Kamillianer

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Das Kamillus-Lesebuch
Zeugnis eines bewegten und wegweisenden Lebens

Fortsetzung - Teil 3

Die außergewöhnliche Liebesgeschichte des hl. Kamillus beginnt mit einem Rückblick in die eigene Lebensgeschichte. Das führt zur Umkehr und zu einer neuen Lebensperspektive.

Bucchianico
Blick auf den Geburtsort des hl. Kamillus, Bucchianico in den Abruzzen in Mittelitalien, heute

Mit einer Bekehrung fängt alles an

Den rechten Weg für das eigene Leben zu finden, ist nicht immer leicht, denn das bedeutet, das eigene Leben ehrlich in den Blick zu nehmen. Diesen ganz persönlichen Prozess zur Umkehr, nämlich sein bisheriges Leben in den Blick zu nehmen, hat Kamillus von Lellis im Jahre 1575, gerade einmal 25 Jahre alt, durchlitten und durchlebt. Das Fest „Mariä Lichtmess“, der 2. Februar 1575, ist für ihn „der Tag der Umkehr, der Bekehrung“ geworden.
18 Jahre ist Kamillus alt, als er mit seinem Vater aufbricht, um wie dieser ein Soldat zu werden. Er träumt von Abenteuer, Karriere und vielleicht sogar materiellem Gewinn? Für Kamillus aus dem kleinen Abruzzendorf Bucchianico scheint das ein verheißungsvoller Weg zu sein.

Aber es ist anders gekommen. Er verliert den Vater, dem das raue Soldatenleben den Tod bringt; die Mutter ist schon etwa sechs Jahre zuvor verstorben. Dazu kommt, dass Kamillus sich eine Fußwunde zugezogen hat, die ihn sehr behindert und die einfach nicht heilen will. In einem Söldnerheer ist er nicht mehr zu gebrauchen. Er wird entlassen und ist gezwungen, sich seinen Lebensunterhalt zu erbetteln.
Beide Eltern tot, er selbst gesundheitlich angeschlagen: Für den jungen Mann ist das eine harte Belastung. So löst der Anblick von zwei demütig einherschreitenden Franziskanern in Kamillus eine spontane Sehnsucht nach so einem geregelten Leben aus. Er will sein Leben bessern und in den Franziskanerorden eintreten. Schnell, wie es seinem Charakter entspricht, verfliegt die Sehnsucht wieder, und er entscheidet sich anders. Er macht sich auf nach Rom und sucht im San Giacomo-Spital, dem „Hospital für die Unheilbaren“, Hilfe für seine Fußwunde. Um seinen Aufenthalt bezahlen zu können, lässt er sich notgedrungen als Helfer anstellen.
Schon nach leichter Besserung seiner Fußwunde verfolgt Kamillus wieder seine alte Leidenschaft, das schnelle Glück im Kartenspiel. Die Schiffer am Tiberufer sind ihm da die rechten Spielgenossen. Allerdings sind ihm keine großen Erfolge beschieden. Mit seiner rauen, mitunter zügellosen Art gerät er in manche Streiterei. Für den Krankendienst wird er als untauglich angesehen. Er wird „unehrenhaft“ aus dem Spital entlassen.

Mittlerweile 19 Jahre alt versucht er sich noch einmal als Soldat anwerben zu lassen. Einige Jahre lang bleibt er dabei und gerät in mancherlei lebensbedrohliche Gefahr. Mit dem Soldatenleben ist es 1574 endgültig aus. Nichts läuft so, wie Kamillus sich das vorgestellt und erträumt hat, und seine Spielleidenschaft hat ihn buchstäblich zum Verlust seines „letzten Hemdes“ gebracht. Von Neapel aus macht er sich zusammen mit einem Kameraden auf den Weg in Richtung Manfredonia, einem Ort nahe seines Heimatdorfes. Dort bleibt ihm nichts anderes übrig, als für seinen Lebensunterhalt zu betteln.

