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zur Themenübersicht ] - Erinnerungen an P. Stefan Gruber - 'Kamillus Heute' Okt. 2021


Bildbeschreibung

Erinnerungen an P. Stefan Gruber
beim Gedenkgottesdienst am 6. August 2021 in Salzburg

Angelika Pressler, von 1983 bis 1993 Pastoralassistentin in der Krankenhauspfarre St. Johannes

Zu P. Gruber fallen mir zwei Begriffe ein:
Ermutiger und Diener
Ermutiger war er ganz generell für die „LaientheologInnen“...
Er war der erste Priester (zumindest mir bekannt), der ganz praktisch erkannt hat, dass Psychologie für die Krankenhausseelsorge bedeutsam sein kann.
Ermutiger war er für mich, weil er mich in meiner 10-jährigen Lehre bei ihm ermutigt und mir Raum gegeben hat, zu predigen.

Unvergessen bleibt mir der Diener Stefan. Ich erinnere mich an die Samstagabende. Da war „high life“ in der Pfarre. Ganz viele Kommunionfeiern auf diversen Stationen. Und danach gab es in der Pfarrküche was zum Schmausen und zum Trinken ... Stefan war der Wirt, der Küchenchef, der Mundschenk, der Kellner. Er hat uns bedient.
Stefan Gruber ein Minister Infirmis; ein wahrhaftiger, gastfreundlicher und liebenswerter Minister, ein Diener, Freund und Weggefährte Jesu.

Ich bin dankbar, ihn kennengelernt zu haben.

Ansprache von Dr. Detlef Schwarz, Erzdiözese Salzburg Referent für Krankenpastoral und Notfallseelsorge, Vorsitzender der Arge der katholischen Krankenhausseelsorge Österreichs

Ihr Lieben, ich möchte auch von offizieller Seite ergänzend noch ein paar Sätze hinzufügen. Mittelbar bin ich P. Stefan das erste Mal begegnet, als mir während meines Aufbaustudiums in Innsbruck Mitte der 1990er Jahre der Pastoraltheologe Prof. Hermann Stenger ein kleines Büchlein in die Hand gab, das den Titel trägt: „Den Kranken verpflichtet.“ Hierin wird die Vision einer zukünftigen Krankenhausseelsorge beschrieben, die durch das Wirken von P. Stefan maßgeblich mit initiiert worden war.

Wie wir bereits gehört haben, hat P. Stefan schon früh Vernetzungsarbeit geleistet, da in ihm die Überzeugung einer neuen Form der Krankenhausseelsorge gewachsen war, in der es neben der sakramentalen Versorgung auch Gesprächsbegleitung braucht. Zudem erweiterte er das Seelsorgeteam, so dass neben den Priestern nun auch PastoralassistentInnen, also Priester und Laien, Frauen und Männer miteinander im Dienst an den Kranken arbeiteten, was etwas komplett Neues war.

Ich selbst hatte mit P. Stefan in drei unterschiedlichen Bezügen zu tun. Zum einen war er in der Erzdiözese Salzburg mein Vorvorgänger in der Leitung des Krankenreferats, wie es früher hieß. In dieser Hinsicht war er mir immer ein wichtiger Gesprächspartner, wenn es um die Geschichte und um die Entwicklung der Krankenhausseelsorge in Salzburg und auch auf Österreichebene ging. In meiner Funktion als Vorsitzender der Arge der katholischen Krankenhausseelsorge spreche ich P. Stefan meine tiefe Anerkennung für seinen Mut und für seinen klaren Blick aus. Sein unbeirrbares Voranschreiten hat sehr dazu beigetragen, dass die österreichische Krankenhausseelsorge das werden konnte, was sie jetzt ist, fachlich innovativ und immer an den pastoralen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet.
Zweitens habe ich erfahren dürfen, wie er die Klinische Seelsorge Ausbildung (KSA) in Salzburg aufgebaut und er damit maßgebliche und wegweisende Impulse für die österreichische KSA gesetzt hat. Immer wieder begegne ich Personen, KollegInnen, die bei ihm die Ausbildung gemacht haben und die von ihm als einen kompetenten, einfühlsamen und zugewandten Begleiter und Ausbilder sprechen.
Und nachdem ich selbst 14 Jahre ein Mitglied des Seelsorgeteams am LKH in Salzburg war, habe ich ihn natürlich als Kollegen kennen und schätzen gelernt. Zum einen war er als Pfarrer i. R. nach wie vor ehrenamtlich als Seelsorger im priesterlichen Dienst tätig. Und als P. Alfred Pucher, sein Nachfolger, der Pfarrer von St. Johannes 2011 nach schwerer Krankheit dann doch für uns alle überraschend schnell verstorben war, übernahm P. Stefan die Leitung, bis mit P. Joshy der neue Pfarrer bestellt wurde.

