Kamillianer
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Ansprache von Kardinal Dr. Christoph Schönborn beim Requiem für Pater Mollner


Requiem für Pater Peter Mollner mit Kardinal Christoph Schönborn
am 13. Jänner 2009 im Wiener Wilhelminenspital

Am 22. Dezember 2008 feierte der Wiener Kardinal in der St. Karl Borromäus-Kirche im Geriatriezentrum Am Wienerwald das Requiem für Pater Peter Mollner, von dem er bekannte, dass er ihm auch persönlich ein Vorbild gewesen sei. Die Lesung ist aus dem ersten Samuelbuch, Kapitel 1, Verse 24 bis 28, und das Evangelium das „Magnificat“, der Lobgesang Mariens aus dem Lukasevangelium, Kapitel 1, Verse 46 bis 56.

Liebe Angehörige unseres verstorbenen Pater Peter, liebe Mitbrüder im Kamillianerorden, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Amt, liebe Ordensschwestern, liebe Vertreter der Ökumene, liebe ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Spitalsseelsorge!

Als ich die Nachricht vom so plötzlichen Tod von Pater Mollner erfuhr, war ich selber ganz erschüttert: So plötzlich, so unerwartet aus dem Leben gerissen, aus dem Leben abberufen. Es war mir ein besonderes Anliegen, diese Seelenmesse, dieses Requiem mit Ihnen allen persönlich zu feiern. In großer Dankbarkeit für das, was die Spitalsseelsorge, die Erzdiözese Wien unserem Pater Mollner verdankt. Aber auch in großer Dankbarkeit für die vielen vielen Menschen, die er in Krankheit und auch im Sterben begleitet hat. Und in großer Dankbarkeit mit den und für die vielen ehrenamtlichen und auch hauptamtlichen Helferinnen und Helfer in der Spitalsseelsorge.

Pater Mollner bin ich zuerst begegnet in seiner Funktion als Leiter des Krankenreferats. So habe ich ihn als Weihbischof kennen und schätzen gelernt. Und als er dieses Referat dann niederlegte, als Krankenhauseelsorger, als Mitglied im Priesterrat und auch, als ich Patient im Wilhelminenspital war, der seine ganz gute und treue Betreuung erleben durfte.

Es gäbe viel über ihn zu sagen, aber es gibt hier viel Kompetentere, die über seinen großen Einsatz zur Verbesserung zur Entwicklung der Spitalsseelsorge etwas erzählen könnten. Er hat klar gesehen, nicht nur weil die Priester weniger werden in der Spitalsseelsorge, sondern weil dieser Dienst auch die Mitarbeit von qualifizierten Laien, hauptamtlichen und ehrenamtlichen, erfordert.
Er hat so viel beigetragen und sich dafür eingesetzt, dass Spitalsseelsorge nicht, wie sie schon manchmal ein bisschen war, ein Ausgedinge für Mitbrüder ist, die in der Pfarre den Dienst nicht mehr tun können. Sondern dass es hier hoch qualifizierte, wirklich gut ausgebildete Seelsorger braucht. Dass das nicht nur eine Berufung für Priester, sondern auch für Laienchristen ist, die durch die Taufe und die Firmung ausgerüstet sind für den Dienst am Notleidenden und Kranken und auch am Sterbenden.
So ist es ihm zu verdanken, dass nicht nur inner-diözesan und österreich-weit die Krankenhausseelsorge eine so große Entwicklung genommen hat, sondern dass sie auch einen besonderen Platz in unseren Wiener Spitälern, nicht nur in den kirchlichen, sondern auch in den städtischen, gefunden hat. Dass Krankenhausseelsorge heute viel deutlicher ein Bestandteil des Spitals geworden ist. Dass im Krankenhaus der Seelsorger nicht ein tolerierter, gerade noch Dabei-sein-Dürfender oder Neben-her-laufen-Dürfender, sondern ein wirklich integraler Bestandteil der Sorge um die Kranken an Leib und Seele sein kann.

Ich kann mich gut erinnern an Gespräche mit ihm im Wilhelminenspital, als ich selber dort Patient war, wo er mir geschildert hat, wie die Entwicklung in den Jahrzehnten gegangen ist, die er selber überblicken konnte, wie die Anerkennung der Spitalsseelsorge gewachsen ist.

Aber ich möchte nicht bei diesen Verdiensten stehen bleiben, über die es sicher noch viel zu sagen gäbe. Ich möchte auf die Worte der Schrift hören, was sie uns zu sagt. Etwas Paradoxes, etwas Überraschendes ist, dass die beiden Texte, die wir heute zum 22. Dezember gehört haben, dass sie von Kindern reden, von der Geburt, von der Empfängnis, vom neuen Leben.
Da ist der kleine Samuel, den die Mutter so inständig im Tempel in Schilo erfleht hat und der, nachdem er entwöhnt war, von seiner Mutter Hanna in den Tempel gebracht wurde, um ganz dem Herrn zu gehören, in seinem Leben als Prophet, als Hirte seines Volkes. Im Evangelium geht es weiter: Johannes, der künftige Täufer, im Schoß seiner Mutter Elisabeth und Jesus, den Maria empfangen hat, um gleich darauf zu Elisabeth, der Verwandten zu gehen und mit ihr die Freude zu teilen, dass beide ein Kind erwarten.
Wie eigenartig, dass gerade heute, wo wir Pater Mollner zu Grabe getragen haben und jetzt die Eucharistie für ihn feiern, das Thema Geburt, Empfängnis, neues Leben im Vordergrund steht.
Ich denke, es ist keine künstliche Verbindung, wenn ich daran erinnere, dass die Kirchenväter gerne den Tod als eine Geburt gesehen haben. In der kirchlichen Sprache nennt man bei den Heiligen - Pater Mollner ist sicher einer, der in seinem Leben nach der Heiligkeit gestrebt hat - ihre Sterbetage „Dies natalis“ - der Geburtstag. Wir feiern nicht den Geburtstag der Heiligen, sondern ihren Sterbetag als den endgültigen Geburtstag.

Samuel, der in den Tempel gebracht wird, ist noch ein zusätzliches Bild. Die Mutter bringt das Kind in den Tempel, um es Gott zu weihen. Pater Mollner, der im Ordens- und im Priesterdienst sein Leben Gott geweiht hat, hat diese endgültige Weihe an Gott jetzt vollzogen und empfangen durch die Übergabe seines Lebens in die Hände Gottes, in den Tempel der Gegenwart Gottes, wo wir endgültig zuhause sind. Maria, die das Kind unter dem Herzen trägt, das sie empfangen hat, den Messias, den Heiland des jüdischen Volkes, die „Herrlichkeit seines Volkes Israel“ (Simeon).

Ich denke, dass Maria nun Pater Mollner entgegengekommen ist, so wie wir es im „Salve Regina“ beten und singen. Dort heißt es, sie möge ihre barmherzigen Augen auf uns wenden und uns Jesus zeigen. So dürfen wir in dieser Stunde mit Maria das „Magnificat“ nicht nur für sie, die Jesus empfangen hat, sondern auch für Pater Mollner singen und ihn ihr anvertrauen. Sie möge ihre barmherzigen Augen auch auf ihn richten.

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© Kamillianer 2009[Stand: 25.01.2009]css