Ein Kapuziner, dem der junge Mann leidtut, befreit ihn aus der Verlegenheit, betteln zu müssen, und bietet ihm Arbeit auf dem Bauplatz für ein neues Kapuzinerkloster an. Kamillus entscheidet sich zu bleiben.
Wenngleich Kamillus mit seinem Leben nicht zufrieden ist, so ist er doch nachdenklicher geworden. In seinem Innern erkennt er mit seinen nunmehr fast 25 Jahren, dass sein Leben bisher nicht so verlaufen ist, wie er es sich vorgestellt hatte. Dazu kommen gesundheitliche Beeinträchtigungen und Gefahren, die er eher mit Glück überstanden hatte, und doch wohl auch die andauernde innere leise Sehnsucht nach einem geordneten Leben. Diese Erkenntnisse scheinen ihn einsichtiger und bereit zu machen für eine Umkehr.
Das Leben, das Kamillus in dieser Zeit führt, ist ein stetiger Kampf. Auf der einen Seite ist er unzufrieden mit dem, was er aus seiner Notlage heraus tun muss. Auf der anderen Seite wächst auf dem Hintergrund einer zwar nicht entwickelten aber doch grundsätzlich vorhandenen Religiosität die Erkenntnis, dass Gott ihn schon aus etlichen Gefahren gerettet hat.

Er tut die ihm aufgetragenen Dienste, oft widerwillig, aber immerhin so zuverlässig, dass ihn die Kapuziner auch nach Fertigstellung des Klosterbaus weiterhin mit allerlei Diensten beschäftigen.

Zu diesen Diensten gehört, dass er am 1. Februar 1575 beauftragt wird, sich zu dem nicht weit entfernten Kloster San Giovanni aufzumachen, um Teigwaren gegen Wein zu tauschen und nach Manfredonia zurück zu bringen.

Ehrliche und heilende Erkenntnis

Bei dieser Gelegenheit ergibt sich für Kamillus am Abend vor der Rückkehr eher zufällig ein Gespräch mit Pater Angelo vom Kloster San Giovanni. Der redet dem jungen Mann ins Gewissen und dieser, offensichtlich von den Worten des Paters beeindruckt, sagt: „Pater, bittet Gott für mich, dass ich durch seine Gnade erkenne, was ich tun soll, dass ich ihm recht diene und das Heil meiner Seele erlange“ (SC). Am folgenden Tag, dem Festtag „Mariä Lichtmess“ besucht Kamillus den Gottesdienst, erhält wohl - wie üblich - eine geweihte Kerze und macht sich auf den Rückweg nach Manfredonia.

Kamillus von Lellis
Kamillus von Lellis – ein Vorbild der Nächstenliebe für alle Zeiten und Kulturen. Hier eine Darstellung aus Brasilien.

Dieser 2. Februar 1575 wird für Kamillus zum Tag „der inneren Umkehr“. Auf dem Esel sitzend kommt ihm sein bisheriges Leben in den Sinn, und er erkennt, dass er im Grunde auf wenig Positives zurückschauen kann. Die Bilanz erschüttert ihn. Er hält ein und „wie zu Boden geschlagen von göttlichem Licht, lässt er sich mitten auf der Straße zur Erde nieder“, fängt an zu weinen und schluchzt: „O ich Elender und Unglücklicher, wie war ich doch verblendet, dass ich meinen Herrn und Gott nicht früher erkannt habe. Warum habe ich nicht mein ganzes Leben damit verbracht, ihm zu dienen? Vergib, o Herr, vergib mir, dem großen Sünder … Nicht mehr die Welt, nicht mehr die Welt!“ (SC)

Kamillus ist an einem Wendepunkt seines Lebens angekommen. Im Grunde ist er kein anderer geworden, aber einer, der nun bewusster lebt, seine Wünsche und Vorstellungen zügeln und einordnen und sich an den vom Glauben gewiesenen Hilfen ausrichten kann.

Die Umkehr trägt im Leben des Kamillus Früchte. Er orientiert sich neu und findet so den Weg zu einem verantwortlichen Leben vor Gott im Dienste für die Kranken.


 

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