P. Stefan war ein leidenschaftlicher Seelsorger. Wer ihn erleben durfte, wie er Kranken begegnet ist, unaufgeregt, in der Spendung der Sakramente oder auch im seelsorglichen Gespräch, hat viel von seiner spirituellen Tiefe spüren dürfen. Das Wort, das mir in den Sinn kommt, ist Innigkeit.
Als ehrenamtlicher Mitarbeiter hat er noch lange seinen Dienst versehen, wobei die bereits erwähnte Sorge um das leibliche Wohl etwas war, was ihn auszeichnete. Ein Bild, an das ich mich immer gern zurück erinnern werde, ist, wie er mit schweren Einkaufstaschen bepackt im Vorbeigehen zur Bürotür hereinlacht, ein gutes Wort hat, um dann weiter in die Küche zu gehen, um den Kühlschrank und den Getränkevorrat zu füllen.
Einen Aspekt seiner Persönlichkeit, der noch wenig benannt worden ist, möchte ich zum Abschluss noch hinzufügen. Ich habe P. Stefan als jemanden kennen lernen dürfen, der tief beseelt war vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. In vielem, was ich von Papst Johannes XXIII. gelesen habe, habe ich innerlich auch die Stimme von P. Stefan gehört. Etwa wenn Johannes schreibt: „Ich gehöre zu einer Kirche, die lebendig und jung ist und ihr Werk ohne Angst in die Zukunft hineinführt.“ Als Theologe, der ich erst kurz nach dem Ende des Konzils geboren worden bin, hatte ich in unzähligen Gesprächen viele Fragen an P. Stefan. Ich erinnere mich gerne daran, wie ich ihn einmal fragte, wie ich mir das mit der Umsetzung der Liturgiereform vorzustellen hatte. Ich fragte ihn, ob das bei der Umsetzung der neuen Verordnungen wirklich so war, dass an einem Sonntag die Hl. Messe noch im alten Ritus auf Latein war und am nächsten Sonntag im neuen Ritus auf Deutsch?! Darauf sagte er trocken: Ja! Darauf leuchteten seine Augen auf, er lachte und rief heraus: „… und es war eine Befreiung! Es war eine Befreiung, dass die Menschen das Evangelium nun verstehen konnten.“
P. Stefan war ein leidenschaftlicher Seelsorger und er hat den Menschen in seiner Sorge und in seinen Predigten das Evangelium, die froh machende Botschaft verkündet.

Stefan, Du bist in dem Glauben gestorben, den Du verkündet hast. Dein Lachen und Deine Sorge werden uns fehlen. Wir empfehlen Dich nun der Gnade und der Barmherzigkeit Gottes an. Danke!

Elisabeth Sallinger, Absolventin der KSA-Ausbildung

Stefans Augen haben sich mir eingeprägt: Aufmerksame, gütige, fragende Augen! Aufmerksamkeit, Güte, Fragen: das hat Stefan uns als Haltung und Impuls mitgegeben auf unserem Weg in der Krankenhausseelsorge. Vielen herzlichen Dank, Stefan!


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