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Das St. Jakobs-Spital in Rom, Foto: Kamillianer

Das Kamillus-Lesebuch
Zeugnis eines bewegten und wegweisenden Lebens

Fortsetzung - Teil 2

„Kamillus, du kannst mehr, du kannst Größeres leisten!“ Dieser Satz trifft Kamillus im Herzen und irgendwie auch in seiner Sehnsucht nach einem anderen Leben.

Kamillus macht sich, nicht ohne Krisen und Zögern, auf den Weg. Er will sein Leben ändern, der „inneren Stimme“, die ihn zur Umkehr ruft, folgen, wenn man so will: Gott in seinem Leben Raum geben.

Die innere Wende

Dass selbst die angestrebte Umkehr nicht so einfach ist, muss Kamillus schmerzlich erfahren. Statt innerlich Ruhe zu finden und ein schlichter, gehorsamer Klosterbruder zu werden, erfährt er Abweisung und schließlich die Entlassung aus der Gemeinschaft der Kapuziner, die er doch als sein neues Zuhause angestrebt hat. Die immer wieder aufbrechende Fußwunde wird ihm zur „Wendemarke“.

Durch einfache Dienste im römischen St. Jakobs-Spital, dem „Spital für die Unheilbaren“, verrichtet er schlichten Krankendienst, um die „Behandlung“ seiner Fußwunde abzuarbeiten. Erst allmählich und nach einigen „Fluchtversuchen“ - Kamillus bleibt sich da selbst treu - entdeckt er im Krankendienst eine sinnvolle Tätigkeit. Eine innere Wende vollzieht sich.

Die Sorge um die Kranken fasziniert Kamillus dann aber so sehr, dass er sich dieser Aufgabe ganz hingibt. Er wird sogar zum „Spitalsmeister“, dem Leiter des Hospitals, berufen. Es ist aber nicht der berufliche Aufstieg, der ihn erfreut und interessiert. Er sieht darin eher die Möglichkeit, jetzt von ihm festgestellte Missstände in der Versorgung der Kranken abzustellen. Und er hat da einige Ansprüche: Dem Kranken das Essen so anreichen, dass dieser gut und ausreichend ernährt wird, dem Fieberkranken die Stirn kühlen, ja auch regelmäßig den Strohsack aufschütteln und das Bettzeug wechseln. Von den Pflegenden fordert er, sich um die Kranken zu kümmern wie eine Mutter sich um ihr einziges krankes Kind kümmert. Eine hohe Messlatte, aber Kamillus ordnet nicht nur an, er verrichtet selbst beispielhaft die Dienste, die er für unverzichtbar hält.

Mit der gleichen Energie, die ihm früher in der lockeren Lebensführung eigen gewesen ist, sorgt er jetzt für Kranke. Vielleicht kommt ihm da sein ungestümes Temperament und wohl auch eine gewisse Dickköpfigkeit zugute. Es ist aber sicher auch der Wandel in seiner religiösen Einstellung. Die Umkehr auf seinem Lebensweg sieht er als Geschenk Gottes an. Er will gut machen, was er in jungen Jahren vernachlässigt hat, und schöpft Kraft aus dem Gebet und dem Nachdenken über Gottes barmherzige Liebe zu den Menschen.

Geerdeter Glaube

Der Glaube dieses gewandelten Kamillus ist „geerdet“. Seine Frömmigkeit ist gepaart mit ganz konkreten Erkenntnissen und Einsichten. Wenn er das, was er nun als seinen Auftrag und sein Werk ansieht, verwirklichen will, braucht er Anerkennung. In seiner Zeit heißt das: die Anerkennung der Kirche. Also entschließt sich Kamillus, Priester zu werden. Dem Kranken in der Sorge um Leib und Seele nahe zu sein, ihn pflegen und ihm auch seelisch beizustehen, das wird das Ziel, dem er mit Leib und Seele nacheifert.

Suche nach Gleichgesinnten

Bald wird ihm klar, dass er allein die „Welt der Kranken“ nicht wirklich und auf Dauer verändern kann. Die Erfahrungen im Söldnerheer lassen ihn erkennen, dass er „eine Truppe“ braucht, die unter seiner Leitung das in die Tat umsetzt, was er als notwendig erkannt hat. Er sucht nach Gleichgesinnten, findet ein paar und gründet mit ihnen die Gemeinschaft der Krankendiener. Zugleich bestürmt er die offiziellen Vertreter der Kirche geradezu, seine zunächst noch kleine Gruppe anzuerkennen. Kein einfaches Unterfangen, denn da fordert man Regeln und Ordnungen. Kamillus lässt nicht locker und erreicht sein Ziel. Die einfachen Menschen zuerst, dann die Kranken und schließlich auch die, die das Sagen haben, können ihm die Anerkennung nicht mehr versagen.

Überzeugendes Beispiel

Es ist sein Beispiel, das überzeugt. Man spürt, wenn er nicht nachgibt, dann deshalb, weil ihm die Kranken am Herzen liegen. Vor Gott sieht er sich gefordert und das macht ihn stark.

Als Kamillus mit 64 Jahren in Rom stirbt, ist sein Werk geschätzt und anerkannt. Von manchem Amt, das er innegehabt hat, zieht er sich nach und nach zurück, nicht aber vom Krankendienst. So lange es ihm, trotz nachlassender Kräfte und eigenen Krankheitserfahrungen möglich ist, dient er den Kranken. Kranke gibt es immer, und sie bedürfen der liebenden, fürsorglichen Zuwendung damals wie heute. Und einen gibt es, der zeigt, wie es gehen kann. Von dem kann man auch heute lernen. So einer ist dieser Kamillus von Lellis, abenteuerlich und aktuell, einer mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte. Einer, der die Kranken lieben lernt und sich für diese Liebe ganz und gar einsetzt.

Sterbezimmer des hl. Kamillus
Das Sterbezimmer des hl. Kamillus in der „Maddalena“ in Rom. Foto: Kamillianer.

Gebet der Gemeinschaft Cenacolo
zum heiligen Kamillus von Lellis

Herr Jesus, Du bist Mensch geworden, weil Du die Leiden der Menschen teilen wolltest. Auf die Fürsprache des hl. Kamillus von Lellis, der die Armen und Kranken liebte und ihnen diente, bitte ich Dich, allen zu helfen, die Leid tragen.

Wie Du in Deinem Leben eine besondere Vorliebe für die Kranken gezeigt hast, so lass auch heute denjenigen, der Schmerzen ertragen muss, Deine väterliche Güte erfahren.

Heile die an Leib und Seele Verwundeten, stütze den Glauben derer, die unter dem Kreuz wanken aufgrund der Last des Schmerzes und öffne eine Perspektive der Hoffnung für alle, die sich im Dunkeln befinden.

Hilf uns, wie der hl. Kamillus zu verstehen, dass im Gesicht des Kranken und des Leidenden Du an unser Herz klopfst.

Stärke meinen Glauben, dass Du in den leidenden Brüdern anwesend bist und schenke mir die Empfindsamkeit Deiner Liebe und die Fähigkeit, ihnen zu dienen und sie zu lieben mit Deinem Herzen.

© Kamillianer 2018 - 07.12.2018 [Stand: 08.12.2018]zurück     nach oben