig. Daher sind wir drei Kamillianer-Patres (P. Leonhard Gregotsch, P. Julien Vianney Slanon und P. Béla Maczák) in der Klinik Hietzing (ehemaliges KH Lainz) rund um die Uhr im Einsatz: sei es um regelmäßige Krankenbesuche zu machen, Gespräche zu führen sowohl mit den PatientInnen als auch mit dem Personal, wir sind da für die Krankensalbung, Krankenkommunion, Sterbesegnung, Begleitung der Angehörigen … All diese Leistungen zu erbringen ist selbstverständlich für die Kamillianer, die wir sind. Denn wir verwirklichen dadurch unser kamillianisches Charisma und leben so unsere Spiritualität, die lautet: dem leidenden Christus in den PatiententInnen zu dienen und ihnen den barmherzigen Jesus zu erweisen.

Da Jesus sich ganz besonders in den Kleinen, Schwachen, Verlassenen und Bedürftigen begegnen lässt (Mt 25,31-46) und aufgrund unseres vierten Gelübdes hat der Ausbruch der Coronapandemie nichts an unseren Leistungen in der Klinik geändert. Zwar haben wir mit dem strengen Besuchsverbot im ersten Lockdown unsere regelmäßigen Patientenbesuche auf gezielte und erwünschte Besuche umgestellt, aber wir waren und sind rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst. Viele Angehörige haben das sehr gern in Anspruch genommen, damit ihr krankes Familienmitglied sich zumindest nicht allein gelassen fühlt. Sowohl den Covid-PatientInnen als auch anderen PatientInnen galten und gelten unsere Dienste mit entsprechender Schutzausrüstung. Für das Pflegepersonal war es nicht selbstverständlich, dass wir zu den Covid-Erkrankten kommen.


P. Julien Vianney Slanon MI

Ich kann mich noch gut erinnern, dass eine Krankenschwester mich angerufen hat und sehr zögerlich und ängstlich fragte, ob ich für ein Gespräch mit einem Covid-Patienten kommen könnte. Als ich mit „Ja“ geantwortet habe, war sie sehr glücklich. Da habe ich ihr das vierte kamillianische Gelübde erklärt und hinzugefügt: wenn das Personal, das kein Gelübde abgelegt hat, ständig bei diesen PatientInnen ist und ihnen mit großem Engagement beisteht, warum soll ich, der ein Gelübde abgelegt hat, ihnen meinen Dienst verweigern. Erwähnenswert ist aber, dass wir unsere Dienste gut leisten können dank der wertschätzenden und lobenswerten Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Laien, mit den evangelischen SeelsorgerInnen und besonders mit dem Personal, angefangen von der Leitung der Klinik bis zu den Reinigungskräften. Es ist mir das Mail der Verwaltungsdirektion noch gut in Erinnerung, das die Seelsorge als einen wichtigen Bestandteil des Personals bezeichnet hat. Auch erbitten viele vom Personal von uns Gebet und Segen besonders in dieser herausfordernden Zeit, um sich zurechtzufinden. Es herrscht ein gutes Miteinander in der Klinik, um diese Pandemie zu bewältigen. Zu Beginn der Coronapandemie haben wir als Seelsorgeteam eine ermutigende und unterstützende Mail an alle Stationen geschickt und viele positive Rückmeldungen geerntet. Möglichkeiten für entlastende Gespräche wurden dem Personal auf den Stationen angeboten. Als Kamillianer ist mir bewusst, dass in unserer Zeit unser Charisma noch sehr geschätzt und gebraucht wird. Mögen die Fürsprache der Gottesmutter Maria und unseres Stifters Kamillus uns begleiten und ermutigen und uns neue Wege zeigen, unser Charisma bzw. unsere Spiritualität zu verwirklichen.

P. Julien Vianney Slanon MI
Kirchenrektor und Klinischer Seelsorger in der Klinik Hietzing



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